Feuerwerk-Aus wird diskutiert
"Man vernichtet eine ganze Branche"

Feuerwerk in Villach. Am Kirchtag wird es dieses wohl nicht mehr geben.
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Stadt Villach bringt Antrag gegen Kirchtags-Feuerwerk ein. Bereits heuer soll es kein solches mehr geben. Politik argumentiert mit zeitgemäßer Maßnahme im Hinblick auf die Umwelt. In der Branche kritisiert man die Darlegung. Man wünscht man sich faire Gespräche.

VILLACH. Etwa sieben Minuten dauert das Feuerwerk, Punkt Mitternacht, am Villacher Kirchtag. Es war bisher das fulminante Finale der Brauchtumsveranstaltung und im letzten Jahr dürfte es das zum letzten Mal gewesen sein.

Beschluss bis Sommer erwartet

Schon heuer soll es, so der Wunsch der Stadt Villach, kein Kirchtags-Feuerwerk mehr geben. Als Gründe dafür wird in erster Linie der Umweltschutz genannt. Feuerwerke seien nicht mehr zeitgemäß, sagt Bürgermeister Günther Albel (SPÖ). Kirchtags-Obfrau, Vize-Bgm. Gerda Sandrießer (SPÖ), pflichtet bei: "Wir gehen einen Schritt in die Zukunft und werden das Feuerwerk hintanstellen." Auch die Bauerngman, heißt es, unterstütze die Entscheidung. Umweltreferent Erwin Baumann (FPÖ) spricht von Belastung durch Plastik, Feinstaub und Schmutz sowie einer Entscheidung im Sinne des Tierschutzes. Ein entsprechender Antrag im Gemeinderat soll Anfang Juli folgen. 

Wohl eher keine Lasershow

Joe Presslinger, Geschäftsführer des Villacher Kirchtags, bezeichnet den Prozess als "zulässig darüber nachzudenken", "es wird immer ein Für und ein Wider geben", sagt er.
Dass es eine wie zu Anfang diskutierte Lasershow geben könnte, bezweifelt er jedoch. "Ich würde nicht unbedingt dafür plädieren". Zum einen seien die Kosten hoch, Experten sprechen von dem 10- bis 20-Fachen, zum anderen die (räumlich) begrenzte Erreichbarkeit der Zuseher.

"Argumente halten nicht"

Das Feuerwerk am Villacher Kirchtag kostete bis zu 15.000 Euro, heißt es aus der Stadt. Der verantwortliche Pyrotechniker Christian Czech (Pyrovision) spricht von 8.000 Euro. Czech veranstaltet Feuerwerke weltweit, der Österreich-Anteil ist gering geworden. "Es sind überall dieselben Diskussionen", sagt Czech, der diese nicht länger stillschweigend hinnehmen möchte. "Fakt ist, man bringt eine ganze Branche in Verruf, vernichtet sie, ohne sich überhaupt ein adäquates Bild zu machen."

In puncto Feinstaub

Und zu diesem gehöre auch eine wahrheitsgemäße Darlegung der Feinstaub-Relevanz, meint er. Thema Nummer eins in puncto Feuerwerke, weiß Czech. Man vermittle ein "falsches" Bild, tatsächlich betrage die Belastung unter zwei Prozent, zitiert der Salzburger eine Studie des Umweltbundesamtes Deutschland.

Vergleichswerte aus Graz?

Direkte Vergleichswerte gibt es etwa aus Graz, wo es kein städtisches Feuerwerk mehr gibt. Die geringeren Belastungen 2018/2019 würden aber weniger an der Lasershow als an der günstigeren Wetterlage liegen, erklärt Thomas Pongratz, Leiter Abteilung 15, Referat Luftreinhaltung. "In Graz wird ja zu Silvester nicht nur ein Feuerwerk gezündet, die Stadt versinkt in einer Wolke aus Staub, Licht und Lärm. Da würde ein offizielles städtischen Feuerwerk auch keine wesentliche Verschlechterung bewirken", erklärt Pongratz weiter.
Er betont jedoch die Vorbildfunktion der Stadt, eine Lasershow hält er "für sehr gelungen". Auch lasse sich die Einsparung an Emission tatsächlich beziffern, diese betrage 80 kg, erklärt der Experte (s. zur Sache).

