Gemeindeschulden haben gute Gründe
Alles eine Frage der "Auslagerung"
- Vielen Kärntner Gemeinden fehlt die Luft zum Atmen. Zahlen tut das Land, gefordert ist der Bund.
- Foto: Pixabay
- hochgeladen von Peter Kleinrath
Unterschiedlich hohe Pro-Kopf-Verschuldung in den Villacher Gemeinden: MeinBezirk.at sucht Gründe, Hintergründe und Fakten statt reflexartiges "Gemeinde-Bashing".
VILLACH, VILLACH LAND. In der letzten Ausgabe von MeinBezirk Villach (erschienen am Mittwoch, dem 5. November 2025) haben wir thematisiert, dass sich viele Kärntner Gemeinden in einer prekären Lage befinden, was finanzielle Haushalte und Abgänge anbelangt. In diesem Zusammenhang haben wir Ihnen eine Grafik präsentiert (siehe rechts oben), die sowohl die Verschuldung als auch die Pro-Kopf-Verschuldung in den einzelnen Gemeinden aufweist. Diese Grafik zeigt den aktuellsten zur Verfügung stehenden Datenstand von 2023 (Quelle: Statistik Austria, Kartenmaterial: Statistik Austria, Grafik: APA).
Momentaufnahme
Die Grafik erfasst den Schuldenstand in Relation zur Bevölkerung zu einem bestimmten Stichtag. Das ist insofern aussagekräftig, als die Einwohner eine Relation der Schuldensumme zur Budgetsumme und dem Finanzbedarf für die Aufgabenerfüllung herstellen. Wenn man sich die langfristige Entwicklung ansehen würde, wäre die Aussagekraft natürlich höher. Da könnte man gezielt nach den Ursachen fragen, wenn Ausreißer ersichtlich werden. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es nicht die Intention unseres Beitrags aus der Vorwoche war, irgendeine Form von reflexartigem "Gemeinde-Bashing" zu betreiben. Es hat nämlich Gründe, warum manche Gemeinden verschuldeter sind, als andere. Deshalb kommen in unserem Thema der Woche auf den Seiten 4 und 5 Peter Heymich, Landesgeschäftsführer vom Kärntner Gemeindebund, und diverse Bürgermeister aus dem Bezirk Villach Land zu Wort.
- "Kärnten hat geringste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer!" – Peter Heymich, GF Kärntner Gemeindebund
- Foto: Kärntner Gemeindebund
- hochgeladen von Peter Kleinrath
Der Hintergrund
"Es gibt Gemeinden, die ihre Kanalisation erst viel später als andere errichtet haben. Während andere die Kanalisation quasi ausfinanziert haben und vor der Aufnahme neuer Darlehen für Sanierungen stehen (sofern mit den Gebühren nicht ausreichende Rücklagen gebildet wurden), sind andere noch voll in der Tilgungsphase", gibt Peter Heymich, Landesgeschäftsführer vom Kärntner Gemeindebund, zu bedenken: "Ebenso gibt es mit Kraftwerken Investitionen, für welche Darlehen zu bedecken sind, die sich jedoch in absehbarer Zeit amortisieren. Auch dies wäre als ein kostenintensives 'Prestigeprojekt' differenziert zu betrachten." Der Gemeinden-Experte hat allerdings auch positive Nachrichten in petto: "Generell ist anzumerken, dass die Kärntner Gemeinden die Gemeinden sind, welche im Durchschnitt die geringste Pro-Kopf-Verschuldung aller Bundesländer aufweisen. Einzelbegründungen und diesbezügliche Beurteilungen fehlen mir jedoch leider selbst."
- "Fresachs Verschuldung ist in den Gebührenhaushalten zu finden!" – Gerhard Altziebler (Gemeinsam für Fresach, Liste Gerhard Altziebler), Bürgermeister von Fresach
- Foto: Gemeinde Fresach
- hochgeladen von Peter Kleinrath
"Gebührenhaushalte schuld"
Die Verschuldung der Gemeinde Fresach ist fast ausschließlich in den Gebührenhaushalten Wasser und Kanal zu finden. "Gerade im Bereich der Wasserversorgung gibt es viele Vorschriften (nicht immer verständlich), die umgesetzt werden müssen. Da die Gebührenhaushalte vom gewöhnlichen Budget nicht bezuschusst werden dürfen, kann die Gemeinde diesen Schuldenstand nicht beeinflussen. Einzig und allein durch eine gewaltige Gebührenerhöhung können diese Schulden schneller getilgt werden", merkt Bürgermeister Gerhard Altziebler an: "Da in Fresach speziell der Kanal vor nicht allzu langer Zeit errichtet wurde, gibt es noch relativ hohe Verbindlichkeiten, welche sich aber kontinuierlich von Jahr zu Jahr verringern. Das größte Problem für die Gemeindefinanzen sind die Umlagen, speziell für Soziales, Krankenanstalten und viele andere, welche das Gemeindebudget besonders belasten!"
- "Wenn ich Kanal und Wasser auslagere, steht auch Stockenboi ohne Schulden da!" – Hans-Jörg Kerschbaumer (FPÖ), Bürgermeister von Stockenboi
- Foto: Gemeinde Stockenboi
- hochgeladen von Peter Kleinrath
"Auslagern spart Geld"
"Während einige Gemeinden ihre Schulden in diverse Verbände ausgelagert haben, sind bei uns alle Schulden in der Gemeinde gebündelt. Selbstverständlich haben wir deshalb mehr Schulden im Haus, als etwa Paternion und St. Jakob, die in der letzten Ausgabe als Positivbeispiele genannt wurden", unterstreicht Hans-Jörg Kerschbaumer, Bürgermeister von Stockenboi: "Wenn ich Kanal und Wasser auslagere, steht auch Stockenboi ohne Schulden da. Aber ich kann jetzt schon prognostizieren, dass wir unser Budget ausgleichen werden, wenn wir die Betriebsmittel miteinbeziehen können."
- "Meine Gemeinde hat keine Schulden. Allerdings haben wir Kredite laufen" – Gerhard Ebner (FPÖ), Bürgermeister von Arriach
- Foto: Gemeinde Arriach
- hochgeladen von Peter Kleinrath
"Haben null Spielraum"
Auf den Punkt bringen kann all das auch Gerald Ebner, Bürgermeister von Arriach: "Meine Gemeinde hat keine Schulden. Die einzige Ausnahme stellt der Kanalbau dar. Dabei handelt es sich um ein generationenübergreifendes Projekt, bei dem die Kredite über Jahrzehnte laufen. Unserer wurde zwischen 2002 und 2005 aufgenommen. Wir haben ein ausgeglichenes Budget, aber null Spielraum für weitere Investitionen."
Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Du möchtest kommentieren?
Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.