"Die Toilette ist kein Mistkübel"

Richard Roithner auf einem der Becken der Kläranlage in Kohldorf: Sie ist das Zentrum des Abwasserverbandes
  • Richard Roithner auf einem der Becken der Kläranlage in Kohldorf: Sie ist das Zentrum des Abwasserverbandes
  • hochgeladen von Simone Jäger

EBERNDORF. Im Abwasserverband Völkermarkt-Jaunfeld stehen heuer zwei große Kanalbau-Projekte an. Einerseits in Waisenberg (Gemeinde Völkermarkt), andererseits in Homitzberg (Gemeinde Eberndorf). "Beide Projekte befinden sich derzeit in der Einreichphase", erklärt Verbands-Geschäftsführer Richard Roithner. Baubeginn soll in beiden Fällen noch heuer sein.

Beratende Tätigkeiten

Neben den Mitgliedsgemeinden übt der Abwasserverband auch beratende Tätigkeiten für weitere Gemeinden aus. Eine davon ist Globasnitz, die laut Roithner mittlerweile auch einen Mitgliedsantrag gestellt hat. Hier beginnt in den nächsten Tagen der erste von fünf Kanal-Bauabschnitten im Bereich Traundorf. "Alle Abschnitte sind bis Ende 2018 fertiggestellt", so Roithner.

"Das WC ist kein Mistkübel"

Neben den aktuellen Projekten stehen die Mitarbeiter des Abwasserverbandes auch vor alltäglichen Herausforderungen. "Eines unserer größten Probleme ist, dass das WC als Mistkübel missbraucht wird", sagt Roithner. Fette und Öle, die über das WC "entsorgt" werden, verlegen Rohrwände und sammeln sich als Fettschicht in den Pumpstationen an. Feuchttücher, die in die Toilette geworfen werden, verstopfen durch ihre Reißfestigkeit die Pumpen der Stationen. "Die Mehraufwände für die Reinigung von Fetten und Feuchttüchern betragen im gesamten Verbandsgebiet mehr als 50.000 Euro im Jahr", informiert der Geschäftsführer. Diese Kosten müssen alle Bürger mit den Kanalgebühren mittragen.

Kuriose Fundstücke

Neben Feuchttüchern und Zigarettenstummeln finden sich in den Rechen der Anlagen aber auch immer wieder kuriose Fundstücke. "Neben Strumpfhosen haben wir auch schon Gebissprothesen, ganze Gurken und einmal sogar einen Vibrator herausgefischt", schmunzelt Roithner.
Ein interessantes Detail ist auch, dass der Abwasserverband immer weniger Abwasser zum Aufbereiten bekommt. Der Grund dafür ist einfach: Statt dem Vollbad in der Badewanne wird geduscht und neue Geschirrspüler und Waschmaschinen verbrauchen immer weniger Wasser: "Das Abwasser wird weniger, dafür ist die Konzentration der Inhaltsstoffe höher".

Hormone und Mikroplastik

Roithner sieht in Zukunft noch größere Herausforderungen auf die Abwasserverbände zukommen. Hormone, die Menschen durch Medikamente (Stichwort "Pille") einnehmen und wieder ausscheiden, sowie Mikroplastik, das sich in Kleidung und Kosmetika versteckt, stellt die Abwasseraufbereitung vor neue Aufgaben. Laut dem Geschäftsführer gibt es für Hormone bereits die Möglichkeit einer speziellen Filterreinigung. Außerdem soll der Klärschlamm, der heute in Grafenstein kompostiert wird, in Zukunft der Verbrennung und Rückgewinnung von Phosphor dienen. "Es kommt in den nächsten zehn bis 15 Jahren viel auf uns zu", ist sich Roithner sicher.

Zur Sache:

Der Abwasserverband Völkermarkt-Jaunfeld wurde 1985 von den Gemeinden Völkermarkt, Eberndorf, Sittersdorf und der Firma Funder (Leitgeb) gegründet.
Im Laufe der Jahre kamen Bleiburg, Gallizien, Feistritz ob Bleiburg, Diex und St. Margarethen im Rosental dazu.
Die Betriebsführung hat der Verband in den Gemeinden Pischeldorf, Grafenstein und Neuhaus über.
Zum Abwasserverband Völkermarkt-Jaunfeld gehören 720 km Kanalleitungen, 350 Pumpstationen und sieben Kläranlagen. Die sieben Kläranlagen reinigen 2 Mio. km³ Abwasser/Jahr.

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