"Wenn, dann alle illegalen verbieten"

Auch Feinstaubmessungen am 1. Jänner, regelmäßig zeigen sie Grenzwertüberschreitungen, wären "differenzierter" zu betrachten, sagt Wolfgang Götzhaber, Referat für Luftreinhaltung und Chemie in Graz erklärt: der Tagesmittelwert ist witterungsabhängig und ergibt sich „aus der Summe aller Vorbelastungen". Sprich: aller "Kracher", die am Tag und auch schon Tage zuvor geschossen wurden. "Wenn, dann müsste man vor allem alle illegal abgeschossenen Feuerwerke unterbinden", sagt Götzhaber. 

Im Ortsgebiet verboten

Was, genau genommen, seit dem Jahr 1974 so ist, zumindest im Ortsgebiet (zur Sache), weiß Hans Matthias Liebenwein, WKK Branchensprecher der Pyrotechniker. Er beliefert den Handel mit Feuerwerkskörpern, richtet das Feuerwerk am St. Veiter Wiesenmarkt aus. Er kenne die Diskussionen, auch jene um die Gefahr von Feuerwerkskörpern. "Und diese, um klarzustellen, geht von illegal importierten (Ausland, Internet) oder illegal beschafften Waren" aus. Mit handelsüblichen Feuerwerkskörper komme es so gut wie nie zu gefährlichen Unfällen.

Lärmarmes Feuerwerk

Damit bleibe, so Czech, noch das Argument der Lärmbelästigung. Doch selbst dafür gebe es Alternativen, wie lärmarme (und rückstandslose) Feuerwerke. Kostenpunkt: etwa 20 Prozent mehr.
Zu guter Letzt betont der Pyrotechniker, dass er die Bedenken der Anrainer verstehe, sich jedoch eine "faire" Diskussion wünsche. Das Feuerwerk sei schließlich ein uralte Tradition, "um die es sehr schade wäre".

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Zur Sache

Die als Feinstaub (PM10) bezeichnete Staubfraktion enthält 50 Prozent der Teilchen mit einem Durchmesser von 10 µm, einen höheren Anteil kleinerer Teilchen und einen niedrigeren Anteil größerer Teilchen. Partikel dieser Größe können über den Kehlkopf hinaus bis tief in die Lunge gelangen. Sie sind daher besonders gesundheitsschädlich. (Quelle: Umweltbundesamt) 

Offizielle Vergleichsdaten (Feinstaubbelastung am 1. Jänner) aus Graz, wo es erstmals kein städtisches Feuerwerk gab, liegen noch nicht vor.

In Österreich gibt es zwischen 8.000 und 10.000 Pyrotechniker (geschätzt)

Die Verwendung pyrotechnischer Artikel der Kategorie F2 (Blitzknallkörper, Schweizerkracher, Pyrodrifter, Raketen, Knallfrösche, Sprungräder u.a.) im Ortsgebiet ist generell verboten. Ausnahmeregelungen können durch den Bürgermeister erteilt werden. Dieser kann mit Verordnung Teile des Ortsgebiets von dem Verbot ausnehmen. (Quelle: Polizei)

Tatsächlich lässt sich die Einsparung an Feinstaub auch quantifizieren – zumindest überschlagsmäßig. Wenn wir annehmen, dass das Feuerwerk 100 kg an pyrotechnischen Inhaltsstoffen besitzt – und das ist schon ein großes Feuerwerk – dann können wir davon ausgehen, dass 80% davon als Feinstaub in die Atmosphäre gebracht werden. In unserm Beispiel haben wir also 80 kg an Emissionen eingespart. (Pongratz, Abt. 15, Graz)

Autor:

Alexandra Wrann aus Villach

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