Inschrift auf Altarplatte gefunden

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Ende Juni wurde auf dem Antoniusaltar in unserer Pfarrkirche St. Ruprecht bei Völkermarkt, die gerade renoviert wird, eine Inschrift gefunden. Sogleich meldeten wir uns bei Mag. Robert Wlattnig, Leiter der Abteilung Kunstgeschichte am Landesmuseum in Klagenfurt. R. Wlattnig machte sich selbst ein Bild vor Ort und schickte uns dann, nach erfolgreichen Recherchen folgende sehr erfreuliche Nachricht:

Liebe Christi !

Anbei die konkrete Antwort von Dr. Reinhold Wedenig, mit dem ich zur weiteren Bestandsaufnahme bei Gelegenheit sicher nochmals das Original besichtigen werde, dann kann man sicher auch noch weiterführende Informationen geben.

Nach Deinem Foto zu urteilen ist das ganz sicher eine römische Grabinschrift, wohl ein Titulus, wo im Zuge der Sekundärverwendung die seitlichen Profilleisten abgeschlagen worden waren; außerdem wird so ein viereckiges Loch wie hier bei sekundär verwendeten Römersteinen gerne als Gerüstloch für Balken angesprochen; oder es könnte sich vielleicht um eines von zwei Löchern für eine Hebevorrichtung handeln (so die Beobachtung von Kollegen Stephan Karl zu einigen Römersteinen in Schloß Seggauberg/Steiermark, die dort ehemals im mittelalterlichen Turm eingemauert waren). Das könnte darauf hinweisen, daß die Inschrift schon als Bauelement in Verwendung stand, bevor sie letztlich zu einer Altarplatte umfunktioniert wurde. Natürlich kann das Loch auch erst bei der Verwendung im Alterbereich entstanden sein. Zur Verwendung von Römersteinen vgl. Jasmine Wagner, Zur ostentativen Wiederverwendung römerzeitlicher Spolien in mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kirchenbauten der Steiermark: Bannung, Exorzismus und humanistische Intentionen im Spiegel einer Interpretatio christiana. In: Fundberichte aus Österreich 40, 2001, 345-479.

Die Inschrift würde ich vorbehaltlich einer Autopsie folgendermaßen sehen; das Pluszeichen steht für einen (noch) nicht identifizierten
Buchstaben:
CRACCVS TERT[---]
SIBI ET RAISVN[---]
SOLIM[---]++III[---?]
A(?)[---?]V[---]I++[---?]

Das ließe sich sinngemäß ergänzen zu:

Craccus Tert[i(i) f(ilius)? v(ivus) f(ecit)] sibi et Raisun[i] Solima[ari f(iliae)?] und Alters- und Zahlenangabe(?) Text mit Zahlenangaben und/oder Schlußformel

Das heißt: "Craccus, Sohn des Tertius, (hat das Grab/den Grabstein errichten lassen zu Lebzeiten) für sich und für Raisu, Tocher des Solimarus, (gestorben) im Alter von ... etc."

Es gäbe natürlich andere Ergänzungsvarianten, z. B. Weglassung des Filiationskürzels f(ilius, -ilia) bei den Vatersnamen von Craccus und Raisu. Craccus kann als sog. Deckname betrachtet werden, das ist nur vordergründig ein lateinischer Personenname, der starke Ähnlichkeit mit einheimisch keltischen Namen (z. B. Cracco) besitzt. Raisuni ist der Dativ eines keltischen Personennamens im Nominativ auf -u (Raisu), wie er in Südnoricum öfter von einheimischen Frauen getragen wurde (z. B.
Cauru, Materiu etc.). Der Ausgang -u im Nominativ ist eine echtkeltische Erscheinung und zeigt, daß wir es in dieser Grabinschrift mit Angehörigen der einheimisch-keltischstämmigen Bevölkerung zu tun haben.
Das Auftreten keltischer Namen sowie der Schriftcharakter lassen vermuten, daß die Inschrift dem 1. oder 2. Jahrhundert n.Chr. angehört.
Zur Abfrage von Namen etc. siehe die epigraphische Suchmaschine http://oracle-vm.ku-eichstaett.de:8888/epigr/epigraphik_de

Fast habe ich es vergessen: Eine Identifizierung der Namenträger in den genannten Inschriften kommt allein wegen der unterschiedlichen
Namen(formulare) und wegen der unterschiedlichen Zeitstellung nicht in
Frage: bei der Inschrift aus St. Ruprecht (1 .- 2. Jh.n.Chr.) lautet der Name im Nominativ Craccus, des Tertius Sohn (= Name + Vatersname im Genetiv mit oder ohne nachfolgender Filiation). Bei der Inschrift vom Puschlkogel (2. - 3. Jh. n.Chr.) lautet der Name im Nominativ Aur(elius) Crac(c)o (= Gentilname + Cognomen).

Für eine sichere Ergänzung des Textes bzw. eine Lesung der unsicheren Buchstaben/Zahlenreste müßte ich das Stück unbedingt im Original anschauen, besten Dank jedenfalls für diese Information.

Mit herzlichen Grüßen
Reinhold

Anmerkung: Prof. Dr. Franz Glaser und Dr. Reinhold Wedenig (stammt aus St. Margarethen ob Töllerberg) sind Römerzeit-Experten und beschäftigt an der Akademie der Wissenschaften in Graz.

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