24.10.2017, 10:06 Uhr

Jörg Winter - ein Vöcklabrucker als Korrespondent in der Türkei

(Foto: ORF)

"Istanbul ist eine sehr bunte und laute Stadt", sagt Jörg Winter. Der 45-jährige berichtet für den ORF aus dem Nahen Osten.

ISTANBUL, VÖCKLABRUCK (csw). "Istanbul ist eine sehr aufregende Stadt und wohl eine der schönsten Metropolen, die ich kenne. Die Lage an Bosporus und Marmarameer ist einmalig. Eine sehr bunte, vielschichtige und auch laute Stadt. Aber irgendwie auch eine Ansammlung von hunderten Dörfern", sagt der gebürtige Vöcklabrucker Jörg Winter. Der 45-Jährige lebt mit seiner Frau Margret seit 2015 in Istanbul, wo er das ORF-Büro leitet. Die Stadt platze immer mehr aus den Nähten, erzählt er. "Stundenlang im Verkehrsstau zu sitzen gehört zum Alltag, chronisches Zuspätkommen ebenfalls."

Das Leben spielt sich auf der Straße ab
Winter begann vor 17 Jahren beim ORF, er war als Live-Reporter bei diversen Krisen im Einsatz und als Korrespondent in Washington und China tätig.
In Istanbul lebt Winter im Stadtteil Cihangir, einem recht westlich orientierten Viertel. Durch Erdogan habe sich weniger verändert, als man glauben möchte, erzählt er. "Die Restaurants, Teehäuser und Bars sind voll, das Leben spielt sich auf der Straße ab. Es sind allerdings viel weniger Touristen hier als zuvor und wenn man über Politik redet, dann dreht sich die gute Stimmung an der Oberfläche schnell in Frust und in Nachdenklichkeit." Beeinträchtigt das derzeitige Regime seine journalistische Arbeit? "Ich habe es bis jetzt nicht erlebt, dass mich jemand zum Ändern meine Texte gedrängt hat." Während der jüngsten Terrorserie und besonders in den Monaten nach dem Putsch sei er von der Polizei aber öfters kontrolliert worden.

Kurdengebiete sind tabu
"Manche Regionen in der Türkei, etwa im Südosten, in den Kurdengebieten, sind praktisch off-limits für uns geworden. Dort zu arbeiten kann sehr schnell mit einer Festnahme unter irgendwelchen Vorwänden enden." Das Gefühl, dass man sich vor Behörden eigentlich mehr fürchten müsse, als sich von ihnen beschützt zu fühlen, sei kein gutes Zeugnis für ein Land.
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