Hochzeiten in Corona-Zeiten
Der September löst den Mai ab

Hochzeiten während Corona: Viele Trauungen wurden in den Herbst verschoben.
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  • Hochzeiten während Corona: Viele Trauungen wurden in den Herbst verschoben.
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Der Wonnemonat Mai war bisher der beliebteste Monat zum Heiraten. Heuer jedoch, liegt der September im Trend – was wohl mit der Pandemie zum tun hat. 

VILLACH, VILLACH LAND. Das Telefon in den Standesämtern kommt derzeit kaum zur Ruhe. Der Grund: Hochzeitstermine werden verschoben. Die WOCHE hat bei den Standesämtern nachgefragt, wie es um die Hochzeitspaare derzeit steht. "Direkte Absagen gibt es nicht, viele spekulieren derzeit mit einer Herbst-Hochzeit", informiert Barbara Martinschitz, Leiterin des Standesamtes in Finkenstein. Der Juni war heuer ganz stark gebucht. Jedoch nur ein geringer Teil behält den Termin und zelebriert im kleinen, erlaubten Rahmen (maximal zehn Personen). "Das sind meist jene Paare, die ohnehin eine kleine Hochzeit geplant hatten", sagt Martinschitz. Die Leiterin des Standesamtes informiert, dass einige Paare die Trauung auf 2021 verschoben haben. 

Flexible Zeiten 

Zu einem Terminstau ist es in Finkenstein noch nicht gekommen. Mitte August und im September ist heuer mehr los. Ein weites Fenster seitens der Uhrzeiten für Trauungen ermöglicht derzeit sogar noch weitere Termine – auch samstags sind nun Trauungen bis 16 Uhr geplant. "Die Nachmittags-Trauungen haben sich bereits in den letzten Jahren etabliert. Viele, die nicht kirchlich heiraten bevorzugen sogar die späteren Termine", sagt Martinschitz. Voriges Jahr gab es 80 Trauungen im Standesamt Finkenstein, heuer werden es vermutlich etwas weniger sein. 

Fachverband sucht nach Lösung für Niederschriften

Doch wie sieht es eigentlich mit den Gebühren aus? Sogenannte Niederschriften, die man vorab bezahlt sind sechs Monate lang gültig. Der Fachverband der Standesämter ist bereits um eine Lösung bemüht, dass diese Fristen eventuell verlängert werden – wenn Niederschriften beispielsweise schon bezahlt wurden, die Hochzeit jedoch erst 2021 stattfinden kann. 

Viele sind noch abwartend 

Gerhard Gruber, Standesbeamter in Villach beobachtet, dass viele Paare noch abwartend sind: "Viele warten ab, welche Lockerungen ab Juli kommen und wollen sich erst dann für einen ,neuen‘ Termin entscheiden." Doch auch derzeit finden laufend Trauungen statt. Gruber informiert, dass viele Hochzeiten derzeit vor allem wegen der Gastronomie verschoben wurden. Diese öffnet Mitte Mai, dann steht auch einem kleinen Hochzeitsessen nichts im Wege. "All jene, die eine große Hochzeit geplant haben, haben den Termin jedoch zur Sicherheit bereits auf 2021 verschoben", so Gruber weiter. Für heuer gibt es bereits einen Engpass an Samstagen im Herbst. Da heißt es also flexibel sein und vielleicht auf einen anderen Tag auszuweichen. "Absagen müssen wir aber zum Glück niemanden, jeder kommt dran", so Gruber. 

September ist ausgebucht

Gut gebucht und äußerst beliebt unter den Heiratswilligen ist auch das Standesamt Velden. "Im Mai hätten wir viele Trauungen gehabt, die meisten davon finden nun im September statt", informiert Patrizia Stöpp-Schöffmann, Leiterin des Standesamtes. Der September ist bereits auch weitgehend ausgebucht. Die bisher noch unklare Lage wie es mit den Hotels und der Gastronomie weitergeht führte hier zu vielen Verschiebungen. Ebenso die Reisebeschränkungen. "Wir haben viele Paare und Gäste aus dem Ausland, diese müssen die Situation einfach noch abwarten", Stöpp-Schöffmann. Aber auch derzeit finden Trauungen statt, unter Einhaltung aller Maßnahmen. Stöpp-Schöffmann: "Wir haben zum Glück einen sehr großen Trauungssaal. Hier kann der Abstand leicht eingehalten werden." Während der direkten Zeremonie können Paare auch auf den Mund-Nasen-Schutz verzichten, da der Abstand gegeben ist. 

