Reinhold Gütebier, CEO Kika/Leiner im Gespräch
Möbelhäuser sind Plätze der Inszenierung

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Seit vier Monaten ist der Reinhold Gütebier der CEO von Kika/Leiner. Er bringt 50 Jahre Möbel-Erfahrung mit. Und hat allerhand zu erzählen.

WOCHE: Seit Herbst sind Sie auf Österreich Tour. Der wievielte Stopp ist Kärnten?
Reinhold Gütebier: Das hier ist der 32. Standort von in Summe 42. Morgen geht es weiter nach Lienz. Bis Ende März will ich alle Standorte besucht haben. 

Und dann?
Dann geht es darum Investitionspläne zu erstellen. Wir sind mit einem Kompetenzteam aus internen und externen Menschen unterwegs, um durch alle Häuser zu reisen. Die Rundreise soll im April beendet sein, bis dahin wollen wir alle Standorte gesehen haben, eine Analyse erarbeitet haben.  Danach können wir mit Signa ein Gespräch führen das Thema Investitionen betreffend. 

In Klagenfurt meinten Sie ja schon sehen Sie Entwicklungspotenzial in puncto Inszenierung. Was sehen Sie hier beim Leiner Villach?
Generell müssen wir Ware lebensnah präsentieren. Was bedeutet, Stimmungen erzeugen. Es muss heißen, "Mutti wir kaufen das." Dazu haben wir eine zentrale Deko-Truppe zusammengestellt, die die einzelnen Häuser unterstützt. Auch in den Standorten selbst gibt es eine Deko-Mannschaft. 

Hat man hier etwas verschlafen bei Leiner/Kika?
Ja. Wenn ich das Niveau der Warenpräsentation in Deutschland nehme, dann ist Österreich deutlich darunter positioniert. Aber in Deutschland gibt es eine Reihe von Möbelketten, die sich gegenseitig "hochpushen". 

Also fehlt es an Wettbewerb.
So kann man das nicht sagen. Der Wettbewerb ist konzentrierter. In Deutschland gibt es vier bis fünf große Möbelhäuser. Hier gibt es zwei große Filialunternehmen und einzelne Platzhirschen. Die Lutz-Gruppe hat 32 Prozent Marktanteil. 
Was bei Kika/Leiner erschwerend hinzu kommt sind die letzten 36 Monate. Wenn ein Unternehmen am Abgrund steht, dann wird man eher versuchen den Teppich zu verkaufen, als ihn zu Präsentations-Zwecken unterm Bett liegen zu lassen. 

Der Marktanteil von Kika/Leiner liegt bei 20 Prozent. Ihr Ziel war es in drei Jahren Gewinn zu schreiben. Wie sieht es mit dem Marktanteil aus?
Der muss sich steigern. Innerhalb von drei Jahren wird man es nicht von 20 auf 32 schaffen, aber dennoch. Ich halte vieles für machbar, auch, dass die Sanierung innerhalb von drei Jahren abgeschlossen ist. 

Wie ist ihr Eindruck vom Villacher Leiner?
Die beiden Kärntner Häuser sind vom Niveau her im oberen Drittel angesiedelt. So dass wir hier mit überschaubaren Maßnahmen dahin kommen, wo wir hinwollen.

Betrifft das Sanierungsarbeiten?
Eher Feinheiten im Interieur. Vom äußeren Erscheinungsbild sind die Kärntner Häuser relativ weit oben angesiedelt. Mit überschaubarem Aufwand kann man kosmetisch etwas tun.

Sie wollen Leiner und Kika als eigenständige Marke noch stärker positionieren. Wo ist Leiner, wo Kika?
Leiner wird das wertigere Möbelhaus sein, dass sich durch ein Premiumsortiment, ein Markensortiment, absetzt. Bei Kika brauchen wir einen ganz breiten tiefen Preiseinstieg und darauf die gute Mitte. Von dem her wird Kika das  jüngere Möbelhaus sein und Leiner, jenes das letztlich mehr dem gestandenen Kunden anlächelt.

Aber die Positionierung hatte Leiner auch bisher.
Ja. Wir müssen zu den alten Kika, Leiner Tugenden zurück. Wir müssen das Fahrrad nicht neu erfinden, wir müssen zu den alten Tugenden zurück - und diese müssen der Zeit angepasst werden. 

Bereits nach wenigen Wochen in der neuen Struktur waren Frequenzsteigerungen messbar. Was wurde gemacht?

Das wichtigste war und ist, bei den Menschen draußen das Vertrauen zurück zu gewinnen. Der Kunde war verunsichert. Und je höher die Preislage, desto verunsicherter sind Kunden. Das gilt insbesondere für den Bereich Küchen. Küche haben in der Bedeutung des Umsatzes eine herausragende Stellung. Wenn deine Küche hustet, hat dein Haus Grippe.
Also war der erste Schritt den Menschen zu sagen, Kika/Leiner ist wieder da. Hinter uns steht Signa - Klammer auf - Benko. Eine Sicherheit. 
Wir sind wie Phönix aus der Asche wieder da, habt Vertrauen. Das ist die Botschaft. Nur, wir wissen, wenn Misstrauen einmal da ist, braucht es die drei- bis fünffache Zeit, bis das Vertrauen wieder hergestellt wird.
Vergangenen November maßen wir erstmals seit 15 Monaten wieder Umsatzzuwachs. Dasselbe im Dezember, hier ist es sogar gelungen zwischen Weihnachten und Neujahr die umsatzstärksten Einzeltage zu generieren, die es je in der Firmengeschichte Kika/Leiner gegeben hat. 

Auch ein Thema, E-Commerce?
Ja, allerdings im zweiten Schritt. Das wird ab Mitte des Jahres dynamisiert.

Was hat Sie gereizt an der Position?
Mich hat es gereizt, einer sozialen Verpflichtung gerecht zu werden. Tausende, die um ihren Arbeitsplatz bangen. Dann hat mich Herr Benko mit seinem Team in seinen Bann gezogen, und mir deutlich gemacht, dass es etwas ganz besonderes ist, wenn man sich zum Schluss des Berufslebens einer solchen Herkulesaufgabe annimmt. Und dann war da meine Frau, die meinte: "Du zu hause? Das geht nicht. (lacht)

50 Jahre in der Branche. Noch nicht müde?

Ich bin jetzt vier Monate dabei. Und wenn ich nach vier Monaten sage, es war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, mich für Kika/Leiner zu entscheiden, dann habe ich alles richtig gemacht. 

Zur Sache: Kika/Leiner beschäftigt in Kärnten: 127 Mitarbeiter, Standorte: Kika Klagenfurt, Leiner Villach

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