Zweite Gruft in Währing
"Viele sind bei uns gestrandet"

[f]Wilhelm Jaschke[/f] leitet die Zweite Gruft: „Für Obdachlosigkeit gibt es viele Gründe, aber niemand lebt freiwillig auf der Straße.“
  • [f]Wilhelm Jaschke[/f] leitet die Zweite Gruft: „Für Obdachlosigkeit gibt es viele Gründe, aber niemand lebt freiwillig auf der Straße.“
  • hochgeladen von Mathias Kautzky

In der Lacknergasse liegt die Zweite Gruft der Wiener Caritas, wo obdachlosen Menschen geholfen wird.

WÄHRING. „Herzlich willkommen in der Zweiten Gruft“, begrüßt Wilhelm Jaschke beim Eingang in der Lacknergasse 98, „machen wir einen Rundgang?“ Gern. Beim Betreten des Caritas-Hauses für obdachlose Menschen muss man aufpassen, nicht auszurutschen: „Nach dem Mittagessen wird bei uns täglich überall aufgewaschen“, erklärt Jaschke im Stiegenhaus, das in den Speisesaal im Mezzanin hinaufführt.

Die Zweite Gruft gibt es seit 2010, das Haus ist spezialisiert auf in Österreich „nicht anspruchsberechtigte Obdachlose“, also Menschen, die aus anderen Ländern kommen und hier entweder noch nicht oder zu kurz gearbeitet haben, um Ansprüche im Sozialsystem zu haben. „Die meisten kommen aus Rumänien, Bulgarien oder auch Polen“, erklärt der 62-Jährige, der seit 2009 für die Caritas tätig ist. „Klassische ‚Wiener Sandler‘ gibt es kaum mehr, weil die Wohnungslosenhilfe der Stadt sehr gut funktioniert.“

Das Tageszentrum im Haus gibt es aber schon seit 1980: „Wegen des Coronavirus haben wir es aber aktuell geschlossen und betreiben nur die 24-Stunden-Notnächtigungsplätze. Da haben wir durchschnittlich rund 70 obdachlose Männer Tag und Nacht zu Gast bei uns.“ Gibt es keine obdachlosen Frauen? „Die gibt es, aber die gehen lieber etwa ins Obdach Ester in Mariahilf, wo sie unter sich sein können.“ Die Situation während des Lockdowns sei gut bewältigbar: „Alle unsere Klienten sind sehr diszipliniert und tragen immer Mund-Nasen-Schutz. Wir hatten noch keine Covid-19-Erkrankung im Haus.“

Laut Jaschke sind viele der Klienten der Zweiten Gruft von zuhause aufgebrochen, um in anderen Ländern Arbeit und ein besseres Leben zu finden: „Arbeitsmarkt, medizinische Versorgung und Zukunftsper-spektiven sind in ihren Heimatländern so schlecht, dass es egal ist, wie schlecht es ihnen hier bei uns auch gehen mag: Alles ist besser als zuhause.“ Wegen Problemen in der eigenen Familie, mit den Behörden oder schlicht aufgrund fehlenden Geldes für eine Fahrkarte seien sie dann in Wien „gestrandet“.

Hilfe, wo sie gebraucht wird

Der Hausleiter selbst sieht bedingungsloses Helfen als Berufung: „Außerdem steht es ja auch an vielen Stellen in der Bibel, dass man helfen soll“, so Jaschke, der nicht nur Theologe, sondern auch Psychologe ist.

Wie können die Währinger den Menschen hier helfen? Aufgrund der epidemiologisch angespannten Situation bittet die Caritas aktuell, von Sachspenden abzusehen und die Obdachlosenhilfe stattdessen mit einer Geldspende zu unterstützen: „Weil man mit Geld immer am meisten machen kann, ersuchen wir um Spenden auf das normale Caritas-Konto, Kennwort ‚Zweite Gruft‘, IBAN: AT1631 0000 0404 050 050.“

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