30.11.2016, 20:00 Uhr

Drogen: "Darknet" beschäftigt Polizei

Es heißt zwar "Darknet", die Polizei bringt bei kriminellen Machenschaften immer wieder Licht ins Dunkel. (Foto: PantherMedia/stevanovicigor)

Suchtgifthandel über das World Wide Web stellt die Ermittler vor immer neue Herausforderungen.

BEZIRK (ju). "Das ,Darknet’ ist auch im Bezirk Vöcklabruck aufgeschlagen", sagt Hans-Jürgen Hofinger, Ermittlungsbereichsleiter im Kriminalreferat des Bezirkspolizeikommandos. Die ersten Fälle sind vor rund zwei Jahren aufgetaucht. "Heuer hatten wir bereits 30 bis 40 Fälle", so Hofinger. Immer mehr nutzen dieses anonyme Netzwerk für den Handel mit Suchtgift. So auch drei Männer aus dem Bezirk Vöcklabruck, die im Vorjahr den Entschluss gefasst hatten, über das "Darknet" Amphetamin, auch "Speed" genannt, zu bestellen. Ein 47-Jähriger und zwei 20-Jährige wollten damit ihren Lebensunterhalt und den Eigenkonsum finanzieren. Laut Polizei haben sie zehn bis elf Bestellungen zu je 60 bis 100 Gramm durchgeführt. Bei einer routinemäßigen Kontrolle der Zollfahndung Wien im September wurde ein Päckchen mit 109 Gramm Amphetamin sichergestellt, das an einen der Beschuldigten adressiert war.

"Unantastbar" gefühlt

"Von den insgesamt rund 1000 Gramm wurden in Folge cirka 600 Gramm gewinnbringend an mehrere Subverteiler und Endkonsumenten weiterverkauft", so die Polizei. Rund 270 Gramm sollen von den Männern konsumiert worden sein, weitere 130 Gramm Amphetamin wurden sichergestellt. Die Beschuldigten zeigten sich großteils geständig und wurden nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Wels in U-Haft genommen. Sie gaben an, sich bei ihrem Handel über das "Darknet" sicher, anonym und unantastbar gefühlt zu haben.
Das "Darknet" wird grundsätzlich von Menschen genutzt, die keine Spuren im Internet hinterlassen wollen. Darunter sind auch viele Kriminelle. "Die Leute glauben, dass sie absolut anonym sind. Aber es gibt immer wieder eine Spur, die sich verfolgen lässt", sagt Hofinger. "So wie sich die Täter vernetzen, vernetzen auch wir uns immer besser", verweist der Ermittler auf die guten internationalen Verbindungen bei der Bekämpfung der Suchtgiftkriminalität. Laut Hofinger seien Bestellungen im "Darknet" aufgrund der Qualität und des Preises sehr verlockend. "Dabei bedenken aber die wenigsten, dass sie sich damit auch des Suchtgiftschmuggels schuldig machen." Je nach Menge stehen darauf Haftstrafen von einem Jahr bis zu 15 Jahren.

Vöcklabrucker Spezialisten

Eine größere Steigerung bei der Zahl der Drogendelikte sei nicht festzustellen. "Aber je mehr wir in die Ermittlung investieren, umso mehr wird aufgedeckt", betont Hofinger. Die Beamten des koordinierten Kriminaldienstes Vöcklabruck arbeiten auf diesem Gebiet seit Jahren besonders intensiv. "Und zwar deswegen, weil das Gros der Begleitkriminalität einen Hintergrund im Drogenmilieu hat."
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Patrick Prndl aus Hernals | 05.12.2016 | 12:10   Melden
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