Trauer um Angelika Kresch

Angelika Kresch verstarb am 18. Mai nach langer schwerer Krankheit.
  • Angelika Kresch verstarb am 18. Mai nach langer schwerer Krankheit.
  • Foto: Remus-Sebring
  • hochgeladen von Harald Almer

Im Februar 2015 wurde Angelika Kresch mit der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer von den Ärzten prognostizierten Lebenserwartung von drei bis sechs Monaten konfrontiert und sie nahm diese Herausforderung an und kämpfte dagegen. Mit der Energie, mit der sie den heutigen Weltmarktführer aufbaute und jahrzehntelang auf der Zielgeraden der internationalen Wirtschaft dahinraste. Das innovative Herz der Remus-Sebring Holding AG hörte am 18. Mai 2018 zu schlagen auf.

Durchhaltevermögen

Ob als Co-Pilotin beim Rallyefahren, wo sie an der Seite von Kris Rosenberger den Staatsmeistertitel holte, im Eiskanal oder beim Fallschirmspringen. Power und Durchhaltevermögen hat man Angelika Kresch angesehen. "There ain´t a woman that comes close to you: Keine andere Frau kann dir das Wasser reichen", singt Mick Jagger im weltberühmten Hit der Rolling Stones. Das Wasser konnte in der heimischen Wirtschaft Angelika Kresch wohl kaum jemand reichen.
1959 in der Weststeiermark geboren nahm Angelika Kresch nach der Matura den Job als kaufmännische Angestellte bei der Firma Sebring in Köflach an und wurde zwei Jahre später Büroleiterin. Nach ihrer Babypause im Jahr 1983 übernahm sie wiederum zwei Jahre danach zusätzlich die Marketing- und Vertriebsleitung. Was folgte, war die internationale Expansion der Firma Sebring binnen kürzester Zeit.

Dreamteam

Mit ihrem Ehemann Otto Kresch bildete sie privat und beruflich ein Dreamteam: 1990 erfolgte gemeinsam mit Otto Kresch der Schritt in die Selbstständigkeit durch die Gründung der Firma Remus Innovation. Die folgenden Jahre waren gekennzeichnet durch Expansion bei Remus. Innerhalb von vier Jahren eroberte der Remus-Wolf durch den beharrlichen und innovativen Dauereinsatz seiner Gründer Otto und Angelika Kresch den Weltmarkt für Sportauspuffanlagen. 1997 gipfelte der Höhenflug in dem Kauf des ehemaligen Dienstgebers Sebring. Zu diesem Zeitpunkt war Remus bereits in über 60 Ländern weltweit vertreten. Mit Sebring gelang die Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes: der Premium Erstausstattung mit Kunden wie Porsche, Ducati, MacLaren und Mercedes.

700 Mitarbeiter

Die Energie von Angelika Kresch pulsierte immerfort. Die großartige Tänzerin verdrehte sich nicht in Einlagen, sondenr raste im Maserati weiter. Weitere Expansionsschritte der beiden Unternehmen bestimmten auch das kommende Jahrzehnt. 2011 wurde der Carbonspezialist XeNTIS übernommen, ein Jahr später folgte die Gründung der Produktionsstätte in Bosnien und 2013 wurde die Remus Vertriebsgesellschaft in den USA gegründet. Die heutige Remus-Sebring-Gruppe hat an drei Produtkionsstandorten über 700 Mitarbeiter.
Privat liebte Angelika Kresch schnelle Autos, beruflich wurde sie zu einem maßgeblichen Motor der steirischen Wirtschaftsszene. Ihr Fokus lag dabei immer auf die Bedeutung der Industrie als Wirtschaftszweig und darauf, Frauen für technische Berufe zu begeistern. Daraus resultierten zahlreiche Initiativen und regionaler und nationaler Ebene.
Dass ihr Schaffen unzählige Auszeichnungen mit sich brachte, darf als logische Konsequenz ihres Tuns interpretiert werden: 2001 wurde Angelika Kresch zur "Business Woman of the Year" gewählt und erhielt neben anderen Auszeichnungen 2004 den "Großen Josef-krainer-Preis" des Landes Steiermark. Im Jänner 2018 wurde dem Bundesvorstandsmitglied der Industriellenvereinigung Österreichs und Obmann der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Steiermark gemeinsam mit Ehemann Otto Kresch von LH Hermann Schützenhöfer das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark für ihr Lebenswerk überreicht.
"They can´t say wie never tried: Angie, Angie." Keiner kann sagen, wir hätten es nicht versucht, lässt Mick Jagger den Song enden.
Als Gattin, Mutter und Großmutter, als herausragende Unternehmerin und Visionärin hat Angelika Kresch nicht nur alles versucht. Sie hat auch alles gegeben.

Autor:

Harald Almer aus Voitsberg

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