08.10.2014, 20:00 Uhr

Berufliche Auszeit für Weiterbildung nutzen

Arbeitnehmer wird die Möglichkeit eröffnet sich für bis zu einem Jahr zu Fortbildungszwecken freistellen zu lassen. (Foto: Foto: drubig-photo/Fotolia)

Bildungskarenz, Bildungsteilzeit und Bildungskonto erfreuen sich immer größerer Popularität.

LENZING. Für berufliche Weiterbildungszwecke nützen immer mehr Arbeitnehmer die beliebten Auszeitmodelle: Bildungskarenz, Bildungsteilzeit und das Bildungskonto. Eine Mitarbeiterin der Lenzing Aktiengesellschaft, die diese Chance nutzt ist die Textilmechanikerin und -chemikerin Lisa Baumgartinger. Baumgartinger entschied sich nach ihrer Lehre für ein Chemiestudium an der Universtität Wien und ist seit September in Bildungskarenz.
"Als ich den Entschluss traf studieren zu gehen hatte ich keine Ahnung über die verschiedenen Möglichkeiten, die es gibt, um sich ein Studium finanzieren zu können. Also erkundigte ich mich bei der Arbeiterkammer. Dort wurde mir empfohlen mich mit meinem Vorgesetzten über die Bildungskarenz zu unterhalten.", so Baumgartinger über ihre ersten Schritte in Richtung beruflicher Auszeit. "Die wichtigste Voraussetzung um die Bildungskarenz antreten zu können, ist das Einverständnis des Arbeitgebers. Nach Gesprächen mit meinen Vorgesetzten und der Personalabteilung ging alles sehr schnell. Nachdem ich mir einen Termin beim AMS geholt hatte, gingen wir einige Formalitäten durch und das war alles", informiert die zukünftige Studentin. Baumgartinger ist weiterhin bei der Lenzing AG gemeldet, bekommt ihr Bildungsgeld aber vom AMS, welches in der Höhe des Arbeitslosengeldes ausgezahlt wird.

Allgemeine Bedingungen

Günther Maier, Human Resources Manager von der Lenzing AG erklärt: "Beim Antritt der Bildungskarenz ist eine Vereinbarung notwendig, da kein gesetzlicher Rechtsanspruch besteht. Voraussetzung ist ein mindestens sechs Monate dauerndes Arbeitsverhältnis beim gleichen Arbeitgeber." Als Fortbildung gelten alle Bereiche mit beruflichen Bezug. Dabei muss der Besuch einer Ausbildungsstätte von mindestens 20 Wochenstunden schriftlich, in Form von Zeugnissen und Kursbesuchsbestätigungen, nachgewiesen werden. Wenn die Voraussetzungen für eine Bildungskarenz erfüllt werden, wird ein Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes übermittelt.
Ein Zuverdienst durch geringfügige Beschäftigung (2014: 395,31 Euro), auch beim gleichen Arbeitgeber, ist erlaubt. Die berufliche Auszeit kann auch in Teilen angetreten werden, wobei ein Teil mindestens zwei Monate und die Gesamtdauer maximal zwölf Monate, innerhalb von vier Jahren, beträgt."Während der Weiterbildungszeit ist der Arbeitnehmer kranken- unfall- und pensionsversichert“, schildert Maier.

Bildungsteilzeit

Seine Arbeitszeit zu reduzieren, um sich beruflich weiterzubilden, ist auch in Form der sogenannten "Bildungsteilzeit" möglich. Diese ermöglicht Arbeitnehmern sich während aufrechtem Arbeitsverhältnis weiterzubilden. "Das Arbeitsverhältnis muss ebenfalls ununterbrochen sechs Monate beim gleichen Arbeitgeber bestehen, wobei das Entgelt über der Geringfügigkeitsgrenze liegen muss. Hierbei ist wieder eine schriftliche Vereinbarung notwendig, da auch hier kein gesetzlicher Rechtsanspruch besteht.", informiert der Human Resources Manager. Das Bildungsteilzeitgeld beträgt 0,76 Euro für jede volle Arbeitsstunde, um die die wöchentliche Normal-Arbeitszeit verringert wird und wird durch das AMS finanziert. Die Arbeitszeit kann man um 25-50 Prozent reduzieren, die wöchentliche Arbeitszeit muss jedoch mindestens zehn Wochenstunden betragen. "Die Bildungsteilzeit eignet sich vor allem für Ausgebildete und Geringverdiener, für die die Bildungskarenz nicht in Frage kommt. Die Bildungsteilzeit kann im Unterschied zur Bildungskarenz für mindestens vier Monate bis maximal zwei Jahre beansprucht werden, wobei diese vier Jahre nach Beginn der Bildungsteilzeit erneut vereinbart werden kann.", so Maier. Der Antrag für die Bildungsteilzeit muss beim AMS gestellt werden. Darauffolgend muss der der Arbeitnehmer dem Antrag auf Bildungsteilzeitgeld ein Schreiben des Arbeitgebers mit folgenden Angaben vorlegen: Anzahl der im Betrieb arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer, Anzahl der sich in Bildungsteilzeit befindlichen Arbeitnehmer, wöchentliche Normalarbeitszeit in den letzten sechs beziehungsweise drei Monaten vor der Bildungsteilzeit und die geplante wöchentliche Normalarbeitszeit ab Beginn der Bildungsteilzeit.

Bildungskonto

Ein weiteres Modell der beruflichen Auszeit zur Fortbildung ist das sogenannte "Bildungskonto". "Dieses dient zur finanziellen Unterstützung für eine Weiterbildung in Oberösterreich. Gefördert werden Arbeitnehmer in aufrechtem Arbeitsverhältnis. Personen, die Kinderbetreeungsgeld beziehen, Wochengeldbezieher und Arbeitnehmer in Elternkarenz, geringfügig Beschäftigte, Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe beziehende Personen, Wiedereinsteiger nach der Kinderkarenz, die beim AMS als arbeitssuchend gemeldet sind und keine AMS-Leistung erhalten.", klärt der Human Resources Manager Maier auf. Diese Form der bezahlten Auszeit eignet sich vor allem für eine berufsorientierte Weiterbildung und Umschulungen und fördert auch die Kurskosten für die Bildungsmaßnahme.
Um vom Bildungskonto profitieren zu können müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden: der Hauptwohnsitz muss sich in Oberösterreich befinden, die Bildungsmaßnahme muss der berufsorientierter Weiterbildung oder Umschulung dienen; zudem muss die Weiterbildung in für Oberösterreich zertifizierten Einrichtungen absolviert werden und die Teilnahme bestätigt sein. Die Förderung beträgt gemäß Maier "in der Regel 50 Prozent, höchstenfalls 1800 Euro. Bei Wiedereinsteiger, Kinderbetreuungsgeld – oder Wochengeldbezieher, Personen in Elternkarenz, sowie Personen ohne Berufsabschluss beträgt der Förderhöchstsatz 70 Prozent, bis maximal 2200 Euro. Der Förderantrag muss außerdem spätestens sechs Monate nach Ende der Weiterbildung/ Ablegung der Abschlussprüfung beim Land Oberösterreich eingereicht werden."
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