Kommentar
Stell dir vor, es kommt niemand…

RZ-Chefredakteur

Zugegeben, dieser Satz würde auf alle Situationen zutreffen, bei denen Menschen auf andere warten. Und ja, es ist für jeden Wartenden immer ärgerlich, wenn eine Verabredung nicht oder zu spät erscheint.

Aber stellen Sie sich vor, es brennt und keiner kommt. Auch nicht die Feuerwehr. Mögliche Gründe wären ein totaler Netzausfall und damit auch die Notrufnummern. Oder die nächste Feuerwehr wäre schlicht und einfach zu weit weg. Auch Personalmangel und fehlendes freiwilliges Engagement könnten Ursachen dafür sein. Und ist eine Berufsfeuerwehr - selbst mit nur wenig Personal - überhaupt finanzierbar? Noch ist das ein unschöner Blick in die Zukunft.
Vergangene Woche wurde in einem Landkreis im deutschen Bundesland Hessen bekannt, dass dort der örtlichen Feuerwehr für eine reibungslose Einsatzplanung schlicht das Personal fehle. Nun überlegt dieser Landkreis mit den verantwortlichen Bürgermeistern ernsthaft, ob man auf das Landesgesetz zurückgreifen sollte, um dafür geeignete Bürger zwangszuverpflichten und entsprechend einzusetzen. In Not- und Katastrophenfällen ist jeder Bürgermeister verpflichtet, dafür zu sorgen, dass genügend Personal vorhanden ist und somit ein reibungsloser Einsatz erfolgen kann. Das gilt übrigens auch bei uns. Auch in Vorarlberg! Jeder Bürgermeister muss dieser Verpflichtung nachkommen und könnte per Gesetz geeignete Bürger zwangsverpflichten. Im Moment laut Gesetzestext nur Männer. Ist ja auch schon ein sehr altes Gesetz.

Mit Blick auf die aktuelle Ist-Situation in Vorarlberg können andere Regionen und Länder nur mit Neid auf uns schauen. Gerade in der Blaulichtorganisation Feuerwehr haben wir im Land eine enorm professionelle Struktur und die Bereitschaft zu einem freiwilligen Engagement ist ungebrochen hoch. Dies kommt aber nicht von ungefähr. Dahinter steckt viel Arbeit in Aufklärung und Akquise. So ist es nicht verwunderlich, wenn ein Kindergartenkind mit leuchtenden Augen nach Hause kommt und Feuerwehrmann oder -frau werden möchte. Grund: Ein großes rotes Auto mit Blaulicht und coole Männer und Frauen waren zu Gast im Kindergarten. In Vorarlberg gibt es zusätzlich die Aktion 60+. Dort versucht die Feuerwehr gezielt, ältere aber immer noch körperlich und geistig fitte Menschen für die Arbeit bei der Feuerwehr zu begeistern. All diese Maßnahmen tragen Früchte. Es gibt kaum Mitgliederschwund und die Gemeinschaft Feuerwehr ist ungebrochen stark. Für diese freiwillige Bereitschaft benötigt es drei Säulen: der Freiwillige selbst, sein familiäres Umfeld und einen toleranten Arbeitgeber. Gerade Letztere wurde am 3. November ausgezeichnet.
Diese drei Säulen sind nicht nur bei der Feuerwehr wichtig, sondern überall, wo Menschen sich freiwillig engagieren. In Vorarlberg eine nicht wegzudenkende Masse - eine Art „soziales Grundsummen“.

Von vielen Freizeitvereinen hört man schon seit Jahren, dass es teilweise Mitgliederschwund gibt oder sich Mitglieder nicht gerade in verantwortungsvolle Positionen drängen und wenn ja, dort nur kurz verweilen. Das heißt, dieses Grundsummen wird von Jahr zu Jahr etwas leiser. Noch nicht wirklich hörbar, aber man hat das Gefühl, dass es anders klingt. Verstummt dieses Summen eines Tages, dann haben wir in Vorarlberg ein massives Problem bezüglich gesellschaftlicher Strukturen und Grundpfeiler oder Stützen. Dann würden soziale Hilfen auf freiwilliger Basis nicht mehr angeboten, und sie wären nicht mehr bezahlbar.

Und stellen wir uns vor, wir brauchen irgendwann Hilfe und es kommt keiner – nicht, weil es keiner hört, sondern weil es keiner mehr auf freiwilliger Basis machen möchte … und deswegen niemand mehr hingeht.

Autor:

Christian Marold aus Feldkirch

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