Pharmazeuten warnen vor einer Gesetzesänderung:
Atterseer fordern Hausapotheke

Ärztin Birgit Beyer (l.) diskutierte mit Patienten, Apothekern und Politikern über den Sinn einer Hausapotheke in Attersee.
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  • Ärztin Birgit Beyer (l.) diskutierte mit Patienten, Apothekern und Politikern über den Sinn einer Hausapotheke in Attersee.
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ATTERSEE (rab). In der Gemeinde Attersee gibt es eine praktische Ärztin, jedoch keine Apotheke. Weil die nächste in St. Georgen nur drei Kilometer entfernt ist, darf Birgit Beyer auch keine Hausapotheke führen. Nach dem Arztbesuch müssen ihre Patienten also den diensthabenden Pharmazeuten aufsuchen.

Initiative für Einarztgemeinden

„Schlimm wird es für die Patienten jedoch nach Abendordinationen, am Wochenende, nachts oder bei Hausbesuchen. Wenn man dann noch beispielsweise 20 Kilometer nach Timelkam in die Apotheke fahren muss, wird es schwierig. Ich verstehe das“, meint die Hausärztin. Deshalb setzt sie sich gemeinsam mit der Initiative „Plattform Einarztgemeinde“ dafür ein, dass ärztliche Hausapotheken in allen Einarztgemeinden ohne Kilometergrenzen erlaubt werden.

Apothekerkammer warnt vor Risiken

Wenig Begeisterung löst diese Forderung bei der Apothekerkammer aus. Sie sieht vor allem das duale System, in dem Ärzte Diagnosen stellen und Pharmazeuten Medikamente ausgeben, in Gefahr. „Das bewährte sogenannte 'Vier-Augen-Prinzip', wonach der Arzt ein Rezept ausstellt und der Apotheker dieses kontrolliert, verhindert Medikationsfehler und trägt wesentlich zur Patientensicherheit bei“, betont Thomas Veitschegger, Präsident der Apothekerkammer Oberösterreich.

Hohe Umsatzverluste möglich

Zudem können Umsatzverluste durch Hausapotheken vor allem für kleinere Betriebe existenzbedrohend sein. "Im Schnitt macht eine Apotheke 80 Prozent ihres Umsatzes mit verschriebenen Medikamenten", führt Reinhard Kosch, Apotheker in Seewalchen, aus. Gibt es eine Hausapotheke, kommen die Patienten nur noch dann, wenn der Arzt geschlossen hat.

Wichtig in Randgebieten

Bezirksärztesprecher Dominik Stockinger aus Pöndorf verfügt selbst über eine Hausapotheke und befürwortet diese: "Wichtig ist, dass die Patienten auch an den Randzeiten und in den Randgebieten bestmöglich versorgt werden. Die Bevölkerung ist oft froh darüber." Auch Kosch räumt ein, dass die Hausapotheke wichtig für Gemeinden ist, die 20 Kilometer von der nächsten öffentlichen Apotheke entfernt sind.

Medikamentendepot und Lieferservice

Attersee sei jedoch gut versorgt: "Sollte es dennoch Lücken geben, werden wir gemeinsam mit den Kollegen aus St. Georgen an einer guten Lösung arbeiten." Als Möglichkeit nennt er ein Medikamentendepot in Attersee: "Dort ist zu bestimmten Zeiten – etwa den Öffnungszeiten des Arztes – ein Pharmazeut vor Ort und versorgt die Patienten." Für Notfälle biete jede Apotheke einen Zustellservice an: "Man braucht uns nur anzurufen und wir liefern die Medikamente kostenlos nach Hause."

Hausapotheke gegen den Ärztemangel

Immer wieder wird die Hausapotheke auch in Zusammenhang mit dem Ärztemangel genannt. So fehlen im Bezirk aktuell sechs Ärzte, alle Stellen sind ohne Hausapotheke. "Stellen mit Hausapotheke lassen sich schneller besetzen", weiß Stockinger. "Sie ist ein zusätzlicher Verdienst, aber definitiv mit mehr Arbeit verbunden. Manche Kollegen behandeln lieber mehr Patienten und erreichen so dasselbe Einkommen."

Anreiz für junge Ärzte

Deshalb sieht er die Gemeinden in der Pflicht, Anreize für junge Ärzte zu schaffen: "Man kann leihweise eine Infrastruktur zur Verfügung stellen." Gibt es bereits eine Ordination, sei es für junge Ärzte einfacher, sich für eine Gemeinde zu entscheiden: "Gefällt es mir dort nicht, kann ich ohne Risiko wieder gehen. Das ist auch ideal für Frauen, die zwischen zwei Kindern arbeiten möchten."

Ärztin Birgit Beyer (l.) diskutierte mit Patienten, Apothekern und Politikern über den Sinn einer Hausapotheke in Attersee.
Apothekerkammer-Vizepräsidentin Monika Aichberger, Nationalrätin Doris Margreiter, Bezirksärztevertreter Dominik Stockinger, Hausärztin  Birgit Beyer, Apothekerkammer-Präsident Thomas Veitschegger, Nationalrat Markus Vogl, Landtagsabgeordnete Ulrike Schwarz und Rechtsanwalt Markus Lechner
Autor:

Maria Rabl aus Vöcklabruck

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