Kommentar
Land der Berge, Land unter Strome...

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Während der ersten Phase oder Welle von COVID-19 hieß es irgendwann einmal, dass mittlerweile mehr Menschen nicht an dem Virus selbst sterben werden, sondern aufgrund der Nebenwirkungen des Virus. Soll heißen, dass viele Menschen während der Lockdownphase sterben mussten, weil sie nicht oder zu spät an ihren eigentlichen Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkt und so weiter behandelt wurden.

Und genau dieser Lockdown zeigt jetzt erst die tatsächlichen Auswirkungen, denen noch viele folgen werden. Arbeitslosigkeit, ganze Wirtschaftszweige schlittern in Richtung Konkurs und die psychischen Belastungen quer durch alle Gesellschaftsschichten haben schon jetzt tiefe Narben hinterlassen. Narben, die bleiben und die der beste Schönheitschirurg nicht wegbringt. Wenn das die „neue Normalität“ ist, dann kann ich darauf gerne verzichten. Bilder von verschobenen Erstkommunionen oder Firmungen werden jetzt häufiger zu sehen sein. Aber was für Bilder! Kinder fein herausgeputzt, stolz wie Oskar und alle tragen brav die Mund-Nasen-Schutz-Masken. Schulbusse und andere Öffis sind derzeit dermaßen mit Menschen vollgestopft, dass jedem der Sinn und Zweck der Maskenpflicht einleuchtet. Aber jeder fragt sich gerade hier, wo und wann ein Kleinelefant Platz hätte. Alle Maturanten freuen sich schon seit Jahren auf ihren verdienten Abschluss in Form eines Balles. Diese Freuden und Hoffnungen sind derzeit meilenweit vom Ziel entfernt. Klassenfahrten werden storniert – teilweise auf unbestimmte Zeit, manche auch endgültig! Denn viele sind im letzten Schuljahr und wechseln dann sowieso die Schule. Schnuppertage oder berufsbegleitende Praktikumstage in Betrieben sind logistisch und aus Sicherheit für die Mitarbeiter in den Betrieben fast unmöglich zu bekommen. Die Angst, dass Klassen oder komplette Schulen wieder in eine Home-Schooling-Phase müssen, ist omnipräsent. Auch Vereine haben derzeit eine derart große Planungsunsicherheit, dass das Vereinsleben und somit eine wichtige gesellschaftliche Säule stark zu bröckeln beginnt.

Ein Land steht also derzeit unter Strom! Unter den jetzigen Umstanden ist das nicht wirklich positiv. Bei all den genannten Faktoren - und das ist nur ein Bruchteil vieler anderer wichtigen Dingen in unserem Leben, sind manche Meldungen schon recht verwunderlich. So zum Beispiel, dass die Immobilienpreise weiterhin kontinuierlich steigen. Verwunderlich darum, weil es zeigt, wie gewisse Blasen sich weiterhin am Markt halten und unaufhörlich wachsen. Bis sie platzen. Viele Experten sind zwar der Meinung, dass dies nicht so schnell passieren wird. Was aber, wenn sich die meisten von uns in absehbarer Zeit solche Ausgaben nicht mehr leisten können? Schnell werden dann Freizeitaktivitäten hinterfragt. Und somit beginnt eine zu einem gesunden Wirtschaftswachstum gegenläufige Spirale. Denn wenn ich all mein Einkommen – sofern ich noch ein geregeltes habe – für Miete, Raten und Essen ausgeben muss, bleibt wenig bis nichts mehr übrig für Freizeit und Hobby.
Dann könnten auch die heimischen Skigebiete selbst von den Einheimischen nicht genutzt werden, weil der Freizeitsport Nummer Eins in Vorarlberg ähnlich wie die Immobilienpreise nicht günstiger geworden ist. Somit wird es für viele zum Luxusproblem werden. Was, wenn Reisewarnungen nahtlos in die Wintersaison übergehen und die zahlungskräftigen Touristen aus dem Ausland fernbleiben? Spätestens dann sollte man wieder über Preise für Einheimische nachdenken – vielleicht EU gleichberechtigungskonform als Coronatarif deklarieren. Denn sonst wird es sehr eng für unseren heimischen Tourismus und wir bleiben ein Land der Berge und ein Land unter Strom, mit vielen Ängsten und Bildern im Kopf, auf die wir in Zukunft gerne verzichten könnten.

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