Kommentar
Wetten, dass...?

Christian Marold
RZ-Chefredakteur

Was für ein Quotenerfolg! Würde man die Einschaltquoten der beliebten Samstagabendshow auf die derzeitige Impfquote umrechnen, dann wären Österreich und Deutschland wahrscheinlich bei 95 Prozent Durchimpfungsrate. Knapp 15 Millionen Menschen sahen in Deutschland und Österreich am Samstag „Wetten, dass...?“. Bei vielen wurden Erinnerungen wach. So waren Unterhaltungsshows wie „Wetten, dass...?“, ein fixer Familientreffpunkt an den Samstagabenden. Ob die Shows gut oder schlecht waren, völlig egal - für die Kinder galt das Credo des langen Aufbleibens und für die Eltern das gemütliche Nippen am Wein- oder Bierglas. Da Herr Gottschalk die Sendung meist völlig absurd überzog, waren die Kinder todmüde und die Eltern meist hacke dicht (verzeihen Sie mir – natürlich nicht alle). Jedenfalls wird jetzt schon darüber diskutiert, ob diese Jubiläumsshow vom vergangenen Samstag wieder regelmäßig ins Programm genommen werden sollte. Warum? Aufgrund der vorher genannten Argumente Kind/Eltern? Damit wenigstens einmal die Woche die Familie zusammensitzt? Kann das funktionieren? Im Streamingzeitalter wohl eher nicht. Das lineare Fernsehen ist tot. Das wurde schon lange vor der letzten Wetten, dass...?-Sendung 2011 prognostiziert. Genauso wie das völlige Verschwinden von Printzeitungen und Radio auf UKW-Basis. Ja, diese nostradamischen Wahrsagungen haben schon was für sich. Gut, in manchen Bereichen sind sie eingetreten, aber diese als pauschal anzusehen, hielt und halte ich für falsch. Dennoch sind solche etwas in die Jahre gekommenen Unterhaltungsshows schon zu hinterfragen. Nicht nur weil der etwas müde wirkende und sehdebile Thomas Gottschalk mit seinen Kalauern sein Alter nicht wirklich kaschieren konnte. Das Format wirkte weder neu, noch hatte es nostalgischen Charme. Fremdschämen war in vielen Momenten eher angebracht.

Sollten sich aber zukünftige Wetten, dass...?-Termine nicht vermeiden lassen, weil sich sehr viele Zuseher angezogen fühlen, wie bei all den florierenden 80er-Jahr-Partys, dann sollte man vielleicht über Wetten und Formate nachdenken. Zum Beispiel könnte die Saalwette lauten: Wetten, dass es der Moderator nicht schafft, 1.000 Menschen zu motivieren, sich an dem Abend live impfen zu lassen? Oder vielleicht wäre ein Sebastian K. (35) bereit, live über Fernsehhypnose die Zuseher so zu manipulieren, dass sie ihn für ein höheres Amt wählen würden.

Gäbe man einer künstlichen Intelligenz den Auftrag, eine Unterhaltungsshow mit nostalgischem Flair zu generieren, dann wäre wahrscheinlich genauso eine Sendung wie vergangenen Samstag entstanden. Aber kann es wirklich der Anspruch der Zuschauer sein, immer auf der „Guten alten Zeit-Welle“ reiten zu wollen? Oder ist der Reiz einer solchen Sendung ähnlich dem eines Unglücks? Man kann nicht wegsehen. Man muss es sehen. Hauptsache gaffen.

Vielleicht aber lässt so eine Sendung die Menschen auch ganz einfach die aktuellen Sorgen und Ängste für ein paar Stunden vergessen. Dann haben die Verantwortlichen mit so einem Format alles richtig gemacht. Schließlich ist es am Ende eine Unterhaltungsshow. Mitunter habe ich diese Sendung viel zu kritisch betrachtet. Abschalten, zuschauen und über flache Witze laut und hemmungslos lachen. Ja, das hätte ich gerne gemacht, konnte es aber nicht. Am Ende habe aber ich die Wahl und kann um- oder ausschalten. Oder ich probier mit der Klobürste Lieder zu putzen. Rhythmisch wäre „Oho Vorarlberg“ eine gute Vorlage.

Wetten, dass... diese Sendung wieder kommen wird? Die Quoten dafür stehen jedenfalls besser als derzeit die Durchimpfungsraten in Österreich und Deutschland.

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