Wenn der Sturm zum Segen wird – von Klagenfurt nach Biberach in 8 Stunden

Eine gute Freundin erzählte mir schon vor einiger Zeit eine Geschichte über ihre Ausbildungsfahrt ins schwäbische Biberach. Die Erzählung in der Ich – Form bezieht sich auf sie.

Montag um 8 Uhr morgens war der Beginn einer eintägigen Fortbildungs-veranstaltung geplant. Da die Fahrt dorthin mit 5 Stunden dauern wird, reiste ich einen Tag früher an. Wie üblich stellte mir ein Arbeitskollege das Firmen Tomtom ein und ich holte das vorgegebene Mietauto an einer Tankstelle in Klagenfurt ab. Tomtom gestartet und die Fahrt ging los. Nach einigen Kilometern Fahrt stellte ich fest: Das Tomtom spricht nicht, sondern zeigt nur die Richtung. Das wäre bis München vermutlich kein Problem gewesen, doch ab da nicht unproblematisch. Meine Versuche es selbst zum reden zu bringen, blieben ohne Erfolg. Also wieder zurück zur Tankstelle und um dort erfolgreich um Hilfe gebeten.

Die Reise startete von neuem. Die ersten 100 km waren problemlos. Doch dann begann Sicht durch die Windschutzscheibe vom Salz auf der Straße zunehmend schlechter zu werden und ich versuchte den Hebel für die Scheibenreinigungsflüssigkeit zu betätigen. Doch es herrschte diesbezüglich absolute Bewegungslosigkeit. Ich blieb wiederholt stehen, um die Scheiben händisch zu reinigen und landete schließlich erneut auf einer Tankstelle, um um Hilfe zu bitten. Der Tankwart meinte vermutlich ist der Flüssigkeitstank leer. Ich kaufte eine Packung und versuchte diese nachzufüllen. Doch welche Überraschung als ich den Motorraum öffnete. Der Tank war absolut voll, doch leider die Flüssigkeit darin eingefroren. Da kann dir niemand helfen. Ich hatte eine Flasche Wasser mit und überlegte den Inhalt wiederholt während der Fahrt durch das geöffnete Seitenfenster Wasser auf die Windschutzscheibe zu bringen. Doch wer das einmal selbst ausprobiert hat, weiß, dass das Handling während der Fahrt einigermaßen unpraktisch ist und ich ließ es einfach bleiben und kämpfte mich mit schlechten Sichtverhältnissen weiter. Zum Glück begann bald ein heftiger Sturm mit Regen und Schneefall. Meine Reisegeschwindigkeit reduzierte sich zwar noch einmal, doch zumindest half mir das Wasser auf der Scheibe einigermaßen zu sehen.

So erreichte ich die südlichen Ausläufer Münchens und mein Tomtom verstarb. D.h. Es zeigte kein Bild und gab auch keinen Ton mehr von sich. Offensichtlich war die Batterie leer und das laufend im Zigarettenanzünder angesteckte Ladekabel dürfte seine Funktion nie erfüllt haben. So blieb eine weitere Anfahrt zu einer Tankstelle unausweichlich. Ich kaufte mir eine Autokarte und durfte mir den Kommentar des Verkäufers: „Wer fährt am Sonntag abend nach Biberach?“ anhören.

Irgendwie schaffte ich es durch München und leider hörte der Sturm auf. Das Sichtproblem begann von Neuem. Mein Hotel in Biberach war bestellt und ich mußte vor Mitternacht dort sein. Ansonsten würde die Buchung storniert und ich war nicht nur angespannt, sondern auch müde. Zuweilen beginnt man in solchen Situation durchaus unvernünftig zu handeln. Als mich ein Auto überholte, und ich erkannte, dass die Rücklichter mir Orientierung verliehen, entschloss ich mich, einfach den Lichtern zu folgen. Obwohl ich kaum etwas sah, konnte ich so halbwegs passabel weiterkommen. Aber wie gesagt: Ich empfehle es nicht weiter und würde es nie wieder tun. Zum Glück war die Natur vernünftiger als ich und nach einigen Kilometern setzte der Schneesturm wieder ein. Ich fuhr nunmehr zwar deutlich langsamer, aber die Sicht war durch die nunmehr wieder mögliche Reinigung der Windschutzscheibe unvergleichlich besser.

Irgendwie schaffte ich es auch durch das komplexe Straßensystem Memmingens und erreichte nach 8 Stunden Fahrt erschöpft aber glücklich Biberach.

„Mit diesem Auto müsst ihr was tun, sonst gehe ich zu Fuß nach Hause.“

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass
- der vordere Zigarettenanzünder nicht funktionierte
- das Tomtom mit dem falschen Kabel ausgestattet war, was einen Ladevorgang unmöglich machte
- die Scheibenreinigungsflüssigkeit viel zu stark verdünnt war

Die Heimreise verlief nachdem alle Probleme gelöst wurden unproblematisch. Nicht einmal ein Stürmchen zeigte sich mehr. Bei der Hinfahrt waren mir die beiden Stürme eine große Hilfe. Nun war es fast langweilig.

http://de.wikipedia.org/wiki/Biberach_(Heilbronn)

Autor:

Heinz Mauch aus Villach

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