21.12.2017, 08:53 Uhr

"Von den Kollegen werde ich Lehropa genannt"

Mit 66 Jahren beginnt Egon Rutter eine Kochlehre. Damit ist er wohl Österreichs ältester Lehrling.

VELDEN (aw). "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, ...", heißt es im Evergreen von Udo Jürgens. In seinen 66 Jahren hat Egon Rutter schon so vieles gemacht. Er war Automechaniker, Discjockey, Journalist, Werbeberater, Unternehmer, Fotograf. Doch das ist ihm nicht genug. Rutter möchte mehr. Sein Hobby zum Beruf machen, Koch werden. Und weil er das auch "richtig" machen will, ist er nun unter die Lehrlinge gegangen. "Ich wollte Zwiebel hacken können wie ein Meister".
Als Lehrbetrieb hat er sich das Casino Restaurant in Velden ausgesucht. Ein Zwei-Hauben-Betrieb. "Na wenn schon will ich von den Besten lernen", lächelt Rutter.

Der Lehropa

Die Kollegen würden ihn "Lehropa" nennen, aber das macht Rutter nichts aus. "Ich habe gerne junge Menschen um mich, das hält jung", schmunzelt der dreifache Großvater.

Vater und Großvater

An der Lehre hat Rutter jede Menge Spaß. "Auch wenn ganz schön Zeit draufgeht". Für seinen "Nebenjob" als Fotograf muss er sich deshalb beizeiten Urlaub nehmen. "Wenn ich viele Termine habe, geht das mit der Küche nicht. Da stehe ich von drei Uhr nachmittags bis elf Uhr in der Küche. Ich bin da keine Ausnahme". Auch als Discjockey ist der 66-Jährige noch fleißig unterwegs, "ich lege schon um die 12 Mal im Jahr auf."

Seine Frau, eine Lehrerin, habe sich mit seinem engen Dienstplan abgefunden. "Anfangs fand sie es gut, dass ich nicht mehr daheim am Sofa gammle. Aber dann hat es ihr schon Kopfzerbrechen bereitet, dass ich nur mehr wenig Zeit habe", schmunzelt Rutter, der im Frühjahr die Schulbank drücken muss. "Dann muss ich in die Berufsschule". Bis dahin muss er noch eine Prüfung bestehen, damit er im zweiten Lehrjahr anfangen kann.

Kochen für Freunde

Die Lehre umfasst drei Jahre. Rutters Lehre als Automechaniker wird ihm ein Jahr ersparen. "Langweilig war mir nie", lächelt der 66-Jährige, der in Zukunft vor allem seine Freunde und Familie bekochen möchte. "Ich werde keine Laufbahn mehr als Koch anstreben, aber wenn ich die Lehre fertig habe, will ich für Familie und Bekannte kochen. Die können mich ja bezahlen", scherzt der umtriebige "Pensionist" und sagt, "denn mit drei Kindern und Enkeln braucht man bekanntlich ja immer das nötige Kleingeld."

Alle Fotos: Dietmar Wajand
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