18.10.2014, 19:04 Uhr

Nichts ist so endgültig...

und unwiderruflich wie der Tod!

Hier haben alle Verstorbenen die gleiche Anschrift:
Waldfriedhof; ein Ort der Stille;Park ähnlich gestaltet;
mit gepflegten Wegen, vielen künstlich, angelegten Brunnen
und Bänken unter schattigen Bäumen;
die die Zurückgebliebenen zum Verweilen einladen,
um ihren lieben Toten
in Erinnerung wieder nahe sein zu können.
Denen, die einst den Verlust ihrer Lieben beklagten
und Schmerz gebeugt sie begleiteten auf ihrem letzten Weg; hier auf Erden.
Es war ein Tag voller Tränen,
als sie ihre lieben Verstorbenen, hier zu Grabe trugen.
Welche Leere, welcher Schmerz blieben im Herzen zurück;
bei den Menschen, aus deren gemeinsames Leben sie in ihrer Todesstunde
von ihnen gerissen wurden
und sind in der Unsterblichkeit der Ewigkeit entschlafen.

Mit zögernden Schritten und in Gedanken versunken
gehe ich den Kiesweg entlang über den Friedhof und lausche der Stille
und dem Gezwitscher der Vögel.
Hier im eingefriedeten Begräbnisort haben all die vielen Toten
ihren Platz und Frieden gefunden
und gedenken tausende Menschen mit einem Blumengruß ihren Toten
und zünden Kerzen ihren Verstorbenen an.
Wie rastlos war einst ihr Leben hier auf Erden;
für mich ist dieser Ort ein ruhiges, friedsames, stilles und beruhigendes Umfeld.

Zwischen all den Gräbern verweile ich bei manchen Grabstätten;
bei den Verstorbenen, die mir lieb und teuer waren
und jetzt eingebettet zwischen Fremde liegen.
Seite an Seite; selten sind sie sich zu Lebzeiten begegnet!
Ein jeder von ihnen hat individuell sein Leben gemeistert und gelebt
und sie sind dann in die Unendlichkeit der Ewigkeit entschlafen.

Die Gräber der Kinder rühren mich am meisten;
denn so kurz nur war ihr Leben - hier auf Erden.
Dann beendeten Krankheit oder gar ein gewaltsamer Tod
ihr ach so junges Leben.
So viel Tränen und Schmerz ließen sie bei ihren Eltern, Geschwistern
und Verwandten zurück.
An ihren kleinen Gräbern brennt immer eine Kerze;
die symbolisiert und sinnbildlichst den Trauernden...
dein Leben erlosch; verlöschte wie all die brennenden Kerzen
und ließen uns in der Dunkelheit zurück!
Das sanfte, flatternde Licht spendet Trost und Frieden in das erstarrte Herz.
Getränkt von Tränen ist das kleine Kindergrab;
der Tod eines so jungen Lebens berührt auch das kälteste Herz!

Von dem großen Doppelgrab, ein Elterngrab
leuchten mir vom Grabstein in Großbuchstaben entgegen: UNVERGESSEN
Eine fürsorgliche, selbstlose, arbeitsame, fleißige, sich verausgabende,
liebende Mutter wurde hier zu Grabe getragen;
die in Sorge und Hingabe gelebt hat für all ihre Kinder und Lieben.
Für all ihre Mitmenschen, die ihres Rates und Hilfe bedurften
hatte sie immer Zeit für ein nettes Wort und ein Lächeln.
An ihrer Seite, sowie im gemeinsamen Leben
ruht ihr Mann und Vater der gemeinsamen Kinder.
Fleißig und unermüdlich, arbeitsam und vorbildlich war auch sein Leben.
Ein treusorgender, guter Mann und gerechter Vater.
Mit Zuversicht, Fürsorge und Gerechtigkeit
hat er stehts anderen Mut gemacht.
Eine Grabstätte, wo immer frische Blumen und brennende Kerzen
Anerkennung in bleibender Verbundenheit zeigen,
dass wieder einmal ein Familienmitglied vorbei geschaut hat
mit einem kurzen Gebet auf den Lippen
und den Wunsch: RUHT IN FRIEDEN
In liebevollem Gedenken zünde ich eine Kerze an.

Angrenzend ein prunkvolles, stattliches Grab
in kalten weißen Marmorplatten eingedeckt mit goldener Inschrift:
Wir werden dich nie vergessen
Ein Reichtum bis weit über den Tod hinaus!
Kein Kerzenlicht brennt; kein noch so kleines Blümchen liegt auf dem kalten Stein
Finanzielle Probleme zu Lebzeiten kannte die Verstorbene sicher nie;
denn hier wird Wohlstand vermittelt.
Aber wie lieblos war wohl ihr Leben?
Sicher war sie im Herzen immer nur einsam; hungerte nach Liebe und Zuneigung.

Nur wenige Meter weiter das Grab eines jungen Mannes,
den ein Unfall je aus dem Leben riss;
da er die Kontrolle über sein Auto verloren hat.
Mit seinem Tod hinterließ er so viel Schmerz, Leid und Trauer
Risikobereitschaft, Gas geben und Schnelligkeit
löschten in Sekunden sein junges Leben aus.
immer brennt hier eine Kerze
und ihr sanftes, flatterndes Licht möchte den Trauernden Trost spenden.

In der Friedhofsstille gehe ich den schon so vertrauten Weg
zu meiner einstigen lieben bekannten Freundin.
Als sogenanntes Contergan- Kind,
geboren ohne Arme musste sie das Leben meistern.
Lebensbejahend und kämpferisch sie einst alle Herausforderungen meistern.
Bitte, kein Mitleid; das waren stehts ihre Worte.
Geschickt setzte sie ihre Zähne zum Halten und Greifen ein
und ihre Füße, genauer gesagt ihre Zehen, zum essen, schreiben und malen;
ich bewunderte sie sehr!
Ich kann das nicht, hörte man nie von ihr; dagegen sehr oft:
Ich werde es versuchen - Bewundernswert!
Blitzgescheit und ein hübsches Mädchen war sie und sehr sportlich;
liebte das Schi fahren. So fassungslos für uns, all ihren Freunden,
als uns die Nachricht von ihrem tödlichen Unfall erreichte.
Ich zünde ihr eine Kerze an und lasse es sie wissen,
dass sie in meinem Herzen unvergessen bleibt.
Ich weiß, dass es im Himmel, wo sie jetzt für mich ist,
keine Behinderung mehr für sie gibt,
und das ist mir auch heute noch ein kleiner Trost.

Wie gern wollen wir glauben, zum Sterben ist es erst im hohen Alter an der Zeit;

Der Tod kommt gewiss, und vergisst niemanden!
Immer zu früh! Für wen? Für unsere Toten?
Für die Angehörigen und Hinterbliebenen?

Hildegard Stauder
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G. Windhager aus Flachgau | 18.10.2014 | 19:34   Melden
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Richard Cieslar aus Rudolfsheim-Fünfhaus | 18.10.2014 | 19:47   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 18.10.2014 | 20:04   Melden
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Franz Schaufler aus Weiz | 19.10.2014 | 08:57   Melden
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Doris Schweiger aus Amstetten | 19.10.2014 | 09:25   Melden
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Gertraud Hölzl aus Flachgau | 19.10.2014 | 09:28   Melden
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Kathrin Petutschnig aus Pinzgau | 19.10.2014 | 10:33   Melden
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Rosmarie Kohlmann aus Jennersdorf | 20.10.2014 | 08:00   Melden
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Hildegard Stauder aus Villach | 20.10.2014 | 18:23   Melden
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