Hochzeitsplannerin Alexandra Wagner ist auch in der Krise für Paare da.
  • Hochzeitsplannerin Alexandra Wagner ist auch in der Krise für Paare da.
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Wedding-Planner sind auch jetzt gefragt

Das Ja-Wort geben – der Hochzeitstag ist vermutlich einer der schönsten Tage im Leben. Damit dieser auch stressfrei abläuft, sind Wedding-Planner äußerst beliebt. Alexandra Wagner von "Glückwärts Wedding & Events" ist eine persönliche Hochzeitsplanerin. Sie bringt Paare in ganz Kärnten durch die gesamte Vorbereitungszeit. Neben Zeitersparnis hat eine Hochzeitsplanerin auch ein gutes Netzwerk, wovon Brautpaare deutlich profitieren. Ein Weddingplanner wird meist bei größeren Hochzeiten gebucht – diese finden jedoch derzeit gar nicht statt.  "Es wurde alles verschoben, manche Hochzeiten auf September, viele aufs nächste Jahr", berichtet Wagner. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auch derzeit hat Wagner einiges zu tun. Denn, sie kümmert sich um die Verschiebungen, plant alles neu. Mit den Paaren ist sie via Videokonferenz in Kontakt. Sie steht den Verlobten mit Rat und Tat zur Seite und kümmert sich um alles, um eine Traumhochzeit zu gewährleisten. 

Gartenfeste möglich 

Ausgenommen von der Verordnung sind beispielsweise Gartenhochzeiten. Eine Trauung im Freien, auf privatem Grundstück. "Hier fällt der Mund-Nasen-Schutz weg, ein Catering rundet die Hochzeit ab. Optimal ist auch, wenn man ein Zelt mietet, so muss man nicht zwingend auf schönes Wetter hoffen", informiert Wagner. Die engagierte Hochzeitsplanerin beobachtet auch einen weiteren Trend: die Winterhochzeit. Oder viele Paare weiten die Hochzeit auch auf mehrere Tage aus und können mit ihren Lieben verteilt feiern. 
Möglichkeiten, sich heuer noch das Ja-Wort zu geben gibt es also viele. Flexibilität und Kreativität ist dabei gefragt. "Belastend ist diese Zeit für Bräute jedoch sehr. Denn oft hat man sich auf ein spezielles Datum gefreut und muss nun ausweichen", sagt Wagner. Die Unternehmerin hofft stark, dass die Normalität langsam zurückkehrt. Die Umsatzeinbußen seien zwar ein Jahr tragbar, ein weiteres Jahr wäre jedoch undenkbar.

Lisa Pabst und Alexander Nadrag heiraten heuer standesamtlich – kirchlich erst 2022.
  • Lisa Pabst und Alexander Nadrag heiraten heuer standesamtlich – kirchlich erst 2022.
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Kirchlich erst 2022

Wie geplant findet die standesamtliche Hochzeit von Lisa Papst und Alexander Nadrag am 8. August in Pörtschach statt. Allerdings nur mit der maximal zulässigen Anzahl an Teilnehmer (derzeit zehn Personen inklusive Standesbeamten). Wohin man im Anschluss an die Trauung gehen wird, dass weiß das Paar noch nicht. „Vermutlich“, so der Bräutigam Alexander, „werden wir mit Eltern und Beiständen gemeinsam fein essen gehen und so den Tag gemütlich ausklingen lassen.“
Die kirchliche Trauung wurde abgesagt und auf 2022 verschoben. 2021 wurde deswegen nicht ins Auge gefasst, da es erstens aufgrund der vielen Absagen zu einem ziemlichen Termingedränge kommen wird und zweitens aufgrund der vielen Anfragen zu einer Verteuerung kommen kann. Hier befürchtet das Hochzeitspaar vor allem eine Erhöhung der Kosten für die Location der Feier.
Über den genauen Termin und die Örtlichkeit der kirchlichen Trauung und der anschließenden Feier sind sich das Paar noch nicht im Klaren.

Den Druck nehmen 

Durch die Absage der kirchlichen Hochzeit hat sich das Paar selbst den größten Druck genommen. Seit Beginn der Pandemie und der damit verbunden Einschränkungen haben sie die Ereignisse genauestens verfolgt und sind Ende April zu dem Schluss gekommen, dass die Absage die beste Entscheidung sein wird. „Wir wollen unseren großen Tag mit allen unseren Freunden und mit der Familie genießen. Ohne Einschränkungen. Wir wollen uns an diesem Tag umarmen können, wir wollen die Glückwünsche unserer Gäste nicht aus zwei Meter Entfernung entgegennehmen müssen", so das Paar. Anfang Mai hätten die Einladungen versenden werden müssen, eine Entscheidung war daher notwendig. "Wir sind sehr traurig, dass die Hochzeit nicht so wie geplant stattfinden wird", sagen die Verlobten. Durch die geänderten Rahmenbedingungen musste die Feier im Strandcasino Werzer abgesagt werden. Die Musikband und den DJ und natürlich auch den Fotografen mussten sie stornieren: "Das war schon frustrierend, dass alles, das seit einem Jahr geplant war, auf einen Schlag nicht mehr stattfinden wird.“
Ein neuer Termin im Spätherbst oder gar Winter war für das Paar keine Option. Hier meinte vor allem die Braut, dass sie sehr kälteempfindlich sei und eine Hochzeit in Kärnten nur in der warmen Jahreszeit so richtig passt.

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