16.11.2017, 17:08 Uhr

Mondsee: Moderator wehrt sich nach Hitlergruß eines Radsportlers

Rudi Schwaiger: Fassungslos über Anzeige. (Foto: Rudi Schwaiger/privat)

Unrühmlicher Höhepunkt bei der Siegerehrung der Austria Top Tour: Ein Teilnehmer der Altersklasse M75 soll den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben haben. Er wurde ebenso angezeigt wie Moderator Rudi Schwaiger, der sich gegen die seiner Meinung nach unrechtmäßig erhobenenen Vorwürfe jetzt zur Wehr setzt.

MONDSEE. Der Vorfall hat sich bereits am Nationalfeiertag ereignet. Bei der großen Abschussveranstaltung der Radsportserie Austria Top Tour im Schloss Mondsee soll ein Teilnehmer auf der Bühne die Hand zum Hitlergruß erhoben haben. Die Sache hat jetzt ein Nachspiel: Ein im Saal anwesender Rechtsanwalt hat eine Anzeige gegen den Amateursportler sowie den Moderator des Abends, den Mondseer Rudi Schwaiger, eingebracht. Bürgermeister Karl Feurhuber, ebenfalls Gast bei der Gala, schloss sich dieser Anzeige an.

Schwaiger: "Das erschüttert mich"

„Dass seitens des Bürgermeisters und eines anwesenden Anwalts, wie ich aus den Medien erfahren habe, Anzeige gegen mich eingebracht wurde erschüttert mich", sagt Schwaiger. Der genaue Inhalt der Anzeige sei ihm bis dato noch unbekannt. "Weder habe ich mir etwas zuschulden kommen lassen, noch kann ich nachvollziehen, warum nun ich für den Vorfall verantwortlich gemacht werden soll“, betont der Moderator.

Er habe die Geste nicht unmittelbar mitbekommen. „Da der Athlet zum Zeitpunkt des Vorfalls durch einen anderen Teilnehmer verdeckt war und ich zudem, seitlich neben dem Podium stehend, gerade in meine Moderationsunterlagen vertieft und gedanklich nicht beim Bühnengeschehen war", erklärt Schwaiger. Erst durch die Unruhe im Saal und die folgenden Zwischenrufe sei er darauf aufmerksam geworden, dass etwas vorgefallen sein müsse.

"Verdrehte Darstellung der Fakten"

"Was genau, habe ich aber erst nach Ende der Moderation in vollem Umfang geschildert bekommen.“ In dieser Situation habe er versucht, einer Eskalation entgegenzuwirken und zur Ruhe aufgerufen. „Ich bin dem Publikum gegenüber insofern auf den Vorfall eingegangen, als ich erklärt habe, dass die Vorgänge auf der Bühne – mit Rücksicht auf die anderen Sieger, die in den Genuss einer würdigen Ehrung kommen sollen – nach dem Abschluss der Siegerehrung aufgeklärt werden. Die Hitlergruß-Geste, die mir nach der Moderation geschildert wurde, verurteile ich auf das Schärfste“, sagt Schwaiger.
„Dass ich mich nun mit einer völlig verdrehten Darstellung der Fakten und sogar mit einer Anzeige durch den Bürgermeister konfrontiert sehe, macht mich fassungslos.“

Feurhuber: "Habe Moderator nicht angezeigt"

"Ich will niemandem etwas Schlechtes", sagt Bürgermeister Karl Feurhuber, der laut eigenen Angaben mittlerweile auch von der Staatsanwaltschaft befragt worden ist. Die Vorgänge auf der Bühne schildert er jedoch etwas anders. "Der Moderator hat versucht, die Sache schönzureden. Erst aufgrund des Schönredens hat es Buhrufe gegeben", so Feurhuber. Und er stellt klar: "Die Anzeige ist nicht von mir ausgegangen." Vielmehr habe ihm der anwesende Rechtsanwalt angeboten, sich der Anzeige anzuschließen. Nachdem er den Vorfall selbst miterlebt habe, sei er in seiner Funktion dazu sogar verpflichtet, sagt Feurhuber.

Prompt reagiert haben übrigens die Tourveranstalter. Einen Tag nach der Gala haben sie sich per Mail bei den Gästen entschuldigt. "Wir distanzieren uns ausdrücklich vom ungebührlichen Verhalten des Teilnehmers aus der Klasse M75 im Zuge der Preisverleihung sowie der anschließenden Reaktion unseres Sprechers. Wir verurteilen dieses Gedankengut auf das Schärfste." Der Betroffene wurde außerdem lebenslang aus allen Veranstaltungen der Austria Top Tour ausgeschlossen.
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