17.11.2017, 11:31 Uhr

Nestroy-Preisträger Felix Hafner im großen Interview

Felix Hafner ist jüngster Regisseur am Wiener Volkstheater und Nestroy-Preisträger: "Im Nachhinein wundere ich mich selbst, wie das alles zu schaffen war." (Foto: Hannah Schwaiger)

Der gebürtige Lankowitzer möchte weststeirischen Spirit auf die großen Bühnen Wiens bringen. Was Felix Hafner seiner Heimat zu verdanken hat und wie er darüber denkt, verrät der Nestroy-Gewinner im Interview mit der WOCHE.

Was haben Sie von Ihrer Familie gelernt, das Ihnen in Ihrer Karriere zugute kommt?
FELIX HAFNER: Dass es sich lohnt, künstlerische Projekte durchzuziehen und dass gute Ideen viele andere begeistern können. Gerade diese Begeisterung ist das wichtigste, um gemeinsam mit Freude an einer Sache arbeiten zu können.

Welche Kontakte pflegen Sie in die Heimat?
Ich hab viel Kontakt zu meiner Familie und auch zu meinen Freunden aus dem Theaterzentrum Deutschlandsberg. Aber auch beim Theater machen trifft man immer wieder auf Weststeirer. Zum Beispiel ist Birgit Stöger, die im "Menschenfeind" mitspielt und auch mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnet wurde, ebenfalls ins BORG Deutschlandsberg gegangen. Das haben wir bei der ersten Leseprobe gemerkt.

Wie sind Sie von Maria Lankowitz nach Deutschlandsberg gekommen?
Meine Mutter kommt aus dem Bezirk Deutschlandsberg, deswegen kam ich auf die Idee, ins BORG Deutschlandsberg zu gehen. Über die dortige Schultheatertruppe kam ich erstmals zum Spielen und meine gute Freundin Irene Diwiak, die mittlerweile erfolgreiche Schriftstellerin ist, brachte mich ins Theaterzentrum. Dort habe ich dann bei zahlreichen Produktionen mitgewirkt. Ich bekam quasi eine positive Sucht nach dem Theater machen.

Was haben Sie im Theaterzentrum gelernt, das Sie in Wien nicht gelernt haben?
Die Arbeit mit Jugendlichen. Auch die dokumentarische Arbeit an einem Theaterprojekt habe ich zum Beispiel aus Deutschlandsberg mitgenommen. Am Theaterzentrum hatte ich erstmals die Möglichkeit, sowohl musikalische Leitung als auch Regie bei Produktionen zu übernehmen. Am Theaterzentrum herrscht ein sehr schöner, gemeinschaftlicher Spirit. Den möchte ich auch bei meinen größeren Produktionen in Wien herstellen.

Haben Sie als jüngster Regisseur am Volkstheater mit viel Kritikern zu kämpfen?
An der Arbeit am Theater trifft man auf viele Menschen, die einem entweder mehr oder weniger Vertrauen entgegen bringen. Wirkliche Kritik gegenüber meinem Alter habe ich zum Beispiel im Studium erlebt. Manche meinten, ich sei zu jung für diesen Job. Seit den Produktionen am Volkstheater ist das aber immer weniger Thema.

Was waren die Herausforderungen bei der Produktion von „Der Menschenfeind“?
"Der Menschenfeind" war meine erste Inszenierung im großen Haus. Die Bühne, die Besetzung, das Stück, die Erwartungshaltungen - alles war um das Zehnfache größer als alle anderen Projekte, die ich zuvor gemacht hatte. Ich kam direkt vom Studium und hatte lediglich ein Monat Zeit zum Vorbereiten vor dem Probenbeginn. Im Nachhinein wundere ich mich selbst, wie das alles zu schaffen war.

Welche Reaktionen gab es aus Deutschlandsberg, nachdem Sie das Theaterzentrum bei der Siegesrede erwähnten?

Der Obmann des Theaterzentrums, Gerd Wilfing, hat mich angerufen und auch andere KollegInnen haben sich gemeldet. Im Live-Publikum des Nestroy-Preises gab es auch Jubel bei der Erwähnung. Das Theaterzentrum ist bekannt und verdient jede Aufmerksamkeit!

Was Sie auch in Ihrer Rede erwähnten: Wie und warum wollen Sie die Hierarchien des Theaters hinterfragen und verändern?
Das Theater ist als Institution streng hierarchisch aufgebaut. Auch in der Arbeitsweise hat sich über Jahrzehnte hinweg der autoritäre Regisseur als Pfeiler des Theaters gehalten. Ich möchte die Hierarchien flacher machen und die Arbeit mit den SchauspielerInnen demokratischer gestalten. Die Zeit der Regie-Schreihälse muss vorbei gehen. Das sehen viele Theaterschaffende meiner Generation auch so.

Verfolgen Sie die Kunst und Kultur in der Weststeiermark?
Über das Internet kann ich immer wieder verfolgen, was sich in der steirischen Kulturszene tut. Leider komme ich immer weniger dazu, mir Produktionen anzuschauen. Die Steiermark ist ein reichhaltiges Kulturland, was unbedingt erhalten bleiben muss! Gerade ist in Oberösterreich zu sehen, wie leicht das zerstört werden kann.

Haben Sie so etwas wie einen Karriereplan?
Ich brauche drei Inszenierungen pro Spielzeit, um vom Theater leben zu können. Dass momentan viel Interesse an meinen Arbeiten herrscht und ich so ganz unterschiedliche Projekte machen kann, ist eine sehr glückliche Lage. Ich mache mir keinen genauen Karriereplan. Nur dass ich längerfristig noch mehr im ganzen deutschsprachigen Raum arbeiten möchte, ist für mich ein klares Ziel.

Werden Sie einmal dauerhaft in die Weststeiermark zurückkehren?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Mit dem Theater machen zieht es mich in die Städte, auch in den deutschsprachigen Raum. Ich bin außerdem in den letzten Jahren immer mehr zum Stadtmensch geworden.
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