Meisterlich die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft gestalten
Vier Meister des Jahres wurden ausgezeichnet

Meistergruppe Landwirtschaft Vöcklabruck 2019
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In Oberösterreich schlossen in der Bildungssaison 2018/19 insgesamt 75 Meisterinnen und Meister ihre landwirtschaftliche Berufsausbildung mit der Meisterprüfung ab. Den frisch gebackenen Meistern wurden im feierlichen Ambiente des Agrarbildungszentrums Lambach die Meisterbriefe überreicht. Vier der Absolventen, die in ihrer Ausbildung besondere Leistungen zeigten, wurden zu „Meistern des Jahres“ ernannt.

Viele zukünftige landwirtschaftliche Betriebsleiter nehmen die Möglichkeit wahr, in der Meisterausbildung die Kennzahlen und Daten ihres Betriebes genau zu analysieren und in der Meisterarbeit ein Betriebsentwicklungskonzept zu erarbeiten. In der abgelaufenen Bildungssaison haben fünf Meisterinnen und 27 Meister den Meisterkurs Landwirtschaft abgeschlossen. Den Meisterkurs Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement schlossen heuer neun Meisterinnen und ein Meister ab. In der Forstwirtschaft konnten 27 neue Meister begrüßt werden und im Fachgebiet Gartenbau gibt es sechs neue Meisterinnen.

„Während der Ausbildung haben die Teilnehmer festgestellt, dass bereits der Weg zum Meisterbrief ein Gewinn ist“, fasst Karl Grabmayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer OÖ, die Rückmeldungen der Teilnehmer zusammen. „Das neue und aktuelle Fachwissen ist sehr praxisorientiert. Als besonders wertvoll schätzen Teilnehmer den Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen. Das Netzwerk Meisterkurs funktioniert weit über das Kursgeschehen hinaus.“

„Jedem Betrieb seinen Meister! Diese Vision wollen wir in Oberösterreich weiter verfolgen. Wir werden von Seiten des Landes OÖ die Rahmenbedingungen schaffen, um den Ausbildungsgrad in der Land- und Forstwirtschaft noch weiter zu steigern. Eine Top-Ausbildung ist die beste Vorbereitung auf Herausforderungen wie die Klimakrise,Preisschwankungen und veränderte Konsumgewohnheiten“, betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Meisterausbildungen als lernendes System
„Wer sich nicht weiterentwickelt steht nicht still, sondern geht rückwärts. Das gilt auch für unsere landwirtschaftlichen Betriebe“, betont Eugen Preg, Präsident der Landarbeiterkammer OÖ und Vorsitzender der Lehrlings- und Fachausbildungsstelle. Viele Institutionen und Personen eines großen Netzwerks sind an der Weiterentwicklung der beruflichen Ausbildung beschäftigt. Experten aus den Landwirtschaftskammern, dem landwirtschaftlichen Schulwesen und den Bundesanstalten arbeiten mit Praktikern an den fachlichen, pädagogischen und organisatorischen Optimierungen der Meisterkurse.

Meister des Jahres 2019
Die Obfrau der ARGE Meister OÖ, LAbg. Michaela Langer-Weninger, präsentierte die Meister des Jahres 2019. „Jede Meisterprüfung ist eine besondere Leistung. Die Anforderungen an das Engagement und das Zeitmanagement der Meister sind hoch, die zu erbringenden Arbeiten erfordern einiges an Aufwand“, betont Langer-Weninger.
Aus der Gruppe der heurigen Meisterinnen und Meister wurden vier Personen benannt, die sich auf unterschiedliche Weise besonders hervorgetan haben.

Karina Einfinger, Meisterin Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement, Tumeltsham, Bezirk Ried im Innkreis
Karina Einfinger interessierte sich schon früh für die Landwirtschaft. Nach der Matura und einer Ausbildung zur Sozialpädagogin arbeitete sie zunächst in einem Hort. Auch ihr Mann Dominik wollte Bauer werden und so übernahmen die beiden den Milchviehbetrieb von Karinas Eltern. Um auch das grundlegende Fachwissen zu erwerben, absolvierten die beiden 2014 die landwirtschaftliche Facharbeiterausbildung in Ried/I.
Seit 2016 arbeiten die Einfingers biologisch. Im Fokus der Bewirtschaftung stehen Weidehaltung und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Aus diesem Grund wurde am Betrieb eine Kompostieranlage errichtet, bei der kommunale Abfälle und Stallmist kompostiert werden. Der fertige Kompost ist hochwertiger Dünger für die Wiesen und Felder.
In ihrer Meisterarbeit hat sich Einfinger mit dem Thema „Schule am Bauernhof“ beschäftigt, da sie als Bäuerin Kinder für die Wertigkeit von regionalen Lebensmitteln sensibilisieren möchte. „Ich möchte den Kindern auch zeigen, wie man den Müll richtig trennt, denn bei den kommunalen Abfällen, die bei uns angeliefert werden, sehe ich, dass die Mülltrennung nur bedingt funktioniert“, so Karina Einfinger.

