Arzneimittelversorgung
"Hausärzte in Zentren anstatt im Grünen"

Die Teilnehmer des Runden Tischs mit Corona-Sicherheitsabstand im Arkadenhof des
Stadtamts Schwanenstadt: Monika Aichberger, Karl Staudinger, Monika Kaniak-El Masri, Robert
Marschhofer, Margit Schallmeiner, Thomas Veitschegger, Peter Groiß, Doris Eckstein (v.l.).
  • Die Teilnehmer des Runden Tischs mit Corona-Sicherheitsabstand im Arkadenhof des
    Stadtamts Schwanenstadt: Monika Aichberger, Karl Staudinger, Monika Kaniak-El Masri, Robert
    Marschhofer, Margit Schallmeiner, Thomas Veitschegger, Peter Groiß, Doris Eckstein (v.l.).
  • Foto: Österreichischer Apothekerverband
  • hochgeladen von Florian Meingast

Schwanenstadt und Attnang-Puchheim sind nach Experten stark von der Problematik abwandernder Hausärzte oder nicht nachbesetzter Kassenstellen betroffen. Auf Initiative der Verantwortlichen der Apothekerkammer Oberösterreich wurde das Thema kürzlich bei einem Runden Tisch im Stadtamt Schwanenstadt beleuchtet.

SCHWANENSTADT. Die Landversorgung müsse im Sinne der optimalen Betreuung der Bevölkerung passieren. Die Apothekerschaft ist gesprächsbereit und habe längst Lösungsvorschläge für die Zukunft auf den Tisch gelegt.

Apotheken stellen die lückenlose und ununterbrochene Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln sicher. Diese Leistungen können von keinem anderen Dienstleister im selben Ausmaß erbracht werden. Die Apotheken in Oberösterreich sind oft die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Beschwerden. In vielen Gebieten in Oberösterreich zählt die Apotheke mit ihrem vielfältigen Angebot an Gesundheitsdienstleistungen zu den wichtigsten lokalen Nahversorgern.

Nicht nachbesetzt

In der Region Schwanenstadt und Attnang-Puchheim habe sich das Problem der Versorgungssicherheit der Bevölkerung während der jüngsten Vergangenheit verschärft. Während auf der einen Seite Hausärzte ihre Ordinationen aus den Zentren in kleinere Gemeinden in Randlagen oder Plätze in der Umgebung verlegt haben, wurden die freien Stellen in den Zentren nicht nachbesetzt. Die Nähe zu den Menschen sei dadurch nicht mehr gegeben. Dies führe dazu, dass sowohl Schwanenstadt als auch Attnang-Puchheim mit einer schlechteren Gesundheitsversorgung konfrontiert sind – mit mehr als 20.000 betroffenen Menschen.

Die Betreiber der vier Apotheken der Region haben diese Herausforderungen erkannt und bei einem Runden Tisch mit den beiden Bürgermeistern und dem Präsidium der Apothekerkammer Oberösterreich kürzlich darauf hingewiesen.

Seitens Politik, Gesundheitskasse und Ärzteschaft brauche es eine Übereinstimmung mit den Apothekern, die der Meinung sind, ärztliche Notabgabestellen würden die wohnortnahe Versorgung am Land verschlechtern. Stadtgemeinden wie Schwanenstadt und Attnang-Puchheim droht, neben Allgemeinmedizinern auch Apotheken zu verlieren. Gerade jetzt brauche es Anreize, die den Beruf des Landarztes langfristig wieder attraktiv machen. Neben modernen Kassenverträgen müssen Leistungen fair abgegolten werden.

Immer da

Es ist zu befürchten, dass Ärzte aus größeren Apothekengemeinden weiterhin aus Zentren abwandern und ihre Ordinationen in Randlagen verlegen, in denen die Führung einer ärztlichen Notabgabestelle möglich ist. In den betroffenen Gebieten werde die ärztliche und die Versorgung durch Apotheker aufs Spiel gesetzt. Verbunden sei das mit zahlreichen Arbeitsplätzen – vorwiegend von Frauen.

