Seelsorge
Ein gewaltiges Zeichen des Lebens und der Hoffnung

Wolfgang Schnölzer, Pfarrer von Vöcklamarkt und Dechant des Dekanates Frankenmarkt
  • Wolfgang Schnölzer, Pfarrer von Vöcklamarkt und Dechant des Dekanates Frankenmarkt
  • Foto: Michael Steiner-Schweissgut
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Gedanken zum Evangelium Joh 11,1-45 am 5. Fastensonntag von Dechant Wolfgang Schnölzer.

Liebe Leserinnen und Leser! Der 5. Fastensonntag wird auch Passionssonntag genannt. Mit diesem Sonntag steigen wir enger ein in das Passionsgeschehen – in den Leidensweg Christi.
Die gegenwärtige Situation stellt auch für uns eine Art „Passion“ dar. Die Auswirkungen des Corona-Virus in allen Lebensbereichen lassen uns alle eine Art „Leidenszeit“ erleben. Ja und wir spüren, wie weh das tut, den sonst selbstverständlichen Dingen des Alltags momentan nicht mehr nachgehen zu können.

Auferstehung und Leben

Eine Leidenszeit erleben im heutigen Evangelium auch die beiden Schwestern Maria und Marta, sie trauern um ihren verstorbenen Bruder Lazarus. Auch Jesus, der mit ihnen eng befreundet ist, trauert um seinen Freund Lazarus. Jesus selbst begibt sich hinein in Leid und Tod, er bleibt nicht unberührt vom Schmerz und von der Trauer der Menschen.
Das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus sagt uns: Glaube ist nicht dazu da, Leid zu verhindern, sondern mitten im Leid Auferstehung und Leben zu erfahren.
Auch die gegenwärtige Krise soll uns nicht resignieren lassen. Mitten in Zeiten von Corona will Jesus auch uns sagen: Komm heraus aus der Höhle deiner Selbstverschlossenheit, aus deinem mangelnden Vertrauen, aus deiner Angst, aus deiner schwachen Liebe! Vertraue auf mich, vertraue auf das Leben!

Neue Möglichkeiten

Jesus lässt den Stein vom Grab des Lazarus wegwälzen. Der vor das Grab gewälzte Stein ist ein schreckliches Symbol – es sagt: mit diesem Menschen ist es aus, es ist nichts mehr zu machen. Der Glaube an die Auferstehung heißt aber: nicht nur für uns selbst, sondern auch für unseren Mitmenschen an Auferstehung, an neue Möglichkeiten zu glauben.
Das heilende, das erweckende Wirken Gottes wälzt den Stein der Urteile und Vorurteile über andere weg. Auferstehung heißt nicht: Da ist nichts mehr zu machen. Der Glaube schließt immer die Möglichkeit von Auferstehung ein. Dieses Wunder ist im Grunde der Protest Jesu gegen eine Mentalität, die sich allzu schnell mit allem abfindet nach dem Motto: "Die Welt ist nun einmal so: voller Leid, voller Ungerechtigkeit, voller Armut, Not und Tod. Da kann man nichts machen.“
Nein – das, was Jesus am Grab des Lazarus zeigt, ist: Hier gibt es kein Sich-Abfinden, kein Kapitulieren vor Leid und Tod und vor all dem, was Menschen in den Gräbern unserer Welt einschließt: ob das Krankheit ist oder Naturkatastrophen, ob Gewalt oder zerbrochene Beziehungen. Mit diesem Zeichen der Auferweckung des Lazarus will Jesus uns ermutigen, damit wir uns nicht einfach abfinden oder uns von unserer Verantwortung drücken.

"Passionszeit von Corona"

Wenn ich momentan die vielen Berichte in den Medien wahrnehme, wo Menschen aufei-nander Rücksicht nehmen, Hilfe anbieten, sich umeinander sorgen, andere nicht allein lassen, füreinander beten, unzählige wohlwollende Nachrichten oder musikalische Beiträge schicken oder posten, Lichter der Hoffnung entzünden, dann ist das für mich ein gewaltiges Zeichen des Lebens und der Hoffnung in dieser „Passionszeit von Corona“.
Wo Menschen aus der Ellbogenmentalität ausbrechen und nicht bloß an ausreichend Nudeln und Klopapier denken, sondern einen aufmerksamen Blick auf andere haben, da beginnt neues Leben, da sind wir Protestleute gegen eine Kultur des Todes, da bricht neues Leben auf. Jesus will, dass wir uns nicht abfinden mit der Welt, wie sie nun einmal ist. Er will, dass wir die Gräber unseres Lebens öffnen.
Und so möge uns diese „Passionszeit“ durch den „Karfreitag von Corona“ hindurchführen und uns das Licht von Ostern wahrnehmen lassen. Denn seit Jesus in diese Welt gekommen ist, hat das Leben wieder eine Chance. Geben auch wir dem Leben eine Chance. In diesem Sinn: Bleiben Sie gesund – Gottes Segen möge uns stärken und begleiten!

Wolfgang Schnölzer ist Dechant des Dekanates Frankenmarkt, Pfarrer von Vöcklamarkt, Pfarrmoderator von Zipf, Pfarrprovisor von Neukirchen/Vöckla und Frankenburg

Autor:

Alfred Jungwirth aus Vöcklabruck

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