Jetzt insbesondere, in der bedrohenden Coronazeit - innehalten und lass deine Seele sich erfreuen an Gottes edlen Gaben; sei mit deinen Sinnen offen für jede Kreatur in Gottes wundersamen Natur!
Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit!

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Geh aus, mein Herz, und suche Freud
in dieser lieben Sommerzeit -
an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier
und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voll im Laub,
das Erdenreich decket seinen Staub
mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan
die ziehen sich viel schöner an,
als Salomons Seide.

Die Lerche schwingt sich in die Luft,
das Täubchen fliegt aus seiner Kluft
und macht sich in die Wälder;
die hochbegabte Nachtigall
ergötzt und füllt mit ihrem Schall -
Berg, Hügel, Tal und Felder.

Die Glucke führt ihr Völklein aus,
der Storch baut und bewohnt sein Haus,
das Schwälblein speist die Jungen;
der schnelle Hirsch, das leichte Reh,
ist froh und kommt aus seiner Höh
im tiefem Gras gesprungen.

Die Bächlein rauschen in dem Sand
und malen sich an ihrem Rand
mit schattenreichen Myrten;
die Wiesen liegen hart dabei
und klingen ganz vom Lustgeschrei -
der Schaf und ihrer Hirten.

Die unverdrossene Bienenschar
fliegt hin und her, sucht hier und da,
ihr edle Honigspeise;
des süßen Weinstocks starker Saft
bringt täglich neue Stärk und Kraft,
in seiner schwachen Reise.

Der Weizen wachset mit Gewalt,
darüber jauchzet jung und alt
und rühmt die große Güte;
der, der so überfließend labt
und mit so manchem Gut begabt -
das menschliche Gemüte.

Ich selber kann und mag nicht ruhn
des großen Gottes großes Tun -
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt
und lasse, was dem Höchsten klingt
aus meinem Herzen rinnen.

Ach, denk ich, bist du hier so schön
und lässt du's uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden;
was will doch wohl nach dieser Welt,
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden!

Welch hohe Lust, welch heller Schein
wird wohl in Christi Garten sein!
Wie muss es da wohl klingen;
da so viel tausend Seraphim
mit unverdroßnem Mund und Stimm
ihr Halleluja singen?

Oh wär ich da! Oh stünd ich schon,
ach süßer Gott, vor deinem Thron
und trüge meine Palmen.
So wollt ich nach der Engel Weis
erhöhen deines Namens Preis
mit tausend schönen Psalmen.

Doch gleich wohl will ich,
weil ich noch hier trage dieses Leibes Joch
auch nicht gar stille schweigen;
mein Herz sich fort und fort -
an diesem und an allem Ort,
zu deinem Lobe neigen.

Hilf mir und segne meinen Geist
mit Segen, der vom Himmel fleußt,
dass ich dir steig blühe;
gib, dass der Sommer deiner Gnad
in meiner Seele früh und spat
viel Glaubensfrüchte ziehe.

Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum
und lass mich Wurzeln treiben;
verleihe, dass zu deinem Ruhm,
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

Erwähle mich zum Paradies
und lass mich bis zur letzten Reis
an Leib und Seele grünen;
so will ich dir und deiner Ehr
allein und sonstens keinem mehr-
hier und dort ewig dienen!

Liedtext & Gotteslob von Paul Gerhard  (1607 - 1676)
Erstmals Veröffentlicht 1653 von Johann Grügers

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