Kommentar
Davor - Davos - Danach

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Der jährliche Wahnsinn hat ein Ende. Rund 3.000 Teilnehmer, davon 100 Milliardäre waren vergangene Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Mit knapp 12.000 Einwohnern wuchs der Nobelskiort um ein Vielfaches, zählt man all die Sicherheitsleute, Serviceleute und Vertreter der Medien hinzu. Unterschiedliche Zahlen weisen darauf hin, dass 30.000 Betten gebucht wurden. Da kann es schon vorkommen, dass drei Nächte über eine bekannte Buchungsplattform über 30.000 Franken kosteten. Die Frage der Sicherheit schlägt mit neun Millionen Franken zu Buche. Der Veranstalter selbst zahlt dafür nur einen Bruchteil. Egal, es ist ein Stelldichein von Prominenz aus Politik, Wirtschaft und High Society. Kosten spielen dabei eine Nebenrolle. Geld wiederum die Hauptrolle. Nachhaltigkeit hat mit Öko-Sprechern wie Greta Thunberg und Prinz Charles ein Gesicht und somit auch ein gutes Gewissen bekommen. Die Fakten erzählen leider etwas völlig anderes. So gab es in der letzten Woche am Flughafen Altenrhein über 1.000 Flugbewegungen. Vergleich zum Weltwirtschaftsforum 2019: gleichbleibend. Das ist nur ein Beispiel wie Davos ein barockes Bühnenspiel ist und bleibt: außen hui und innen pfui.

So stellt man sich als Normalsterblicher die Frage, was dieses jährliche Megaevent überhaupt soll? Wem bringt dieses Forum was?

Es ist ein Politikum und zeigt nur auf, wie die Kräfteverhältnisse innerhalb der Weltwirtschaft verteilt sind und wie sie funktionieren. Wenn der US-Präsident mit zahlreichen CEOs großer Firmen am Tisch sitzt, geht es nicht um gerechte Verteilung zwischen Arm und Reich. Mr. President fragt jeden einzelnen Anwesenden, wie er der Wirtschaft der USA helfen könnte und wie viel jede einzelne Firma bereit ist, zu investieren. Dabei geht es um Milliarden. Nachhaltigkeit, Bekämpfung der Armut und das Erreichen von Klimazielen – so daran überhaupt ein Interesse besteht - spielen nur am Rande eine Rolle. Und diese Rolle ist in Davos extrem marginal. Im Vergleich dazu können selbst Weltklimakonferenzen, bei denen - mit Verlaub - auch nie etwas Erfolgreiches umgesetzt wurde, als großer Erfolg bezeichnet werden.

Um das schlechte Gewissen, wenn man den Teilnehmenden ein solches überhaupt zusprechen mag, zu erleichtern, lädt man junge Klimaaktivisten ein, interviewt sie, lässt sie reden ... Und genau das ist der Punkt. Man lässt sie reden – mehr aber auch nicht. Medial wird alles perfekt inszeniert. Auf fast allen sozialen Plattformen gibt es Livestreams der Reden, selbst öffentlich-rechtliche Sender übertragen sie live. Was aber im Hintergrund besprochen wird, bleibt im Verborgenen. Schließlich geht es um Gewinnmaximierung, nicht um Klimawandel und die Folgen. Denn die Welt retten bedeutet Geld ausgeben und das ist für die Wirtschaftsbosse kein (erkennbarer) Grund, ihr System zu ändern.

Hier kommen wir wieder zu einem wesentlichen Punkt, warum wir „Kleinen“ uns nicht mit Ausreden begnügen dürfen. Ausreden wie, wenn es die Politik und Wirtschaft nicht schafft, warum sollen wir dann was tun? Genau dieser Ansatz wäre jetzt fatal. Jeder von uns kann etwas dazu beitragen, dass wirtschaftliche Ideologien wie sie in Davos gelebt werden, vielleicht unterstützt werden oder eben nicht, dass aktiv für Umwelt und Natur was getan wird. Angefangen von Müllvermeidung, klimaneutrales Reisen und eine vernünftige Art und Weise der Ernährung. Wenn jeder anfängt seine eigenen Ziele – auch wenn es nur kleine Schritte sind – zu optimieren, dann machen viele kleine Ziele ein großes Ganzes. Das Prinzip von Angebot und Nachfrage bestimmt heute wie damals den Markt. Wir müssen endlich aufwachen aus einer scheinbar offensichtlichen Illusion, dass alles mittlerweile fremdbestimmt wird. Selbst das wird uns tagtäglich eingebläut. Solange wir alles und jedem glauben, bleibt die Devise: Davor – Davos – Danach.

Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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