David Keplinger, Meister Forstwirtschaft, Haslach, Bezirk Rohrbach
Der Wald hat auf dem Betrieb Keplinger schon lange eine große Bedeutung, sowohl inforstwirtschaftlicher als auch in jagdlicher Hinsicht. Schon als Schulkind interessierte sich Keplinger für die Waldarbeit. Gleich nach dem Abschluss an der HLBLA St. Florian absolvierte Keplinger den Forstwirtschaftsfacharbeiter. Die Waldfläche am Hof wurde auf rund 20 Hektar verdoppelt. Keplingers Vater betreut als Waldhelfer in Summe mehr als 200 Hektar Wald.

David Keplinger unterstützt seinen Vater bei diesen Tätigkeiten, angefangen von den Auszeigen über die Ernte bis hin zu den Vermarktungstätigkeiten. „Für mich war bald klar, dass der Facharbeiter für mich nicht die letzte Ausbildung im Bereich der Forstwirtschaft sein soll“, so Keplinger. Nach dem Agrarpädagogik-Studium und neben den beruflichen Tätigkeiten als Lehrer an der Bioschule Schlägl, dem Biokompetenzzentrum Schlägl und dem elterlichen Milchviehbetrieb entschied sich David den Forstwirtschaftsmeister zu machen und das mit großem Erfolg.
David Keplinger konnte seine Meisterprüfung bereits in der neuen Forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen ablegen, die seit September 2018 in Betrieb ist. In dieser Bildungseinrichtung werden 130 Schüler sowie knapp 8.000 Kursteilnehmer pro Jahr aus- und weitergebildet. Die Wald-Kompetenzen wurden in einem neuen Haus zusammengeführt, um die Bedeutung des Forstes auf vielfältige Art zu vermitteln.

Manfred Ganglbauer, Meister Landwirtschaft, Waldneukirchen, Bezirk Steyr
Durch das Aufwachsen und Mitarbeiten am elterlichen Betrieb wurde bei Manfred Ganglbauer schon früh das Interesse an der Landwirtschaft geweckt. Nach dem Abschluss der landwirtschaftlichen Fachschule in Schlierbach war es ihm aber auch sehr wichtig, noch einen außerlandwirtschaftlichen Beruf zu erlernen.
Nach neunjähriger Tätigkeit als Landmaschinenmechaniker ist er 2014 in den bis dahin als Nebenerwerbsbetrieb geführten elterlichen Betrieb mit den Schwerpunkten Schweinehaltung und Ackerbau eingestiegen und führt ihn seitdem im Vollerwerb. Sein Ziel ist es, den Betrieb rentabel weiter zu entwickeln. In seiner Meisterarbeit hat sich Ganglbauer mit dem Aufstocken des Sauenbestandes von 70 auf 100 Zuchtsauen mit anschließender Mast aller Ferkel beschäftigt. Besonderes Augenmerk wurde bei der Planung auf die arbeitswirtschaftlichen Auswirkungen und die Steigerung des Einkommens pro Arbeitskraftstunde gelegt. „Wegen der unsicheren Rahmenbedingungen in der Schweinehaltung ist es mir wichtig, das Risiko bei Investitionen so gering wie möglich zu halten“, betont Ganglbauer.
Durch Aufzeichnungen für den Grünen Bericht und die Mitgliedschaft beim Arbeitskreis Unternehmensführung weiß Ganglbauer, wo die Stärken und Schwächen seines Betriebes sind, und er kann die Weichen für die Zukunft stellen.

Stefan Wiedlroither, Meister Landwirtschaft, Unterach/Attersee, Bezirk Vöcklabruck
Wiedlroither wuchs gemeinsam mit seinen drei Geschwistern auf dem Hof seiner Eltern in Unterach auf. Der Hof ist schon lange ein Urlaub am Bauernhof-Betrieb und Ziegenmilchprodukte werden direkt vermarktet. Seine Begeisterung für die Landwirtschaft ist seit Kindertagen ungebrochen. Da der Betrieb im Nebenerwerb geführt wird, absolvierte er nach der Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter auch eine Lehre als Zimmerer. Stefans großes Hobby ist seit einigen Jahren die Imkerei.
In seiner Meisterarbeit versuchte Wiedloither einen Plan zu erarbeiten, den Betrieb so weiter zu entwickeln, dass dieser nicht mehr zwangsläufig von einer außerlandwirtschaftlichen Tätigkeit abhängig ist, diese jedoch auch nicht ausschließt. „Mit dem Ausbau des Betriebszweiges Urlaub am Bauernhof will ich die Gegebenheiten der Region optimal nützen. Gleichzeitig sollen sich aus der Zimmervermietung Vorteile für die Vermarktung unserer Ziegenmilch-Produkte ergeben, denn wir können unseren Gästen im direkten Kontakt vermitteln, wie unsere Produkte entstehen“, so Wiedlroither. Seine Meisterarbeit zeigt, dass auch flächenmäßig kleiner ausgestattete Betriebe durch optimale Nutzung von Ressourcen und Möglichkeiten überleben und weiterbestehen können.

Die Bezirksbauernkammer Gmunden Vöcklabruck kann sich über 25 Meisterinnen und Meister der Fachrichtung Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement sowie Landwirtschaft freuen.
Ab Herbst 2019 wird wieder ein neuer Landwirtschaftsmeisterkurs in Vöcklabruck starten.

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