Klimaschutz
Sto-Klimaforum: "Das Extreme ist jetzt normal"

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Beim 4. Sto-Klimaforum wurden Probleme und Lösungen besprochen.

VELDEN (bm). Das Unternehmen Sto lud zum vierten Klimaforum ins Casino Velden. Nach Linz, Innsbruck und Graz im vergangenen Jahr war nun diesmal Kärnten an der Reihe. Insgesamt 170 Mitarbeiter, Kunden und Partner kamen. Die Vortragenden waren ORF-Wetterexperte Marcus Wadsak und Informatiker Franz Josef Radermacher. Sto ist ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit in Kärnten. Schon seit einigen Jahren stehen Umwelt- und Klimaschutz weit oben auf der Liste für Sto. Seit 2016 ist die Firma auch klimaneutral.

Das normale Extrem

Marcus Wadsak erklärte die Fakten im Bezug auf die Klimakrise, und zog gegen Fake News und Fiktion in den Krieg. Dabei bediente er sich der verfügbaren Messdaten, und sprach die vielen Rekordhitzetage der letzten Jahre an. „Rekorde sind etwas, die es vorher noch nicht gegeben hat, “ so der Metereologe. Und die alten Rekorde sind nicht knapp, sondern mit Abstand übertrumpft worden. 2018 gab es 41 Tropennächte in Wien, noch vor 30 Jahren waren es neun. Die vergangenen sechs Jahre hintereinander waren die wärmsten Jahre überhaupt. Natürlich gab es davor auch immer wieder überaus warme Jahre, doch da hat sich die Balance gehalten. Seit dem Jahr 2000 hat es kein unterdurchschnittliches oder überdurchschnittliches Klimajahr mehr gegeben. „Für unsere Kinder ist das Extrem schon zur Normalität geworden,“ so Wadsak.

Folgen & Maßnahmen

Durch den Temperaturanstieg kommt es vermehrt zu Trockenheit, wie die Waldbrände in Kalifornien und Australien belegen. Gleichzeitig kommt es auch vermehrt zu Hochwasser.
Und die Hitzewellen sorgen auch für mehr Todesfälle. Es gibt derzeit weltweit mehr Tote durch Hitze als durch Verkehr.

Es geht vorwiegend darum, Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen zu finden. Dazu zählen der vermehrte Einsatz von öffentlichen Verkehrsmitteln, weniger Fleisch, und Öko-Strom. Wenn es der Menschheit in den nächsten Jahren gelingt, den Temperaturanstieg auf anderthalb Grad zu halten, dann gibt es mit dem Ende des Jahrhunderts wieder ein stabiles Klima, nur eben auf einem höheren Niveau als früher. Wobei selbst der Unterschied zwischen eineinhalb und zwei Grad in einem höheren Meeresspiegeln von 10 cm liegt.

Problemzone Mensch

Radermacher hat eine etwas andere Sicht auf die Problematik. Der Universitätsprofessor sagt, dass die Klimadiskussion schon vor 35 Jahren gleich wie heute verlaufen ist. „Es gibt in der gesamten Thematik nur ein Problem, und das sind wir selber.“ Die CO2 Emissionen rühren vorwiegend vom Wohlstand her, und theoretisch würde Armut die Problematik lösen. Seit dem Millennium sind anderthalb Milliarden Menschen hinzugekommen, drei Mal so viele wie die Gesamtbevölkerung der EU. Und diese Menschen hätten Anrecht auf ein gutes und angenehmes Leben. Das Problem ist auch, dass jeder Lösungsansatz, der Geld kostet, den Menschen widerstrebt.

Klimasünder China

Außerdem würde Österreich oder gar die EU im weltweiten Vergleich gar nicht so viel beitragen an CO2-Emissionen. Radermacher verweist auf China, wo allein im letzten Jahr mehr Beton verbaut worden ist, als in den USA im gesamten letzten Jahrhundert. Es sei auch ratsam, das Augenwerk auf Afrika, Indien und Bangladesch zu richten. Dort wird es in den nächsten Jahrzehnten einen ordentlichen Bevölkerungsanstieg geben. Das heißt auch mehr Flugverkehr und sonstige Infrastrukur, und natürlich auch mehr CO2-Ausstöße.

Nature-based solutions & Kompensation

Radermacher gibt auch Lösungsanstöße: So sollten einerseits die Länder in Afrika und Südostasien finanziell unterstützt werden, denn sie brauchen Wohlstand, um das Bevölkerungswachstum unter Kontrolle halten zu können. Gleichzeitig können Österreich und die EU auch dabei helfen, neue und günstige Technologien zu entwickeln, die klimaneutral sind und die CO2-Emissionen reduzieren können. Es benötige Nature based-solutions, wie Aufforstung, Hummus-Bildung und ein aktiver Regenwaldschutz. Zudem sollten sich die Leute von der Vorstellung lösen, im Bereich der erneuerbaren Energie alles mit Strom lösen zu können. Synthetische, klimaneutrale Kraftstoffe müssen hergestellt werden. Eine Sofortmaßnahme ist Kompensation: Das CO2, das man selbst emittiert, anderswo einsparen, etwa durch Geldspenden an Projekte, die aktiv Klimaschutz betreiben. Jeder kann handeln, und es kann zu Lösungen kommen, bei denen es dem Menschen nicht schlechter geht.

Autor:

Bernhard Mairitsch aus Villach

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