21.04.2017, 09:43 Uhr

Kältewelle vor Sonnenaufgang - wieder massive Schäden bei Obst und Wein

Der Frost erwischte große Teile des Weinguts Stocker. (Foto: Stocker)

Die Wein- und Obstbauern der Lipizzanerheimat hatten eine schlaflose Nacht bei bis zu minus fünf Grad.

Schon im Vorjahr zerstörte ein massiver Frosteinbruch Ende April teilweise bis zu 100% der Wein- und Obsternte. Und auch in der Nacht von Donnerstag auf Freitag kühlte es im Bezirk Voitsberg wieder auf bis zu minus fünf Grad ab. Die tagelangen Wetterwarnungen zeigten bei den Bauern Wirkung. So kämpfte Winzer Christian Bauer vom Buschenschank Bauer-Prall in Mooskirchen mit weiteren fünf Helfern mit aller Kraft gegen die Schäden an. "Wir haben bei Zwetschgen, Williamsbirnen und Pfirsich Frostberegnung eingesetzt, weil wir ja einen eigenen Speicherteich haben", so Bauer. "In den Schilcherweingärten haben wir Strohballen angezündet, um die Temperatur möglichst hoch zu halten. Aber an exponierten Stellen sind die Schäden massiv." Und so rechnet Bauer mit großen Schäden bei Muskateller und Sauvignon blanc, Schilcher und Weißburgunder dürften "mit einem blauen Auge" davongekommen sein. "Seit 2 Uhr früh sind wir in den Obst- und Weingärten unterwegs." Bauer schloss eine Frostschutzversicherung ab, denn die Vorjahresförderungen von Bund und Land wird es heuer laut Bauer nicht mehr oder nur sehr spärlich geben. "Durch unsere Höhenlage kam unser Bezirk im Gegensatz zum Süden und Südosten des Landes noch relativ gut weg." Allerdings rechnet Bauer trotzdem mit rund 50% Schaden. "Genaueres können wir erst in den nächsten Tagen sagen."


Bittere Stunden

Ganz massiv traf es schon wie im Vorjahr wieder Christian Stocker. "Kurz vor 6 Uhr früh kam die Kältewelle von minus vier Grad", bedauert der Winzer. "Wir haben überlegt, die Reben mit Vlies einzupacken, ich hätte auch schon 20 Helfer gehabt. Doch ein Vlies hilft nur wegen der Bodenwärme und nicht bei ein Meter hohen Reben, daher habe ich das Ganze abgeblasen." Stockers Reben am Dorngrabenkreuz schienen bis vor dem Morgengrauen das Schlimmste überstanden zu haben, doch dann "kam der Hammer". Schon im Vorjahr beklagte Stocker 100% Ausfall. "Die 15 bis 20%, die der Frost übrig gelassen hat, wurde im Juli durch den Hagel zerstört." Die einzige Hoffnung: Heuer traf der Frost die Reben in einem früheren Austriebstadium.


Der Wind ließ nicht

Auch die Obstbauern traf die Kälte. Rudi Gantschnigg kann noch keine genauen Angaben über Schäden machen, allerdings kämpfte er auch mit vier bis fünf MInusgraden. "Wir haben ein Eckerl mit Äpfelbäumen beregnet und drei Jahre alte Bäume mit Vlies umwickelt. Aber bei mehr als 7.000 Bäumen ist ein umfassender Schutz ein aussichtsloses Unterfangen." Bis 4 Uhr früh verhinderte der Wind einen Temperatursturz, dann ging es bergab. "Wir hatten im Vorjahr beim Obst einen Totalausfall, dadurch gab es keinen Ab-Hof-Verkauf. Besonders optimistisch bin ich auch für heuer nicht."
Schlimm erwischte es auch Peter Bäuchel. ​​Totalschaden beim Obst, 30% Schaden beim Wein. "Wir haben 14 Rundballen von 22 bis 6 Uhr verheizt und versucht, mit der Berauchung von Obst- und Weinbauflächen das Ärgste zu verhindern", erzählt Bäuchel. Die Nachbarn halfen freiwillig mit. "Die jungen Weintriebe haben das besser ausgehalten als das Obst. Ich glaube nicht, dass die Berauchung etwas bringt. Eine Befeuerung vielleicht, aber dafür sind wir nicht ausgerüstet." Das genaue Schadensmaß zeigt sich erst in den nächsten Tagen. "Wir sind versichert, aber nur gegen Ertragsausfall. Gehen Bäume ein, müssen wir das selbst bezahlen"
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