Die Apothekerschaft habe längst Vorschläge gemacht, wie eine moderne Zukunft mit noch besseren Angeboten aussehen kann. Erweitertes Zustellservice, Filialapotheken wo möglich und die Flexibilisierung der Öffnungszeiten passen sich modernen Lebensweisen und technischen Entwicklungen an. In allen Gesundheitsberufen müsse jetzt angemessen reagiert, Lösungen ermöglicht werden. Dies könne jedoch nicht hinter dem Rücken der Apotheken passieren.

„In Österreich lenkt die Debatte um ärztliche Notabgabestellen zur Attraktivierung des Landarzt-Berufes vom tatsächlichen Problem ab. Der Apothekerkammer Oberösterreich ist der niederschwellige Zugang wichtig. Die wohnortnahe und kompetente Versorgung hat höchste Priorität. Verbunden ist das mit dem breiten Angebot und den vielfältigen Leistungen der Apotheken. Einen Tausch von zu wenig Ärzten gegen zu wenig Ärzte und keine Apotheken am Land kann niemand wollen“, sind sich Thomas Veitschegger, Präsident der Apothekerkammer OÖ sowie Vizepräsident des Apothekerverband und Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Apothekerkammer OÖ, am Runden Tisch einig.

„Unsere Situation am Hausarztsektor ist akut. Unsere Ärzte sind entweder in Pension gegangen, krank geworden oder ins Umland abgewandert. Sie haben sich für die Peripherie wegen dem Führen einer Hausapotheke entschieden. Die Zentrumsregionen mit vielen Einwohnern bleiben unterversorgt zurück, weil nicht rasch genug neue Ärzte gefunden werden können. So kann es nicht weiter gehen. Ich bin froh, dass unsere beiden Apotheken in Schwanenstadt helfen, wo es ihnen möglich ist“, sagt Schwanenstadts Bürgermeister Karl Staudinger.

Attnang-Puchheims Bürgermeister Peter Groiß ergänzt: "Die Abwanderung von Ärzten aus den Zentren wegen dem Führen einer Hausapotheke löst bei vielen Menschen Unverständnis aus. Die Gemeinde trägt hier keine Schuld. Hier stehen rein wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. Wir sind in Attnang-Puchheim in der glücklichen Lage, zumindest bei den Apotheken noch bestens ausgestattet zu sein. Das sichert wichtige Arbeitsplätze. Weniger Ärzte schlagen sich natürlich auch auf die Apotheken nieder und das schwächt die Versorgung insgesamt. Es müssen Strukturen geschaffen werden, dass Hausärzte aus Zentren erst gar nicht in die Peripherie abwandern wollen. Beispielsweise muss das Gesundheitssystem schon beginnend bei der Ausbildung darauf Rücksicht nehmen."

"Wir bemühen uns um die bestmögliche Versorgung der Patienten und da geht es nicht nur um die Abgabe eines Medikaments. Wir beraten ohne Termin und Entgelt, haben eine umfassende Lagerhaltung, sind immer erreichbar, bei Tag und Nacht. Die Leistungen der Apotheken sind in der Bevölkerung höchst anerkannt, die Versorgungssicherheit wird geschätzt. Gerade in Zeiten wie diesen während einer Pandemie. Die Apotheke ist nicht einfach nur ein Geschäft. Wir sind ein regionaler Nahversorger, der Arbeitsplätze sichert. Ein belebtes Zentrum mit guter Infrastruktur ist wichtig", sagt Robert Marschhofer von der Apotheke am Stadtplatz in Schwanenstadt.

Doris Eckstein von der Atrium Apotheke in Schwanenstadt ergänzt: "Jeder in Schwanenstadt oder Attnang-Puchheim nutzt städtische Bildung, Infrastruktur, Kultur, Nahversorgung. Doch für die Gesundheit zum Arzt sollen die Menschen künftig kilometerweit in die Peripherie fahren? Das ist falsch. Es ist möglichst wohnortnah zu versorgen und deshalb muss es untersagt sein, dass Ordinationen aus Zentren weg verlegt werden können. Eine stabile Gesundheitsversorgung garantieren derzeit nur die Apotheken. Wir sind da mit unserer Ausbildung und Expertise. Arzneimittel sind keine Sache, die einfach so mitgemacht werden kann."

