01.10.2014, 11:26 Uhr

Die Chancen unserer Region

Im Gespräch: Reinhold Janesch von der Wirtschaftskammer, Günther Barkowits von Raiffeisen und Redaktionsleiterin Simone Jäger (v. li.) (Foto: Sarah Los)
VÖLKERMARKT (sj). Die WOCHE schreibt auch heuer wieder den Regionalitätspreis aus. Im Vorfeld dieser Veranstaltung sprechen Bezirksstellenleiter Reinhold Janesch von der Wirtschaftskammer Völkermarkt und Geschäftsleiter Günther Barkowits von der Raiffeisenbank Völkermarkt über die Region.
Was sind die Stärken der Region?
JANESCH: Wirtschaftlich gesehen ist es unsere kleinbetriebliche Struktur. Die Unternehmer sind es gewohnt, für ihren Erfolg zu kämpfen, deshalb sind wir auch in schweren Zeiten relativ stabil. Eine weitere Stärke ist die Landschaft. Auch Autobahn und natürlich die Koralmbahn haben großes Potential - wenn die Infrastruktur dazu kommt.
BARKOWITS: Die weltweite Wirtschaftskrise kam bei uns nicht so extrem an. Wir sind aufgrund der kleinbetrieblichen Struktur ein wenig von der Weltwirtschaft "abgekoppelt", das hat Vor- und Nachteile. Bei großen Konzernen schlagen globale Krisen voll durch. Eine weitere Stärke ist die Lebensqualität in der Region. Ich würde nirgends lieber leben wollen.
Was braucht die Region?
JANESCH: Wir hatten heuer im Jänner rund 3.000 Arbeitslose im Bezirk. Damit liegen wir österreichweit im Spitzenfeld. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten. Wir brauchen Infrastruktur und Unternehmer, die investieren und Arbeitsplätze schaffen. Zur Infrastruktur gehört auch der Verladebahnhof in Kühnsdorf und die Petzen. Vielen ist das Wegsterben der Petzen nicht bewusst. Der Berg hat Potential im Sommer, die Verantwortung muss aber auch in der Region liegen.
BARKOWITS: Die Kombination Seen und Berge wird noch viel zu wenig touristisch genutzt. Man muss das Tourismusangebot an aktuelle Bedürfnisse anpassen und sich nicht mehr nur auf eine Saison konzentrieren. Und in Völkermarkt selbst braucht es ein gutes Stadthotel.
Welche Vorzeigeprojekte gibt es in der Region?
JANESCH: Dazu fällt mir das Ruderzentrum in Völkermarkt ein, wo sogar die dänische Nationalmannschaft trainiert, der Geopark Karawanken, der Flow Country Trail auf der Petzen und der Griffner Schlossberg. Im kulturellen Bereich ist für mich die Kulturinitiative Bleiburg ein Vorzeigeprojekt.
BARKOWITS: Es wird von vielen auswärtigen Ruderern bestätigt, dass wir das beste Ruderwasser haben. Aber die Infrastruktur wird noch viel zu wenig genutzt. Jede Gemeinde hat ihre Juwele.
Welche positiven Entwicklungen gab es in den vergangenen Jahren?
JANESCH: Beim Ausbau des Radwegenetzes in der Region ist man auf einem guten Weg.
BARKOWITS: Positiv ist, dass es bei den Menschen ein immer größeres regionales Bewusstsein gibt. Die Leute sind sich im Klaren darüber, dass etwas passieren muss. Die Außensicht, die ich erfahre, wenn ich zum Beispiel in Oberkärnten unterwegs bin, ist die, dass die Unterkärntner fest zusammenhalten. Das muss uns selbst nur noch bewusster werden.
Was kann man gegen die Abwanderung tun, beziehungsweise was wird schon dagegen getan?
JANESCH: Die allgemeine Entwicklung ist nicht gut. In unserer Region trifft es wie überall besonders Randgebiete wie die Gemeinde Eisenkappel-Vellach. Hier hat man noch kein Mittel gefunden.
BARKOWITS: Das ist ein sehr komplexes Thema. Ich glaube nicht, dass wir jetzt ein Allheilmittel finden können. Und wenn ich eines hätte, würde ich wohl nicht mehr hier sitzen.
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