Totenbeschau
"Eine Schande für Österreich"

Die Totenbeschau muss ein Arzt durchführen, bevor der Leichnam verbracht werden kann.
  • Die Totenbeschau muss ein Arzt durchführen, bevor der Leichnam verbracht werden kann.
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  • hochgeladen von Harald Almer

Im Bezirk Voitsberg wird die Totenbeschau immer mehr zum Reiz-Thema. Der Tod eines Menschen muss in Österreich bescheinigt werden. Und zwar von Ärzten, die mit der jeweiligen Gemeinde einen Vertrag haben. Mit dem neuen Bereitschaftsdienst seit 1. April spitzt sich die Lage auch im Bezirk Voitsberg immer mehr zu. "Wir haben nur noch ganz wenige Distriktärzte im Bezirk, welche die Totenbeschau durchführen". sagt der Bürgermeister von Söding-St. Johann, LAbg. Erwin Dirnberger, zugleich als Steirischer Gemeindebund-Obmann voll in diese Causa involviert. "Und viele Gemeindeärzte fühlen sich nicht mehr an den Vertrag gebunden, weil der Bereitschaftsdienst geändert wurde."

Unbefriedigender Zustand

Stirbt ein Mensch, darf erst eine Verbringung in eine Aufbahrungshalle oder einen ähnlichen Ort durchgeführt werden, wenn ein Arzt diesen toten Menschen untersucht und für tot erklärt hat. Der Visitenarzt kann, muss aber diesen Dienst nicht durchführen. Dies ist weder für die Bürgermeister noch für die Bevölkerung ein befriedigender Zustand.
Theoretisch könnte ein Leichnam derzeit von Freitag Nacht bis Montag in der Früh im Haus oder in der Wohnung, wo der Tod eintrat, bei den Angehörigen liegen, bevor er von einem Bestattungsinstitut verbracht werden darf. "Das ist bei uns noch nie passiert, weil wir ein gutes Einvernehmen mit den Ärzten haben."

Unwürdiger Zustand

Etwas deftiger formuliert der Maria Lankowitzer Bürgermeister Kurt Riemer stellvertretend für viele Ortschefs die derzeitige Situation. "Dieser Zustand ist unglaublich und eine echte Schande für Österreich bzw. die Steiermark. Die meisten Angehörigen sind in einem psychischen Ausnahmezustand, wenn ein geliebter Mensch stirbt und brauchen keine zusätzlichen Belastungen, um etwa einen Arzt zu finden, der die Totenbeschau vornimmt. Dieser Zustand ist einem sozialen Staat wie Österreich unwürdig."
Dirnberger drängt auf eine Lösung, dass jeder Arzt, der den Bereitschaftsdienst durchführt, auch die Totenbeschau vornehmen kann, wie dies auch die Rechtsmeinung des Gesundheitsministeriums ist. Ziel muss es sein, dies im Steiermärkischen Sanitätsdienstgesetz unbürokratisch zu verankern. "Selbstverständlich werden wir Gemeinden die Kosten für die Totenbeschau übernehmen." Sollte eine Versicherung bezüglich allfälliger Haftungen für die Ärzte notwendig sein, werden wir sicher eine Lösung finden. Ich bin zuversichtlich, dass es demnächst zu einer Lösung kommt, weil das Sanitätsdienstgesetz am Freitag in Begutachtung geschickt wird."
Grundsätzlich wird vom Bundesministerium gewünscht, dass es eine gesamtösterreichische Lösung findet.

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