Harald Sobe nach Kritik
"Mit dem Taktverkehr jetzt zu starten, ist essentiell"

Die beiden Linien sollen ab November in Villach verkehren. Sie erreichen ungefähr ein Drittel der Villacher Bevölkerung.
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  • Die beiden Linien sollen ab November in Villach verkehren. Sie erreichen ungefähr ein Drittel der Villacher Bevölkerung.
  • Foto: Stadt Villach
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Der Öffentliche Verkehr als Streitthema. "Ist denn schon Wahlkampf?", fragt Verkehrsreferent Stadtrat Harald Sobe (SPÖ) auf eine Aussendung von Mobilitätlandesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) (siehe villach-muss-buskonzept-nachbessern). Dieser fordert schnelleres Handeln, auch die Opposition pflichtet bei. Wir haben Stadtrat Harald Sobe zum Gespräch gebeten. 

WOCHE: Herr Sobe, der öffentliche Verkehr in Villach ist das Thema. Was sagen Sie zur Kritik?
HARALD SOBE:
Erst einmal ist es völliger Unsinn, dass wir uns bis 2030 Zeit lassen wollen, um den Taktverkehr einzuführen, wie es Landesrat Schuschnig meint. Es ist bekannt, dass bereits heuer zwei Buslinien im 30-Minuten-Takt fahren werden. Die restlichen werden 2023 folgen, bis 2030 wollen wir auf Viertelstundentakt umstellen. Das ist bekannt und war auch Gegenstand der Verhandlungen mit dem Land.

Aber mal ehrlich, der Taktverkehr wurde schon vor Jahren "versprochen".
Das geht weit zurück. Bis ins Jahr 2003. Bereits damals bediente man sich einer Schweizer Firma, die einen Taktverkehr in Villach errechnen sollte. Es wurde ein ausgefeiltes Konzept erstellt. Aber das kostet natürlich. Sprich, damit hatte man zwar ein Konzept, aber noch keine Mitzahler von Bund und Land. Das Konzept wurde wieder fallen gelassen. Es scheiterte schlichtweg an der Finanzierung.

Was kostet das Gesamtpaket "Taktverkehr" die Stadt?
Vor zwei Jahren kamen wir erneut auf die Firma zu, es wurde ein auf die aktuelle Situation angepasstes, also berücksichtigend der großen Player wie Infineon, Konzept erstellt. Damals haben wir die Firma Müller natürlich auch gebeten das ganze in Zahlen zu gießen.  Man kam auf eine Summe von 6,7 Millionen Euro Zuschüssen. Jährlich. Das kann sich die Stadt Villach nie leisten. Daraufhin habe ich selbst einen Brief an das Land Kärnten geschrieben mit der Bitte um Verhandlungen. Wir haben uns zu Verhandlungen vereinbart und dem Land bei dieser Gelegenheit eine Variante vorgelegt, wie man auf die Summe kommen könnte. Schließlich wurde auch eine Vereinbarung getroffen, eine die auch unseren Part, was wir zu erfüllen haben, enthält. Nun liegt also alles offen. Es war immer klar, dass wir nicht bis 2030 warten werden, um das umzusetzen. Wie Herr Schuschnig auf diese Idee kommt,  erschließt sich mir nicht. Wir befinden uns offenbar schon im Wahlkampf.

Was sagen Sie zu den Vergleichen mit der Stadt Wels, deren Budget im Jahr bei vier Millionen Euro liegt?
Das lässt sich nicht vergleichen. Wels hat gleich viele Einwohner, aber viel höheres Budget. Wels hat keine Arbeitslose im Gegenteil. Das ist alles ganz anders gewachsen, hat eine andere Tradition. Wels hat auch nur ein Drittel unserer Fläche. Was aber noch viel wichtiger ist, Wels hat, wie Klagenfurt auch, Stadtwerke. Das heißt, der Bus gehört ihnen selbst. Wir müssen ausschreiben. Abgesehen davon: Wels und Klagenfurt haben einen urbanen Raum, einen wie es ihn in Villach nicht gibt, wir sind "eine Stadt mit 50 Dörfern".

Gerade da wird man mit dem Bus allein aber auch nicht glücklich werden.
Eben. Wir werden parallel dazu ganz viele andere Dinge brauchen. Den Citybus, E-Scooter, E-Bikes, Car-Sharing, wir brauchen ein Micro Car System für die Schütt, für Oberwollanig. Der Bus wird nicht das Heiligste sein. Aber wenn wir mit dem Bus jetzt nicht anfangen, ist das Mobilitätskonzept zum Wegschmeißen. Das ist kein Wahlversprechen, das ist existenziell. Und wenn wir 2021 plötzlich mehr Geld zur Verfügung haben sollten, als geplant ist, dann werden wir sofort weitergehen. Dann werden wir Landskron anfahren. Die Linien sind so aufgebaut, dass ich sie jederzeit im Baukastensystem erweitern kann.

Eine Kritik belangt ja auch den Stadtzuschuss, also für Pendler. Die Forderung lautet das sofort abzuschaffen.
Das ist in unserer Vereinbarung festgeschrieben. Auch das weiß Herr Schuschnig. Wobei ich sagen muss, die Aussage von ihm dass die Kosten übernommen werden ... Eines muss ich da ganz deutlich sagen: wir haben das noch nie gezahlt. Die Kosten hat schon immer das Land getragen. Ja, abschaffen müssen wir es. Aber wir haben es nie gezahlt. uns bringt es nichts. Den Pendlern, und das sind ja nicht wenige, natürlich aber schon. Deshalb gehört das ja auch umgesetzt. 

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Zur Sache

  • Bis November sollen die Linien 7 und 8 den halbstündigen takt-Betrieb aufnehmen. Bis 2030 will man auf den "Primelinien" den 15-Minuten Takt umsetzen.
  • Linie siebe: von der Neuen Heimat nach Maria Gail, Infineon, Linie acht: von Seebach (Technologiepark), Hauptbahnhof, bis zur Infineon 
  • Die Linien 7 und 8 decken die Hauptverkehrsströme ab, damit will man bis zu 30.000 Menschen erreichen.
  • 2020 zahlt die Stadt Villach 1,3 Millionen Euro; im Gesamtpaket (bis 2030) sind mehr als sieben Millionen Euro angedacht 
Die beiden Linien sollen ab November in Villach verkehren. Sie erreichen ungefähr ein Drittel der Villacher Bevölkerung.

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