15.03.2017, 13:05 Uhr

Windpark Stubalm: Strom für 40.000 Haushalte

Die Betreiberfamilie Penz mit Friedl Kaltenegger und Johannes Binder

Die Betreiberfamilie Penz stellte in einer Präsentation den Windpark Stubalm in allen Details vor.

Europa gerät bei der installierten Windkraftleistung gegenüber Asien ins Hintertreffen und die Steiermark hinkt in Sachen Erneuerbarer Energie dem Österreich-Durchschnitt hinterher. Mit diesen zwei Aussagen leitete Johannes Binder vom Energie Center Lipizzanerheimat, die Präsentation des Windparks Stubalm der Familie Penz in der WKO Voitsberg ein. Die Hard Facts: 20 Windräder der Type Siemens SWT 3.2-113 mit Gesamthöhen von 154 und 184 Metern und eine Gesamtleistung von 64 MW, was Strom für 40.000 Haushalte bedeutet. Die Netzableitung erfolgt über ein 30 kV-Erdkabelsystem mit dem Einspeisepunkt Umspannwerk Baumkirchen. Die Standortgemeinden sind Hirschegg-Pack, Maria Lankowitz und Weißkirchen.
Die Bauphase beträgt drei Jahre. Im ersten Jahr sind zeitweise Rodungen geplant, im zweiten die Herstellung der Infrastruktur und im dritten Jahr der Anlagenbau. Derzeit werden im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung die Gutachten erstellt, im Sommer sollte die Verhandlung stattfinden.

Viele Maßnahmen

Die Familie Penz aus Edelschrott beschäftigt sich seit 27 Jahren mit Erneuerbarer Energie, setzte das Biomasseheizwerk in Edelschrott, eine hauseigene Biogasanlage, das Wasserkraftwerk Teigitsch, das Biomasseheizwerk Hirschegg-Pack, eine hauseigene Photovoltaikanlage, das Wasserkraftwerk Oslingbach in Hirschegg und das Biomasseheizwerk Bärnbach um und will in der Vorrangzone des Landes Steiermark den neuen Windpark errichten.
Schon im Zuge der strategischen Umweltverträglichkeitsprüfung wurden alle damaligen Gemeinden und Instutionen eingebunden. Auch die Bundesforste und die Energie Steiermark interessierten sich für das Projekt, die Lokalmatadore aus Edelschrott bekamen den Zuschlag.
Die Vorbereitungen zur UVP waren umfassend und sehr aufwändig. Windmessungen mehr als ein Jahr lang, Gutachten in den Bereichen Technik, Schattenwurf, Eisfall, Meteorologie, Verkehr, Klimaschutz, Schalltechnik, Umweltmedizin, Tiere, Pflanzen, Boden, Geologie, Landschaftsschutz, Sach- und Kulturgüter sowie die Lipizzaner wurden erstellt. Allein die Projektierungsdauer betrugt drei Jahre inklusive Anlagen-Positionierung und Abgabe der UVP-Einreichunterlagen. "Es war wie ein Riesenschachspiel", erklärte Penz. "War der eine Gutachter zufrieden, hatte der nächste neue Einwände. Jetzt haben wir für alle einen guten Kompromiss gefunden." Mit den umliegenden Grundbesitzern und Jägern wurde Konsens erzielt, seit 22. Dezember 2016 liegen die Details öffentlich auf.


Ausgleichsmaßnahmen

Die Betreiberfamilie setzte sich auch mit allen Bedenken auseinander. Als Ausgleichsmaßnahmen für die Natur sind ein Ameisenschutz, die Entwicklung auerhuhn- und fledermausfreundlicher Waldbestände, eine Habitatverbesserung für das Birkhuhn, Anbringung und Betreuung von 30 Vogelnistkästen und 50 Fledermauskästen, Abheben und Wiederaufbringen von Rasensoden - der Almrasen wird abgetragen und nach den Bauarbeiten wieder angebracht -, Erhalt von Altbäumen, Auszäunung einer Blumenwiese, Verpflanzung seltener Pflanzen usw. Insgesamt sind es 33 Maßnahmen.
Die Windräder haben eine Blattbeheizung, um den Eisfall zu verhindern, der Weitwanderweg wird weiterhin zur Gänze bewanderbar sein, die Erstellungsarbeiten finden großteils in der Nacht statt, um die Wanderer nicht zu stören, touristische Ideen wie ein begehbares Windrad mit Aussichtsplattform und einen Energiewanderweg werden weiterverfolgt. Und bei Bergmessen werden die Windräder bei Bedarf sogar abgestellt, um niemanden zu stören.
"Wir sind nicht der typische Investor oder Energiekonzern, sondern leben hier in dieser Region, daher sind wir auch interessiert, dass diese Region weiterhin lebenswert bleibt", so Penz.

Zugpferde

Friedl Kaltenegger vom Salzstiegl, selbst Besitzer zweier Windräder, kann nur Gutes berichten. "Ich musste sogar Führungen zu den Windrädern machen, die Schifahrer freuen sich, dass ökologische Energie erzeugt wird, und wir haben noch keinen einzigen toten Vogel entdeckt. Und bei den Jägern ist es so, dass es einen großen Unterschied macht, ob die Windräder die Tiere stören oder die Jäger selbst", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. "Wir machen sowie die Familie Penz aktiven Klimaschutz."
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