11.08.2017, 11:29 Uhr

"Alle zehn Jahre kocht der Hype wieder auf"

Historiker Ernst Lasnik mit dem neuesten Kloepfer-Buch "Heimliche Liebe", für das er das Vorwort schrieb. (Foto: Lederer)

Historiker Ernst Lasnik über die Aufregung über die Gedenkfeiern zum 150. Geburtstag von Hans Kloepfer.

Mitte Juli bekamen Sie eine Einladung zu den Feierlichkeiten anlässlich des 150. Geburtstags von Hans Kloepfer in Eibiswald, acht Tage später die Absage. Sind Sie verwundert?
Ernst Lasnik: Ja und nein. Alle zehn Jahre kocht der Hype um Kloepfers Sympathie zum Nationalsozialismus auf. Vorher war 40 Jahre lang nichts, erst 1986 gab es die erste Aufregung darüber. Hans Kloepfer wurde 1867 geboren und erlebte die Donau-Monarchie in der höchsten Blüte. 1918 blieb Österreich als ein kleines Landl mit dem Wasserkopf Wien übrig, das nicht lebensfähig schien. Kloepfers Vorfahren waren Schwaben, die nach Eibiswald zogen. Und in den 20er- und 30er-Jahren war Deutschland das große Vorbild. Der Zeitgeist war deutschnational. Aber natürlich darf man das Thema Nationalsozialismus nicht verheimlichen.

Worum geht es dann da genau?
Lasnik: Es sind zwei Punkte, um die es immer geht. Zum einen Kloepfers Aufruf an die Bauern, die Volksabstimmung zum Anschluss an Deutschland 1938 zu unterschreiben, weil Kloepfer überzeugt war, dass die Bauernschaft gestärkt werden würde. Und zum anderen sein Gedicht "Volk", der in einem Sammelband veröffentlicht wurde. Aber Kloepfer hat hunderte Gedichte geschrieben, historische Schilderungen, man muss sein ganzes Werk betrachten und es nicht auf zwei Aspekte fokussieren. Sonst müsste man die Gemälde von Ernst Nolde, der das goldene Partei-Abzeichen der NSDAP trug, sofort alle abhängen.

Am 18. August wird es in Köflach eine Kloepfer-Lesung mit dem Steiner-Franz und Musik von Max Rosenzopf geben. Gehen Sie hin?
Lasnik: Natürlich bin ich dort, weil mich die Veranstaltung interessiert. Als Historiker ist Hans Kloepfer eine wichtige Figur für mich. Ich habe das Vorwort zum neuen Gedichtband "Heimliche Liebe", herausgegeben von Harald Salfellner, geschrieben, das ist ein "Best Of" von Kloepfers Gedichten. Salfellner hat auch eine neue Biographie mit dem Titel "Aber Arzt bin ich geblieben" im Juni 2017 herausgebracht. Dort sind die Berührungspunkte Kloepfers mit dem Nationalsozialismus auch beschrieben. Köflach war immer stolz auf Kloepfer, im Jahr 1988 wurde sogar noch ein Hans Kloepfer-Preis für Mundartdichtung verliehen.
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