23.01.2018, 18:49 Uhr

Polizei-Empfehlung für Sperrstunde in Köflach

Wenn es Abend wird in Köflach, hat die Polizei oft ziemlich viel zu tun.

Am Wochenende eskalierte die Situation rund um das Köflacher Lokal "Stau" mehrmals. Die Stadtgemeinde erwägt rechtliche Maßnahmen.

Vor einer Woche machte Stau-Besitzer Hannes Schlosser auf eigene Faust gegen den Vandalismus rund um sein Lokal mobil und rief zum Zusammenhalt und zur Vernunft auf. Vergeblich. Und so stellte die Polizei Köflach jetzt eine kurze Übersicht der Einsätze am Sonntag, dem 21. Jänner, zur Verfügung:
1.45 Uhr bis 2.30 Uhr: Anzeige einer Anrainerin über Lärm und stark alkoholisierte Personen. Die Polizei stellte fest, dass 30 bis 40 Personen - teilweise mit Getränken in der Hand und laut grölend - vor dem Stau auf der Fahrbahn stehen. Es werden Gegenstände - unter anderem ein Besen - aus der Menschenmenge auf vorbeifahrende Autos geworfen. Mehrere Lokalbesucher sind uneinsichtig und können nur unter Androhung von Anzeigen bewegt werden, die Fahrbahn zu verlassen. Trotz Anwesenheit der Polizei torkeln immer wieder Betrunkene auf die Fahrbahn.

Chronologie einer Nacht

4.20 Uhr. Anzeige wegen Verkehrsunfall. Ein Taxifahrer überfährt eine Jugendliche, die mit Knöchelbruch in das LKH eingeliefert wird.
4.30 Uhr: Rauferei mit Körperverletzung im Lokal
5 Uhr: 30 Personen halten sich vor dem Lokal auf, betrunkene Lokalbesucher wanken immer wieder auf die Fahrbahn. Taxis bleiben mitten auf der Straße stehen, während großteils Betrunkene aus- und einstiegen. Noch immer starker Besucherzustrom vom und zum Lokal Stau. Ordnung nur mit Mühe herstellbar.
8.02 Uhr. Anzeige einer weiteren Anrainer über stark alkoholisierte Jugendliche in der Knusperstube.
8.10 Uhr Anzeige einer Anrainerin, dass sich noch 20 bis 30 stark alkoholisierte Jugendliche vor dem Stau aufhalten und teilweise laut grölen. Weiters wurden am gleichen Wochenende im Stadtgebiet Köflach zahleiche Blumentöpfe vor den Geschäften umgeworfen, bei einem Wohnhaus im Bereich Stau ein Briefkasten durch Tritte beschädigt, Verkehrszeichen abmontiert, Kennzeichentafeln von Pkw gerissen, bei zwei Pkw die Scheiben eingeschlagen und aus einem Pkw das Navigationsgerät gestohlen, ein Pkw bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht beschädigt usw.

Maßnahmen angedacht

"Die Probleme nehmen leider zu", sagt Bezirkspolizeikommandant Johann Hohl. "Gegenmaßnahmen wie Austausch und Verstärkung der Security, Einrichtung einer Videoüberwachung im Lokal, verstärkte Überwachung durch die Polizei brachten leider keine Erfolge. Die Köflacher Polizisten sprechen sogar von einer "rechtlosen Zone", denn wenn Polizisten einschreiten, werden sie von Dutzenden Menschen angepöbelt und attackiert. "Das sind teilweise Wild-West-Zustände", so Hohl. Die Polizei empfiehlt die Einführung einer Sperrstunde bis 4 Uhr, um das Problem in den Griff zu bekommen. Außerdem kündigt Hohl eine verstärkte Streifentätigkeit an.
Dem Köflacher Bgm. Helmut Linhart ist die Situation bewusst. "Wir führen viele Gespräche und prüfen die Einführung einer Sperrstunde. Aber diese kann dann nicht für ein Lokal gelten, sondern für das ganze Stadtgebiet. Aber es kann nicht sein, dass durch einige uneinsichtige Lokalbesucher Menschen angepöbelt und bedroht werden und Polizisten sich in Gefahr begeben müssen. Andererseits will ich dem Lokalbesitzer auch nicht schaden."

Qualität geht verloren

Schlosser selbst glaubt nicht, dass eine Sperrstunde Sinn macht und hat am Mittwoch ein Gespräch mit dem Köflacher Postenkommandanten. "Wenn eine Sperrstunde kommt, müssen wir unsere Security und unser Putzpersonal minimieren, weil wir dann Umsatzeinbußen haben. Wir haben im Sommer 41 Angestellte, zahlen viele Steuern und sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Weststeiermark. Ich glaube, dass es besser ist, wenn alle zusammenarbeiten. Wir erfüllen alle Auflagen des Landes Steiermark und der BH Voitsberg. Bei einer Sperrstunde geht unsere Qualität verloren, und ohne das Lokal Stau wird es auch ein Café Cappa und den Sunfixlheurigen nicht geben. Das sollte der Stadt schon auch bewusst sein."
Für die Polizei ist das Lokal Stau der Treff- und Sammelpunkt für alle "Übriggebliebenen", wenn alle andere Lokale im Bezirk Voitsberg schließen, wird das Lokal als "Abschlusslokal" genützt.
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Robert Zinterhof aus Perg | 29.01.2018 | 22:57   Melden
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