"Die Landespolitik ist gefordert, weil die Hausapotheken rechtlich als Mittel für Notfälle in unterversorgten Regionen geschaffen wurden. Diese Möglichkeit auszureizen, ist nicht einzusehen. Die Gemeinden bekommen Druck, sind aber nicht verantwortlich. Warum manche Bürgermeister in kleinen Gemeinden nachgeben und dies unterstützen, ist zu hinterfragen. Denn es hat gute Gründe, wieso Pharmazie und Medizin getrennte Berufe sind. Es kann nicht sein, dass jeder der möchte eine Zulassung für eine Ordination auf der grünen Wiese bekommt", sagt Margit Schallmeiner von der Anna Apotheke in Attnang-Puchheim.

"Die Aufgabe, Pflicht und Möglichkeit in dieser Problematik für faire Verhältnisse zu sorgen liegt bei der Gesundheitskasse und der Ärztekammer. Wir haben ein gutes Miteinander, doch am Ende geht es um die ärztliche Leistung. Gibt es hier einen ordentlichen Umgang, stellt sich die Frage nach Erlangung einer Hausapotheke als Zuverdienst gar nicht. Das Gesundheitssystem muss gesund werden", Monika Kaniak-El Masri von der Apotheke Puchheim.

Vorteile der Apotheken

  • Apotheken sind die primären Nahversorger und die erste Anlaufstelle im Gesundheitsbereich.
  • Der Arzt diagnostiziert und verschreibt, die Apotheken geben ab und beraten über richtige Einnahme und Wirkstoffe.
  • Die Bevorratung einer Apotheke ist um zehn bis zwanzig Mal größer als die einer ärztliche Notabgabestelle. Sie umfasst etwa 6.000 verschiedene Arzneimittel.
  • Die Arbeitsteilung im Sinne eines „Vier-Augen-Prinzips“ trägt entscheidend zur Vermeidung von Medikationsfehlern bei und erhöht den Behandlungserfolg und damit die Lebensqualität.
  • Im Vordergrund steht immer der Mensch und seine qualitativ beste Versorgung, die Bevölkerung braucht daher Arzt und Apotheke
  • Die Öffnungszeiten der Apotheken garantieren die Arzneimittelversorgung rund um die Uhr, auch am Wochenende und in der Nacht, während ärztliche Notdienste vielfach nicht mehr geleistet werden müssen. Apotheken sind im Schnitt 54 Stunden offen, die Ordinationszeiten eines Kassenarztes pendeln bei rund 20 Stunden.
  • Die öffentliche Apotheke hat das ganze Jahr ohne Urlaub uns sonstige Unterbrechungen geöffnet.
  • Apotheken sind wichtige Arbeitgeber in Regionen, sichern Jobs (vorwiegend für Frauen in Teilzeit) und Ausbildungsplätze für Lehrlinge 

Der Österreichische Apothekerverband

Der Österreichische Apothekerverband ist die freiwillige Interessenvertretung der selbständigen Apotheker in Österreich. Nahezu 95 Prozent der Apothekeninhaber sind Mitglieder des Apothekerverbands, der sie in politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und fachlichen Belangen vertritt. Im Fokus der Verbandstätigkeit steht die Sicherung der wirtschaftlichen Zukunft der Apotheken, damit diese ihre Aufgaben für die Gesundheit der österreichischen Bevölkerung bestmöglich erfüllen können. Als verantwortungsvoller und essenzieller Akteur im österreichischen Gesundheitssystem gestaltet der Apothekerverband die Zukunft der Apotheken – im Sinne seiner mehr als 1.400 Mitglieder – aktiv mit und rückt deren große Bedeutung für Österreich ins Bewusstsein von Politik und Bevölkerung.

Die Österreichische Apothekerkammer

Die Österreichische Apothekerkammer ist die gesetzliche Berufsvertretung der mehr als 6.200 angestellten und selbständigen Apotheker, die sowohl in öffentlichen Apotheken als auch in Krankenhäusern tätig sind. 

Als Interessenvertretung des Berufsstandes leistet die Kammer einen entscheidenden Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung, und setzt sich dafür ein, dass selbständige und angestellte Apotheker als Angehörige eines freien Heilberufs die Arzneimittelversorgung über Apotheken sicherstellen.

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen