Im Gespräch
Mit Rad auf Praxissuche

Der 99-jährige Othmar Panhofer ist immer noch mobil. Gerne ist er mit seinem E-Bike unterwegs.
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Othmar Panhofer ist im 100. Lebensjahr. Der Arzt erinnert sich an viele historische Ereignisse.

UNGENACH (csw). Othmar Panhofer wurde am 2. Mai 1919 in Julbach im Bezirk Rohrbach geboren. Der Vater arbeitete bei der Zollwache und später als Finanzbeamter.
Othmar Panhofer war von 1951 bis 1983 praktischer Arzt und Gemeindearzt in Ungenach sowie 21 Jahre lang ehrenamtlich Bezirksstellenleiter des Roten Kreuzes. Er hat zwei Töchter und einen Sohn. Waltraud Schobermayr war Kinderärztin, Margit Gärtner Hauptschullehrerin und Bernhard Panhofer Gemeindearzt in Ungenach.

Was ist Ihre erste Kindheitserinnerung?

Othmar Panhofer: Ich hatte Angst vor einem Gickerl, der mich angesprungen ist. Die Narbe habe ich heute noch. Als ich sechs war, konnte ich das erste Mal Musik aus dem Radio hören. Gut erinnern kann ich mich an den 2. Mai 1929. Ich war zehn Jahre alt und meine Mutter machte mir eine Torte. Da ist der Graf Zeppelin (Anm.: Luftschiff) über Vorchdorf geflogen, wo wir wohnten.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis?
Im Frankreichfeldzug mussten wir in der Nacht über einen Hügel laufen und wurden beschossen. Ich war auch Sanitäter in Stalingrad und wurde im Dezember 1942 schwer krank mit einem Flugzeug ausgeflogen. Wir hatten Angst vor einem Abschuss. In Viehwaggons wurden wir dann bis Lemberg gebracht. Als Arzt waren Todesfälle von Kindern besonders schlimm.

Und Ihr schönstes Erlebnis?

Die Hochzeit mit Berta 1949 in Innsbruck. Ein Freund hat uns zum Hinfahren seinen Käfer geborgt. Anschließend durften wir damit noch einen kleinen Ausflug machen. Durch meinen Beruf konnte ich einige Leben retten.

Sie haben ab 1943 Medizin studiert und 1947 in Innsbruck promoviert. Wie sind Sie nach dem Turnus nach Ungenach gekommen?
Ich bin 1950 mit dem Rad auf Praxissuche gegangen, bis ins Innviertel. Der Ungenacher Bürgermeister war gleich Feuer und Flamme.

Wie sah die Ordination damals aus?
Wir waren in einem Raum beim Kramer untergebracht. Es gab keine Wasserleitung, das Plumpsklo war im Zwischenstock. Ordiniert wurde auch am Sonntag. Da sind die Leute zu Fuß zur Kirche gekommen und dann zum Doktor. Da die Bauern kein Auto hatten, machte ich sehr viele Hausbesuche – zehn bis 20 am Tag. Meine Frau war Ärztin und konnte mich in der Ordination vertreten.

Wie sind Sie zu den Patienten gekommen?

Im ersten Jahr mit dem Motorrad, dann habe ich mir einen VW Käfer gekauft. Elf hatte ich insgesamt. Im Winter – es gab keine Schneeräumung – bin ich mit den Skiern nach Puchkirchen und Zell zur Visite gegangen, ein paar Mal habe ich mir ein Pferd ausgeborgt. Ich habe im Krieg reiten gelernt.

Was hat sich in der Medizin seither verändert?

Heute ist alles fachärztlich orientiert. Ich habe auch Geburtshilfe geleistet, Zähne gezogen und – wie das Skifahren aufgekommen ist – gebrochene Beine eingegipst. Ein Labor gab es damals nur im Krankenhaus. Eine Lungenentzündung wurde nur durch Abhorchen und -klopfen diagnostiziert.

Sie sind für Ihr Alter erstaunlich fit. Wie machen Sie das?
Ich fahre Rad, sitze oft am Hometrainer und mache jeden Tag Gymnastik. Ich rauche nicht und seit dem 80. Geburtstag trinke ich auch keinen Alkohol mehr.

Autor:

Christine Steiner-Watzinger aus Vöcklabruck

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