21.09.2014, 07:20 Uhr

Sollen meine Kinder gedeihen oder meine Blumen?

Als unsere Kinder noch klein waren, zogen wir in ein kleines Haus mit einem wunderschönen Garten. Vor der Haustür waren an beiden Seiten leere Blumenbeete, und obwohl ich kaum Erfahrung mit Gartenarbeit hatte, freute ich mich darauf, dort Blumen zu pflanzen. Ich kaufte mir ein Gartenbuch, bestellte Pflanzenkataloge und befasste mich eingehend mit ihnen.

In den nächsten Monaten überlegte ich, wie ich die Beete anlegen wollte. Ich bereitete den Boden vor und setzte über 200 Blumenzwiebeln. Obwohl mir klar war, dass es noch einige Monate dauern würde, sah ich trotzdem oft nach, ob schon etwas wuchs. Anfang des Frühjahrs erblühten die ersten Blumen, zunächst kleine lila Traubenhyazinthen und dann Narzissen. Mitte des Frühjahrs waren meine Blumenbeete übersät mit herrlich bunten Tulpen. Ich erfreute mich an meinem Blumengärtchen und saß oft auf der Treppe vor der Tür, um den Anblick zu genießen.

Eines Nachmittags hatte unsere vierjährige Tochter Emily eine Freundin zum Spielen da. Kurz bevor die Mutter der Freundin kam, um sie abzuholen, stolperten die beiden Mädchen durch die Küchentür herein, die Arme voller Tulpen. „Schau, was wir dir gebracht haben“, sagten sie begeistert. Sie hatten fast jede Tulpe gepflückt.

Tulpen blühen ja nur einmal im Jahr. Mir tat das Herz weh – all die Arbeit, das lange Warten. Wir füllten meine Vasen mit Blumen und gaben Emilys Freundin noch einen großen Strauß mit. Später, als ich meiner Mutter mein Leid klagte, meinte sie: „Na, dann ist es ja gut, dass du Kinder großziehst und nicht Blumen züchtest.“

Mir wurde klar, dass ich die Sache mit anderen Augen betrachten musste. Ich musste an das PV-Lied denken, das ich oft mit meinen Mädchen gesungen hatte:

Ich suche die schönsten und farbigsten Blüten
und denke dabei, liebe Mutti, an dich.1
Ich sah nur mein ruiniertes Blumenbeet, aber zwei vierjährige Mädchen wollten bloß ihre Liebe zum Ausdruck bringen.

Das Blumenbeet anzulegen hatte Geduld erfordert. Mich nun zurückzunehmen und den Vorfall mit den Augen meines Kindes zu sehen, erforderte noch mehr Geduld. Aber wenn ich als Mutter Geduld lerne, komme ich dem Herrn näher.

von Paula Schulte, Missouri, USA

Anmerkung

1. „Blumen für Mutti“, Liederbuch für Kinder, Seite 109
https://www.lds.org/liahona/2014/09/latter-day-sai...
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Rosmarie Kohlmann aus Jennersdorf | 21.09.2014 | 09:25   Melden
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Heinz Mauch aus Villach | 21.09.2014 | 17:33   Melden
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