"Ein Mann kann nicht mehr als eine Frau, er tut aber so"

Kristina Waltritsch, neue Präsidentin von BPW Villach
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VILLACH (aw). 100 Jahre. So lange werde es wohl noch brauchen, bis Frauen und Männer den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation bekommen. Diese erschreckende Vorstellung offenbart Elisabeth Schicho, ehemalige Vorständin und Präsidentin der "Business Professional Women" in Villach. Seit erstem März hat Kristina Waltritsch, Lebens- & Sozialberaterin, die Funktion übernommen. In 90 Nationen ist "BPW", die Gesellschaft berufstätiger Frauen, vertreten. Seit 2010 gibt es einen Sitz in Villach.

Wo setzt die Gesellschaft berufstätiger Frauen an, was ist das Ziel von BPW?
Wir möchten gesellschaftspolitisch bewegen, Zeichen setzen. Und gehen dabei in die kleinen Strukturen genauso wie die Großen. Immer wo es gebraucht wird.

Gebraucht wird Gleichberechtigung überall. An Fakten festmachen lässt es sich ganz einfach. Am 27. Februar war Equal Pay Day. Das heißt, bis dahin haben Frauen verglichen mit Männern umsonst gearbeitet.
Exakt. Das war mit ein Grund, warum wir uns formiert haben. Allein in Österreich verdienen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen um 15,9 Prozent weniger. Bei den Angestellten sind es 32,5 Prozent. Und das sind nur die Vollzeit-Beschäftigten. Wissen Sie, was das aufs Jahr aufgerechnet bedeutet? Für die Pension?

Was können wir tun, um das zu ändern?
Hier muss auf gesellschaftspolitischer Ebene agiert werden. Wir müssen ins Bewusstsein der Menschen vordringen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Denken Sie nur einmal, bis ins Jahr 1972 brauchte eine Frau die Unterschrift des Mannes, um arbeiten gehen zu dürfen.
Eine Freundin sagte mir mal, "Frauenrechte sind Menschenrechte". Es sollte selbstverständlich sein, nicht zwischen den Geschlechtern zu differenzieren.

Aber wie dringt man in dieses Bewusstsein vor?
Das beginnt bereits in der Kindheit. Mama und Papa erziehen Töchter und Söhne. Wir müssen vorurteilsfrei erziehen. Vorbilder sein und Emanzipation vorleben.

Das heißt, Mütter sollten arbeiten?
Nein, das ist der Denkfehler. Es geht darum, jede Art der Lebensführung zu respektieren und zu unterstützen. Wenn ich Hausfrau bin, sollte ich das ohne Selbstzweifel tun dürfen. Und wenn ich Karriere-Mutter bin, ebenso. Denn die Vorwürfe gibt es auf beiden Seiten.
Kindern sollen nicht ständig Selbstzweifel suggeriert werden.

Wir müssen uns also zuallererst von (Vor-)urteilen frei machen.
Und an uns selbst arbeiten. Frauen verkaufen sich nur allzuoft unter ihrem Wert. Warum können viele Frauen kein Kompliment annehmen? Weil wir so erzogen wurden. Im Berufsleben ist es nichts anderes. Frauen machen sich kleiner, Männer oft größer, als sie sind. Ein Mann kann nicht immer mehr als eine Frau, er präsentiert sich jedoch meist besser.

Das heißt?
Ein Beispiel. Es ging um eine Stellenausschreibung. Eine sehr komplexe Tätigkeit mit hohem Anforderungsprofil. Es bewarben sich 15 Männer, keine Frau. Aber nicht etwa, weil nur Männer den Anforderungen entsprochen hätten. Denn von den 15 hatte keiner die nötigen Qualifikationen. Trotzdem haben sie es versucht. Das würden sich nur wenige Frauen trauen.

In solchen oder ähnlichen Fällen, wären da Frauenquoten sinnvoll?
Das ist ein heikles Thema. Wenn die Situtation passend ist, kann eine Quote gut sein. Wenn nicht, kann sie ebenso fehl am Platz sein.

Was halten Sie beide von dem Binnen-I?
Sobald die weibliche Form von der Gesellschaft verinnerlicht wurde, brauchen wir es nicht mehr. Aber solange das noch nicht der Fall ist, ist das Binnen-I gerechtfertigt.

Kristina Waltritsch, neue Präsidentin von BPW Villach
Elisabeth Schicho, ehemalige Präsidentin von BPW Villach

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