"Was wirklich zählt, ist nicht das Geld"

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BEZIRK VILLACH. (aw) "Seien wir realistisch. Mit über 50 bist du am Arbeitsmarkt am Abstellgleis", schmunzelt Klaus Infeld. Der Judendorfer ist 57 Jahre alt. Mehr als 24 Jahre lang war der gelernte KFZ-Mechaniker bei der Post beschäftigt. Das Aus im Jahr 2016 traf ihn hart. "Ohne Arbeit dazustehen, kein Teil der Gesellschaft mehr zu sein. Das war ein Schlag ins Gesicht."

Mit 50+ am Abstellgleis

Mit 55 Jahren zählte Infeld zu den "älteren Arbeistlosen". Einer Gruppe, die sich entgegen dem Trend der letzten Jahre, in Kärnten sank die Arbeitslosigkeit 2017 um 8 Prozent, nicht wesentlich verkleinerte. Und das auch in Zukunft nur mäßig tun wird. Zwei Maßnahmen, die hier entgegensteuern sollten, wurden nun ausgesetzt. Eine davon war die Aktion 20.000, die das Ziel hatte 20.000 Jobs für Langzeitarbeitslose zu schaffen.
Man wolle Fördergeld "lieber für Dauerarbeitsplätze einsetzen, als Menschen kurzfristig zu versorgen", argumentiert FPÖ Kärnten Obmann LR Gernot Darmann. Rund 780 Mio. Euro waren dafür bis 2019 budgetiert – inklusive der Kosten, die für Langzeitarbeitslose ohnehin anfallen.

Rund 200 vermittelt

141 Personen sind durch die Aktion in der Modellregion Hermagor/Villach bisher zu einem Job gekommen. 24 weitere treten in Kürze ihre Stelle an und 60 haben überdies Zusagen.
Einer der Ersten, der vermittelt wurde, war Infeld. "Ich hatte Glück und war hartnäckig", freut sich Infeld, der seit September letzten Jahres beim Magistrat Villach angestellt ist. "Durch die Aktion wurde ich endlich als Mensch behandelt. Als fähiger Mensch." Mit damals 55 Jahren beim AMS Bewerbungen zu schreiben und "von vorne anzufangen" hatte für den Judendorfer fast etwas "Groteskes". "Kaum jemand gibt dir eine Chance. Und anderen geht es noch viel schlechter." In Infelds AMS Arbeits-Gruppe waren rund 14 Personen, mit einigen ist er noch befreundet. Einer seiner Freunde wäre ebenfalls in der Gemeinde Villach untergekommen, erzählt Infeld, einige andere hätten etwas anderes gefunden. "Doch viele haben nun Pech gehabt. Sie waren zu spät", schmunzelt der Judendorfer.

1.000 Stellen waren geplant

Geplant waren eigentlich 1.000 Stellen kärntenweit, ein Drittel der 3.000 älteren Langzeitarbeitslosen im Jahresschnitt. So weit kommt es nicht, mit 31. Dezember wurde die Aktion ausgesetzt, ebenso wie der "Beschäftigungsbonus". 

Landeshauptmann Peter Kaiser nannte es "menschenunwürdig, lieber die Arbeitslosigkeit zu finanzieren statt die Arbeit." Und während der AMS Kärnten GF Franz Zewell das Aus der Inititative bedauere, ist AMS Österreich Chef Johannes Kopf zugetan. Die Aktion wäre "nicht notwendig".

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