Schicksalstage aus 100 Jahren im Bezirk
Als die Drau die Brücke zum „Brummen“ brachte

Das Wasser der Drau übt Druck auf die Stadtbrücke aus
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  • Das Wasser der Drau übt Druck auf die Stadtbrücke aus
  • Foto: Gernot Pernull
  • hochgeladen von Bernhard Mairitsch

Schicksalstage aus 100 Jahren im Bezirk. Das Hochwasser 1966. Ein traumatisches Erlebnis in Villach.

VILLACH (bm). In den 1960er Jahren wurde Villach und das Obere Drautal besonders häufig von Hochwasser heimgesucht. Im August 1966 war die Region noch dabei, sich von der letzten Überschwemmung aus dem Vorjahr zu erholen, da brach schon die nächste Flut-Katastrophe auf Villach ein. Am 19. August erreichte der Wasserstand einen historische Rekordpegel von 6,95 Metern. Nach mehrtägig andauernden Regenfällen waren nicht nur Gerbergasse und Lederergasse komplett geflutet, der Hauptplatz war das neue Flussufer, und konnte nur mit Booten befahren werden.

Erinnerung eines Zeitzeugen

Der 86-jährige Villacher Dolfi Scherer lebt seit seinem 4. Lebenstag in Villach, damals allerdings im Außenbereich der Stadt, und war so selbst nicht von der Überschwemmung betroffen. Dennoch kann er sich noch gut an das Spektakel erinnern. „Wir hatten zwar ein paar Hochwasser damals, aber dieses eine im August 1966 war besonders schlimm. Denn damals hatte die Brücke zum Hauptplatz gebrummt. Durch die Wassermassen stieg die Drau bis fast an die Fahrbahn an. Die Unterseite der Brücke wurde vom Fluss völlig ausgefüllt. Der Druck, der dadurch ständig auf die Brücke auswirkte, hat das besagte Brummen ausgelöst.

Stadtbrücke in Gefahr

Man befürchte, das Konstrukt würde die stetig einwirkenden Wassermengen nicht aushalten, und überlegte gar, sie zu sprengen. Nach Begutachtung der Brücke entschied man sich gegen die Sprengung. Auf jeden Fall aber war die Brücke für alle Menschen gesperrt. Dennoch nahmen einige Wagemutige diesen Weg. Scherer war einer von ihnen: „Wir haben uns über die Brücke zum Hauptplatz rübergeschwindelt. Auf der anderen Seite hat mich aber schon ein Polizist aufgehalten und ordentlich getadelt. Am Ende sagte er dann, ich könne auf demselben Weg nicht mehr auf die andere Seite des Flusses gehen.“

Einsatz rund um die Uhr

Die Feuerwehr war im Dauereinsatz, um das Wasser aus der Stadt ableiten zu können. Die Brücke konnte zwar gerettet werden, und auch das Hochwasser ging nach ein paar Tagen zurück. Dennoch sollte es im November desselben Jahres ein weiteres Mal zu Hochwasser kommen.
Was Scherer von dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben sei, fragt die WOCHE? "Das Wasser hat sehr schlecht gerochen. Und das Rumoren der Brücke, das war schon ein sehr unheimliches Geräusch."

Die historischen Fotos wurden freundlicherweise von Gernot Pernull zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema:
www.meinbezirk.at/100Jahre

Autor:

Bernhard Mairitsch aus Villach

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