22.09.2014, 14:08 Uhr

"Ein gutes Profil hinterlässt gute Spuren"

Um Profil zu haben, braucht man nach Kreutzer den Mut, gegen den Strom zu schwimmen (Foto: KK)

Psychologin und Psychotherapeutin Renate Kreutzer spricht im WOCHE-Interview über das "Leben mit Profil".

VILLACH (schön). WOCHE: Bei Ihrem nächsten Vortrag beim Frühstückstreffen für Frauen referieren Sie zum Thema "Leben mit Profil – oder mit dem Strom schwimmen?". Was bedeutet Leben mit Profil?
KREUTZER: Ein gutes Profil haftet, gibt Halt, prägt sich in den Boden ein und hinterlässt gute Spuren. Bei manchen von uns ist das Profil erheblich abgenutzt, weil wir uns gerne hinter dem Begriff "Gesellschaft" verstecken. Gesellschaft, das bin auch ich. Wenn ich weiß, was ich will, dann kann auch ich - gerade in Zeiten wie diesen - Profil zeigen.

Wie wichtig ist es in der heutigen Zeit, nicht mit dem Strom zu schwimmen?
Wenn man sich selbst nicht vertrauen kann, immer mit dem Strom der Zeit schwimmt, die Lebensmuster von der "Stange" übernimmt und sich immer daran orientiert, wie man zu sein hat, kommt das Lebensschiff erheblich ins Schwanken. Wenn der eigene Wert darin gemessen wird, dass man wie alle anderen ist, muss man sich ständig dem Leistungsdruck ausliefern und wird nie sein eigenes Profil kennen und schärfen. Das macht krank und nimmt Lebensfreude. Denn: Burnout, Stress und Panikattacken haben ganz häufig ihre Ursachen im Menschen selbst.

Sie wollen mit Ihrem Vortrag also aufzeigen, wie wichtig es ist, festen Boden unter den Füßen zu haben, um etwaigen Lebenskrisen zu entkommen. Worauf kommt es dabei an?
Zu verstehen, dass wir Halt in den Stürmen und dunklen Seiten unseres Lebens brauchen und in allem Sinn und Erfüllung finden dürfen und können, frei nach dem Motto. "Ich bin ich und ich bin richtig, ich bin ich und ich bin wichtig."

Wie erkennt man, dass jemand im eigenen Umfeld oder man selbst gefährdet ist, den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen zu verlieren?
Wenn Menschen in der eigenen Umgebung anfangen, hektisch zu werden, unermüdlich zu schaffen und nicht mehr zur Ruhe kommen können. Oder es kann auch sein, dass sie sich immer mehr zurückziehen, Tabletten zum Schlafen oder zur Beruhigung sowie Alkohol als Trostspender oder als Entspannungsgetränk brauchen. Das sind Alarmzeichen und sollten uns auffordern, nicht wegzuschauen, sondern das Gespräch mit dem "Betroffenen" zu sichen und professionelle Hilfe vorzuschlagen.

"Leben ist da, um geliebt zu werden"
Nach Kreutzer gibt es natürlich keine allgemein gültigen Tipps, die persönliche Lebenskrisen verhindern könnten.
"Die Krisen haben doch so unterschiedliche Ursachen und Gründe." Dennoch hat die Psychologin und Psychotherapeutin folgenden Ratschlag. "Man sollte lernen, dass das Leben dazu da ist, von uns geliebt zu werden und nicht, um durch das Leben zu hetzen und es einfach nur hinter sich zu bringen." Deshalb rät Kreutzer, sich selbst folgende Sätze immer wieder vor Augen halten und danach zu leben. "Das Leben ist eine Chance, nimm sie wahr. Das Leben ist eine Herausforderung, nimm sie an. Das Leben ist kostbar, trag ihm Sorge."

Zur Person:

Name: Renate Kreutzer
Beruf: Psychologin, Psychotherapeutin, klinische Seelsorgerin, sie macht Hospizarbeit, Fort-und Weiterbildung und Demenzschulungen
Wohnort: Villach
Lebensmotto: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. "Das heißt für mich, dass Gott die Mauern, die immer wieder in unserem Leben auftauchen, zwar nicht aus dem Weg räumt, aber, dass er mit mir 'springt'", so Kreutzer.
Ein wesentlicher Punkt in ihrer Arbeit mit Klienten in der Psychotherapie ist es, daran zu arbeiten, dass Menschen einen Selbstwert bekommen. "Und zwar, einfach dadurch, dass sie sind und nicht dadurch, was sie aufweisen."

Zur Sache:

Am Samstag, 4. Oktober, findet im Congress Center Villach ein Frühstückstreffen für Frauen statt.

Dazu referiert Psychologin und Psychotherapeutin Renate Kreutzer zum Thema "Leben mit Profil - oder mit dem Strom schwimmen?"

Die Frühstückstreffen haben 1983 in der Schweiz begonnen. Seither finden sie auch in anderen europäischen Ländern statt.

In Österreich gibt es inzwischen an 23 Orten ein "Frühstückstreffen für Frauen".

Im Jahr 2000 hat sich das Villacher Team, das aus 15 Personen besteht, gegründet, und war damals das erste Frühstückstreffen in Kärnten.

Seitdem findet es zweimal pro Jahr statt. Koordinatorin ist Gabriele Rotzler.

Während des Frühstücks wird kostenlose Kinderbetreuung angeboten, so dass die Besucher die Zeit genießen können.

Besucher sollten sich bis Mittwoch, 1. Oktober, beim Frühstückshandy (0681/10628422) anmelden.
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