Krebshilfe Kärnten
"Krebs geht uns alle etwas an"

Jasmine-Isabell Mrak-Caamaño, Geschäftsführerin der Krebshilfe Kärnten
  • Jasmine-Isabell Mrak-Caamaño, Geschäftsführerin der Krebshilfe Kärnten
  • Foto: Krebshilfe Kärnten
  • hochgeladen von Alexandra Wrann

KÄRNTEN. Seit 2018 engagiert sich Jasmine-Isabell Mrak-Caamaño für die Krebshilfe Kärnten, erst ehrenamtlich, seit einem Jahr als Geschäftsführerin.
Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar spricht die WOCHE mit ihr darüber, wie es ist, tagtäglich von "Krebs" umgeben zu sein und auch über Forderungen, die sie an die Politik stellt.

WOCHE: Frau Mrak-Caamaño, welche Agenden umfasst die "Krebshilfe Kärnten"?
Mrak-Caamaño:
Das ist sehr umfangreich. Wir sind eine Anlaufstelle für Betroffene, aber auch Angehörige in einer Vielzahl von Belangen. Ein Schwerpunkt ist in der Beratung und Vermittlung von Therapien. Oft sind auch Angehörige, wie Ehepartner, völlig überfordert mit der Situation.

Dazu arbeiten sie mit Experten zusammen?
Genau. Der Schwerpunkt liegt im Bereich "Psychoonkologie", aber darüber hinaus arbeiten wir mit Ernährungsberatern, Sport- oder Physiotherapeuten zusammen.

"Man muss wissen, nicht selten führt die Krebserkrankung zu finanziellen Schwierigkeiten."


Es ist aber wichtig zu betonten, dass für die Patienten keine Kosten anfallen.
Die Kosten trägt der Verein. Wobei uns die Ärzte und Therapeuten, mit welchen wir zusammenarbeiten, im guten Sinn der Sache entgegen kommen.
Das ist aber nur ein Spektrum, wir helfen auch bei Kosten beispielsweise für Medikamente oder Spitalsaufenthalte. Bei Härtefällen können wir uns an den Dachverband wenden. Man muss wissen, nicht selten führt eine Krebserkrankung Menschen in finanzielle Schwierigkeiten. Darum sind Spendengelder so enorm wichtig. 

Wie ist es um die Spendenfreudigkeit der Kärntner bestellt?
Ich muss zugeben, die letzten Jahre war es mühsam. Aber ich merke, dass sich etwas tut. Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen, zu zeigen, dass es jeden treffen kann. Nicht selten bin ich 60 Stunden in der Woche und mehr "auf Tour".

Ich fordere mehr Interesse seitens der Politik ein. Krebs geht schließlich alle etwas an.

Wie sieht es mit Förderungen aus?
Wir bemühen uns aktuell darum beim Land Kärnten, bisher gab es keine.  Hier würde ich ganz klar mehr Interesse einfordern, wie gesagt, Krebs geht uns alle an. 

Wann kommen Krebserkrankte zu Ihnen, frühzeitig, oder nach der Behandlung?
Leider kommen viele erst nach der Behandlung zu uns, oft wenn sie in Remission sind. Dabei könnten wir schon früher helfen. Es ist wichtig eine Krebserkrankung nicht nur körperlich zu behandeln, eine psychologische Begleitung ist von Beginn an ratsam.

Wie präsent ist das Thema Krebs in Kärnten? Wird dem gesellschaftlich genug Platz eingeräumt.
Wie bereits gesagt, Krebs geht uns alle an. Es gibt heute kaum noch jemanden, der nicht in irgendeiner Weise davon betroffen ist. Darum sollte man auch darüber sprechen. Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt, stehen die Chancen, sie zu besiegen, oder ein relativ unbeschwertes Leben damit führen zu können, heutzutage gut.

Wird Krebs frühzeitig erkannt, sind die Chancen auf Heilung in vielen Fällen heutzutage gut.

Welche Forderungen stellen Sie diesbezüglich?
Ich würde mir noch mehr Aufklärungsarbeit wünschen. Bei Brustkrebs ist es nach wie vor so, dass Frauen glauben, sich selbst abzutasten, würde ausreichen. 

Welche sind die häufigsten Krebsdiagnosen?
Hautkrebs ist nach wie vor verbreitet. Bei Kindern vor allem Leukämie und Hirntumore, bei Erwachsenen Brust- und Prostatakrebs, und, ja, Lungenkrebs natürlich. 

Wie viele Neuerkrankte gibt es in Kärnten im Jahr?
Das sind zwischen 3.200 und 3.500, in Österreich sind es ungefähr 40.000 im Jahr. Die Tendenz ist steigend.

Wie viele Beratungen haben Sie im Jahr? 
Derzeit kommen fünf bis zehn neue Beratungen in der Woche dazu, im Jahr 2019 waren es 400. Derzeit merken wir, dass es zunimmt. 

Eine abschließende Frage, wie ist es tagtäglich mit Krebs konfrontiert zu werden?
Man hat anfangs zu mir gesagt, es gibt zwei Arten von Menschen. Entweder du gehst daran zugrunde, oder aber du gehst in dem, was du tust, vollends auf. Bei mir ist es Zweiteres. Aber ich muss auch erwähnen, dass ich tolle Unterstützung von meiner Mitarbeiterin habe, und vor allem auch zuhause von meinem Mann, der für mich immer ein Ansprechpartner ist.

WOCHE: Vielen Dank für das Gespräch!

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Zur Sache

Die Krebshilfe Kärnten (krebshilfe-ktn.at/home/) ist ein Verein unter dem Dachverband Österreichische Krebshilfe (krebshilfe.net) mit Sitz in Wien.
Seit der Gründung im Jahre 1910 ist die Österreichische Krebshilfe den Grundsätzen der Gemeinnützigkeit und Überparteilichkeit verpflichtet und auf vereinsrechtlicher Basis organisiert.
Der Verein finanziert sich über Spenden. Dazu werden regelmäßig Charity-Events (Pink Ribbon pinkribbon.at, Loose Tie loosetie.at, etc.) veranstaltet. 
Die Zentrale befindet sich in Klagenfurt am Wörthersee
Die Krebshilfe betreut Menschen ab 18 Jahren. Darunter ist die Kinderkrebshilfe zuständig, ein eigenständiger Verein.

Begriffe

Krebs ist die Bezeichnung für eine Erkrankung, die durch ungebremste Zellvermehrung, bösartige Gewebsneubildung und Ausbreitung im Organismus gekennzeichnet ist (Quelle und weiterführende Informationen auf krebshilfe-ktn.at/information/was-ist-krebs/)
Remission ist ein vorläufiges Ende oder Verringerung der Anzeichen und Symptome einer unheilbaren Krankheit.

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