Kommentar
Lob dem „Messe-Hennile“!

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Als die Meldung in die Öffentlichkeit sickerte, dass die verschobene Gemeinderatswahl am 6. September stattfinden solle, stand ein großes Fragezeichen im Raum. Warum? Weil es vielen unverständlich erschien, eine landesweite Wahl in die Sommerferien zu verlegen. Zumal bekannt ist, dass immer mehr Familien die letzte Ferienwoche nutzen, da in dieser die Preise gerade für Familien günstiger sind. Ergo – diese Wählergruppe würde diesem Wahlsonntag möglicherweise fehlen, selbst bei der Option Briefwahl.

Nun ist nach einer Befragung aller Bürgermeister im Land klar: Am 13. September wird gewählt! Zusätzlich hat sich Landeshauptmann Wallner sogar persönlich dafür eingesetzt, dass die Herbstmesse an diesem Wochenende von Wien abgesegnet wird. Die Antwort aus Wien kam prompt: Messen können mit einem schlüssigen und ausgereiften Sicherheitskonzept stattfinden. Amen. Und nach der Wahl darf Herr und Frau Vorarlberger dann gemütlich nach Dornbirn fahren, um das beliebte Messe-Hennile zu verspeisen. Ob am Wahlsonntag der ein oder andere Gemeindepolitiker auf der Messe zu sehen ist, ist eher unwahrscheinlich und bleibt abzuwarten. Zeit dafür wird kaum sein.

Sicherlich, die Herbstmesse ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, ob sich aber all die Unternehmen in dieser Krisenzeit teure Messestände leisten können, bleibt jedenfalls fraglich.

Nachdem aber am 13. September auch die Grenzen längst wieder offen sind, dürfen wirklich wieder alle die Herbstmesse besuchen. Der Anbieter des perfekten Fensterputzmittels darf nicht fehlen! Herrlich! Wehe einer zweiten Corona-Welle. Daher gilt seit dieser Woche neben all den Lockerungen verstärkt auch das neue Motto für das gesellschaftliche Leben: Eigenverantwortung. Der Hausverstand kommt ins Spiel. Aber wehe, das funktioniert nicht. Dann sind wir alle selbst schuld an einer möglichen zweiten Infektionswelle, dann hat die Eigenverantwortung versagt.
Ob der Kleinelefant Anfang September noch eine Rolle spielen wird, wissen wir nicht wirklich. Grundsätzlich muss der Motor Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen. Ich persönlich bezweifle, ob eine Herbstmesse diesen Umschwung wirklich bewirken kann. Es gibt derzeit einfach zu viele andere Baustellen. Viele Branchen, die spätestens im Herbst die jetzige Flaute voll zu spüren bekommen. Beispiel Baubranche: Derzeit sind die Auftragsbücher voll. Das Wetter spielt mit. Doch was passiert mit den richtig großen öffentlichen Aufträgen, die von Land oder Kommunen auf Eis gelegt werden müssen, weil die Einnahmen eingebrochen sind, also das Budget fehlt? Eine vom Bund versprochene Investitionsmilliarde für alle österreichischen Kommunen ist dabei nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.

Was passiert mit der Tourismusbranche, wenn am Ende des Sommers das dicke Minus durch fehlende Touristen nicht mehr abgewendet werden kann? Tourismus nur mit Gästen alleine aus dem Binnenmarkt Europa funktioniert nicht mehr. Es fehlen die Touristen aus Russland, aus Übersee, vor allem aus den asiatischen Ländern. Diese Art von Abfertigungstouristen wird voraussichtlich bis Ende 2020 und für die bevorstehende Wintersaison fehlen. Ein düsteres, aber realistisches Bild.

Lassen wir uns aber jetzt die Stimmung nicht versauen und freuen uns schon jetzt auf überfüllte Züge und Busse in Richtung Dornbirner Messegelände. Freuen wir uns auf Weinverköstigungen und unser geliebtes Messe-Hennile. Volksfeststimmung muss auch in Zeiten wie diesen der Bevölkerung geboten werden. Alles andere wäre Irrsinn und würde wahrscheinlich nur zu noch mehr Unmut bei den Vorarlbergern führen. Ist dem wirklich so?

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