Kommentar
"Helfen Sie uns, damit wir anderen helfen können!"

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Diesen Satz habe ich von einem Arzt auf Twitter aufgefangen. Ob er tatsächlich von ihm stammt oder auch nicht, ist an dieser Stelle völlig egal. Der Satz steht vielmehr symbolisch für die derzeitige Situation, in der wir uns alle befinden. Die Information, um die es in diesem Satz geht, ist die, dass Menschen in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen potenziell gefährdet sind, sich mit dem Virus anzustecken. Gerade immunschwache Menschen sind davon betroffen. Im Umkehrschluss heißt das nichts anderes, dass Besuche, die nicht wirklich nötig sind, vermieden werden sollten. Damit werden das gesamte Pflegepersonal und auch die kranken oder älteren Menschen geschützt.

Jeder von uns muss sich im täglichen Handeln immer wieder eine grundlegende Frage stellen: Sind meine Aktivitäten derzeit wirklich notwendig oder kann ich sie aufschieben? Wenn Sie Ihre Aktivitäten verschieben können, dann bitte machen Sie das auch. Vonseiten der Landes- und Bundesregierung kommt immer wieder der Appell, dass nur durch aktive Mithilfe der Einhaltung von aktuellen Verordnungen die Eindämmung und der Verlauf der Infektionsrate gesenkt werden können.

Das alles sind wichtige und notwendige Schritte damit Österreich kein Italien 2.0 wird. Wir sollten aus dem Fall „Ischgl“ österreichweit lernen.

Besonnenheit und Ruhe bewahren, stehen jetzt an erster Stelle. Und ganz ehrlich: Ich habe (noch) das Gefühl, dass diese massiven Einschränkungen in den Alltag von der Vorarlberger Bevölkerung sehr gut aufgenommen werden. Auf der anderen Seite muss man auch ehrlich sagen, dass uns allen nichts anderes übrig bleibt.

In den nächsten Wochen wird das öffentliche Leben massiv reduziert zwar weitergehen, aber die Konsequenzen sind noch nicht wirklich absehbar. Unsere Kinder müssen zu Hause bleiben, der Unterricht findet eingeschränkt statt. Die lerntechnische Infrastruktur ist dabei nur zum Teil beantwortet und gesichert. Aber auch das ist machbar. Wenn nicht am Ende die Lehrer zum Schulstart dann jede Woche Test, Schularbeiten und Prüfungen reinquetschen, nur damit das Soll in noch kürzerer Zeit geschafft wird. Das ergibt pädagogisch wenig Sinn. Dann lieber nach der überstandenen Krise erneut die Sinnfrage der Gesamtferienzeit stellen.

Auf gesamteuropäischer Ebene betrachtet ist das Vorgehen gegen das kleine Corona-Virus ein komplettes Versagen. Jedes Land handelt individuell und für manche Experten sind Beschlüsse und Verordnungen viel zu spät in Kraft getreten. Ein gesamteuropäisches Krisenmanagement war nicht existent. Da erstaunt es umso mehr, wie schnell die sogenannten EU-Außengrenzen geschlossen werden können, wenn es um Migranten und Flüchtlinge geht. Hier versagt die Aussage: Helfen Sie uns, damit wir anderen helfen können. Schade, sehr schade. Am Ende zeigt es aber eines recht deutlich. Unsere eigene Gesundheit steht weit über den Schicksalen anderer. Nichts anderes sehen wir in der derzeitigen Situation. Dieses WIR-Gefühl in Zeiten des Corona-Virus, zugegeben medial auch sehr gehypt, würde ich mir auch in manchen alltäglichen „normalen“ Situationen wünschen abseits von Corona und Co. Ebenso in außenpolitischen Angelegenheiten.

Man kann von der Bundes- oder Landesregierung halten was man will, aber in dieser besonderen Zeit zeigen alle daran beteiligten ein hervorragendes Krisenmanagement. Als Bürger hat man das Gefühl, gut informiert zu sein. Vergleicht man das Krisenmanagement zum Beispiel mit Deutschland oder Spanien, dann dürfen wir froh sein um die raschen Reaktionen unserer Regierung, auch wenn es mitunter ein oder zwei Wochen schon früher hätte erfolgen sollen. Darum gilt auch für jeden Appell der Regierung die Bitte: Helfen Sie uns, damit wir anderen helfen können!

Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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