Die Zweite Gruft: Im Winter ist besonders viel zu tun

Stafan Csaba und Petra Schmidt sitzen im Innenhof der Zweiten Gruft.
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  • Stafan Csaba und Petra Schmidt sitzen im Innenhof der Zweiten Gruft.
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WÄHRING. Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte kälter. Aber wenn man im Kreise der Familie eine Tasse Tee schlürft, kann der Winter durchaus auch schön sein. Doch genau das ist für viele keine Selbstverständlichkeit. Wie viele Obdachlose es in Wien gibt, lässt sich schwer sagen. Im Winter, so viel steht fest, wird ihre Situation prekärer. Wenn sich das Thermometer dem Gefrierpunkt nähert, ist eine Nacht im Freien lebensgefährlich. Genau dann herrscht in der Lacknergasse 98 Hochbetrieb.

Hier befindet sich die Zweite Gruft, die Schwestereinrichtung der Gruft in Mariahilf. Und hier tun Leiterin Petra Schmidt, ihre Angestellten und zahlreiche Freiwillige alles Menschenmögliche, um die Luxusgüter Familie und Zuhause soweit es geht zu ersetzen. Unter dem Dach des Hauses befinden sich gleich mehrere Einrichtungen: Ein Notquartier für Frauen, das Wohnprojekt KuWo für rekonvaleszente Obdachlose und ein Tageszentrum. Vor allem sogenannte Menschen ohne österreichischen Pass finden hier Unterstützung.

Im Tageszentrum gibt es täglich ein Frühstück und ein warmes Mittagessen, Möglichkeiten persönliche Gegenstände unterzubringen, eine Dusche und Toiletten. Beim Gang durch die Zweite Gruft um 9 Uhr morgens herrscht bereits geschäftiges Treiben; Zettel und Hinweisschildern in diversen Sprachen sollen für einen geregelten Ablauf sorgen. Aus jeder Ecke sind Gespräche zu hören, viele auf Englisch oder in slawischen Sprachen. Viele Osteuropäer aus Bulgarien, Rumänien oder Ungarn suchen die Einrichtung regelmäßig auf, erklärt die Leiterin. Doch die Spannweite reicht von Afrikanerinnen bis hin zu Pensionisten aus der Umgebung. Übersetzer und Dolmetscherinnen sind gefragte Personen im Haus.

Freiwillige kochen und schneiden Haare

In der Küche kocht gerade ein Fanclub der Admira-Wacker, am Nachmittag wird die Profi-Mannschaft der Admira in der Lacknergasse erwartet. Dementsprechend aufgeregt sind alle Beteiligten. Vieles sei hier nur dank dem unermüdlichen Einsatz von Freiwilligen möglich, so Schmidt. Vor allem die Kochgruppen, die regelmäßig hierher kommen und selbst mitgebrachte Lebensmittel zubereiten, leisten einen wichtigen Dienst. Auch zwei ehrenamtliche Friseurinnen besuchen das Haus regelmäßig, sorgen für den adäquaten Style im Tageszentrum.

Mit dem nahenden Winter gerät die Einrichtung regelmäßig an ihre Belastungsgrenze. Im Tageszentrum, eigentlich auf 100 Personen ausgelegt, sammeln sich teilweise an die 130. "Das Bedürfnis nach Wärme und Wohnraum ist natürlich im Winter groß", erklärt die Leiterin. Zur kalten Jahreszeit verschlage es auch zahlreiche "Notreisende" nach Wien, um dort zumindest das Nötigste zu finden, was ein Überleben irgendwie möglich macht. "Die Armut in Europa hat viele unterschiedliche Gesichter", erzählt die 47-Jährige. Vom 1. November bis 30. April bietet die Einrichtung deshalb zusätzliche Notquartierplätze an - für Menschen, die sonst die Nacht über im Freien bleiben.

Gutes Essen dank "gutem Koch"

Vor ungefähr fünf Jahren kam auch Stefan Csaba aus Rumänien nach Wien. Ohne Familie und auf teure Medikamente angewiesen, sei für ihn ein Leben in seinem Heimatland nahezu unmöglich, erklärt Csaba. Arbeit werde dort schlecht bezahlt, Wohnungen seien zu teuer, soziale Leistungen sind kaum vorhanden, Unterstützung für Obdachlose ein Fremdwort. Als die bz in der Lacknergasse zu Gast ist, feiert Csaba gerade seinen 23. Geburtstag. Für den Termin holt er extra sein schickstes Outfit hervor.

Seit beinahe drei Jahren kommt der 23-Jährige regelmäßig in die "Zweite Gruft". Nicht nur seine Medikamente und Essen bekomme er hier, sondern auch Unterstützung bei Meldezetteln und allerlei Papierkram. Auch bei der Arbeitsvermittlung hilft die Einrichtung. Und nicht zu vergessen: Gutes Essen dank "gutem Koch", lacht Csaba. Da ihm in Rumänien die Existenzgrundlage fehle, versucht er nun sein Glück in Österreich. Fragt man ihn nach seiner Zukunft, geht es ihm vor allem um ein gesichertes Einkommen. "Eine Arbeit - egal wo", das wär's. "Ich brauche nicht viel Geld, eine kleine Wohnung, vielleicht einmal eine Frau und ein Kind...", erzählt Csaba.

Während er für Rumänien nur wenig Lob übrig hat, ist seine Begeisterung für die "Zweite Gruft" kaum zu bremsen: "Hier ist mein Zuhause, meine Familie - mein Alles".

Zur Sache:

Da der Winter vor der Tür steht bittet die "Zweite Gruft" um Spenden. Besonders gefragt sind daher, dicke Jacken, Decken, Mützen, Schals und dergleichen. Dies ist kein Aufruf zum "Entrümpeln", spenden Sie bitte nur brauchbare Dinge, Alles andere verursacht mehr Aufwand als es nützt. Kontakt: Website oder zweite.gruft@caritas-wien.at

Stafan Csaba und Petra Schmidt sitzen im Innenhof der Zweiten Gruft.

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