26.08.2016, 08:22 Uhr

Alarmstufe Rot bei unseren Bauern!

Bauernkammerobmann Werner Preßler macht sich große Sorgen um die Bauernschaft. (Foto: Cescutti)

Noch nie hatte Bauernkammerobmann Werner Preßler so tiefe Sorgenfalten wie jetzt.

Den Bauern in der Lipizzanerheimat bleibt heuer wirklich nichts erspart. Zuerst der verheerende Kälteeinbruch im April, dann Überschwemmungen und Hagelkörner, teilweise so groß wie Wachteleier. Doch die Wetterkapriolen machen dem Voitsberger Bauernkammerobmann Werner Preßler nicht die größten Sorgen. "Wir Bauern leben seit Jahrhunderten mit dem Wetter. Wir fürchten uns vor Frost und Hagel, aber in den letzten 20 Jahren war jeder schon mal davon stark betroffen."

Preisverfall der Produkte

Wirklich an die Substanz geht der Preisverfall der bäuerlichen Produkte. Zum Beispiel bekam ein Milchbauer 2014 noch 40 Cent pro Liter Milch, jetzt sind es heiße 27 Cent. "Das sind umgerechnet 3,70 Schilling", rechnet Preßler vor. Die Spirale dreht sich nach unten, denn durch die Russland-Sanktionen und den Wegfall der Milchquote wird noch mehr produziert, in der Hoffnung, wieder mehr verkaufen zu können. "Mit den Preisen schreiben die Milchbauern nicht mehr als eine schwarze Null. Wer in den letzten Jahren viel in den Betrieb investiert hat, bekommt derzeit nichts zurück", so Preßler. "Die Fixausgaben erhöhten sich zusätzlich durch die Anpassung des Einheitswerts wegen höherer Grundsteuer und Sozialversicherungsabgaben."

Wenig Hoffnung

Der Edelschrotter kommt als Kammerobmann viel bei den Bauern herum, so triste war die Stimmung noch nie. "Derzeit gibt es nicht einmal einen Hoffnungsschimmer, dass sich die Situation ändert", gibt der Milchbauer zu. "Ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels und der Tunnel ist unendlich lang." Laut Preßler funktioniert am Bauern-Sektor die liberale Wirtschaft nicht. "Wir brauchen für alle Bereiche vernünftige Mengenregelungen, denn wenn wir noch mehr produzieren, stürzen die Preise noch tiefer, das freut nur die großen Handelsketten."
Preßler ist seit 17 Jahren im "Geschäft", so groß waren die Sorgen noch nie. "Wenn dir eine Gemeindebäurin sagt, dass sie mit dem Gedanken spielt, endgültig aufzuhören, wenn dir g´standene Bauern mitteilen, dass sie keine Begeisterung mehr bei der Arbeit verspüren, und wenn junge Nachfolgebauern sagen, dass sich das nie mehr ausgehen kann, dann kracht es im Gebälk." Bei der Präsentation des Herbstreigens plagte Preßler das schlechte Gewissen: "Wir präsentieren Feste und Aktivitäten, während einige Bauern um die Existenz raufen. Aber eine Blockadehaltung oder Phrasendreschereien am politischen Sektor helfen uns auch nicht weiter. Denn die Sehnsucht der Menschen nach einer intakten, gepflegten Landschaft und Natur wird immer größer, daher braucht man uns Bauern und daher sind solche Feste für den Zusammenhalt auch ganz wichtig."
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