Kommentar
Persönliche Notizen - Woche 5

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Nun ist es also soweit. Geschäfte unter 400 qm haben seit Dienstag wieder geöffnet. Endlich wieder normal shoppen. Endlich wieder normal Geld ausgeben. Endlich ohne vorgehaltener Hand im Geschäft dem Vordermann in der Schlange mit Mindestabstand die Meinung sagen. Endlich laut schreiend nach einer weiteren Kassenöffnung rufen. Jetzt mit Maske geht das anonym viel besser. Herrlich!

Im Bildungsbereich geht es virtuell weiter. Jetzt sogar mit neuem Lernstoff. Nach vier Wochen Stoffwiederholung sind die Schüler mit all den digitalen Arbeitsblättern gesättigt und selbst die Lehrer, die gerne ihren Stoff aus anno dazumal im realen Klassenzimmer wiederholen, haben bemerkt, dass Programme wie zoom, Teams und Co. doch mehr bieten als alte Pauskopien die als Arbeitsblätter via Mail verschickt werden. Übrigens: Für alle Kinder, die im Moment keinen digitalen Zugang haben, möchte die Bildungsdirektion und die Bildungslandesrätin Computer aus der Bevölkerung sammeln. Bildungsminister Faßmann meinte aber fast zeitgleich, dass alle Kinder, die keinen digitalen Zugang haben, eine Lösung vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen würden. Im Ländle muss es eben etwas schneller gehen. Daher dauert der Kauf von neuen Geräten offensichtlich zu lange, obwohl dies langfristig die bessere Lösung wäre. So aber dann doch lieber alte Geräte von der Bevölkerung, geht schnell und hilft direkt. Außerdem sind die dann mit Hilfe von HTL-Schülern auch noch virenfrei. Herrlich!

Wettertechnisch können wir uns alle nur glücklich schätzen. Was würden wir tun, wenn es seit der Ausgangbeschränkung und Home-Schooling nur geregnet hätte? Die Wahrscheinlichkeit der häuslichen Gewalt, der gestiegenen Scheidungsraten und frustrierten Kindern mit viel zu viel Bildschirmzeit hätten fatale Folgen auf unser zukünftiges Leben. Daher ein Hoch auf das Wetter! Herrlich!

Apropos zukünftiges Leben. Ich freue mich jetzt schon auf all die Ausstellungen in Kunsthäusern und Museen, Bildbände, Bücher, Filme und Dokumentationen, die über diese Corona-Krise gemacht werden. Dieses weltweite Ereignis geht nicht nur in die Geschichte ein, es ist die Grundlage für tolle, traurige, interessante und verschwörungstheoretische Geschichten. Ein Milliardengeschäft. Herrlich!

Da fällt mir ein Witz ein: Blick ins Jahr 2030. Die zehnjährige Tochter fragt den Papa, warum ihre ältere Schwester Paris heißt? Der Papa antwortet, dass die Schwester im Paris-Urlaub gezeugt wurde. Die zehnjährige Tochter scheint mit der Antwort zufrieden zu sein und bedankt sich beim Papa. Papa meint dazu nur: „Kein Problem, Corona!“

Ja, der Frühling 2020 geht in die Geschichtsbücher ein. Genauso wie der 11. September 2001. Gut, ein Zwanzigjähriger kann sich an dieses Datum nicht erinnern. Er kennt es aus Dokumentationen oder aus dem Geschichtsunterricht. Aber alle, die älter sind, wissen genau, was sie an diesem Tag gemacht haben. Und auch in Zukunft wird es bei Rückblicken immer heißen, das Jahr 2020 – die Zeit als wir zu Hause bleiben mussten. An dieser Stelle vielleicht nur für manche herrlich.

Werden wir auch zurückblicken und sagen, dass wir uns im Jahr 2020 verändert haben? Meine persönliche Meinung: Für einen gewissen Zeitraum bestimmt, aber danach wird das berühmte Boot, in dem wir uns alle befinden, wieder volle Fahrt aufnehmen und es wird weiterhin unterschiedliche Klassen geben. Dafür ist es einem zu kleinen Teil auf dem Schiff vor der Krise zu gut gegangen, um diese Privilegien und diesen Luxus einfach und selbstlos herzugeben.

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