12.03.2018, 08:00 Uhr

Aufregung über massive Holzfällungen im Wienerwald

Der Winter ist im Wald wegen der Saftruhe der Bäume und durch die gefrorenen Böden die ideale Erntezeit. (Foto: Privat)

Die jährliche Holzernte und eine verschärfte Wegesicherungspflicht führen zu massiven Baumfällungen.

WIEN. Spaziergänger und Sportler sind die verstärkten Baumfällungen im Wienerwald aufgefallen und haben Alarm geschlagen. Betroffen ist hauptsächlich der nördliche Wienerwald, aber auch viele Wege im Wiener Stadtgebiet. Pia Buchner, Pressesprecherin der Österreichischen Bundesforste: „Hintergrund der Maßnahmen sind die reguläre Holzernte, aber auch Verkehrssicherungsmaßnahmen wegen dem Eschentriebsterben und Durchforstungsarbeiten zur Förderung des Jungwuchses.“

Obwohl der Wienerwald zu mehr als der Hälfte aus Buchen- und Eichenwäldern besteht, finden sich Eschen besonders an Wegen, Böschungen und Lichtungen. „Eschen gehen zum Licht“, weiß Andrea Schnattinger, Umweltanwältin. Der Pilzbefall kann die Bäume zum Absterben bringen und die Standfestigkeit stark beeinträchtigen. Eine Fällung entlang von Straßen, Wanderwegen, MTB-Routen oder Reitstrecken wurde zur Sicherheit der Straßenbenützer und Waldbesucher angeordnet.

In den vergangenen Jahren hat sich die Rechtsprechung bei der Wegehaltehaftung verschärft. Nun werden Bäume wie Gebäude betrachtet, sodass für jeden Schaden und Verletzungen von Teilen der Bäume der Besitzer auf einer Strecke von fünf Metern zuzüglich der Baumlänge neben den Wegen haftbar ist. Schnattinger: „Damit wird der Druck auf Waldbesitzer, die Bäume zu entfernen, erhöht.“ Eine Initiative gegen diese Rechtsprechung wurde bereits gestartet. „Bei waldtypischen Gefahren soll es keine Haftung geben, Bäume sollen nicht wie Gebäude behandelt werden und das allgemeine Bewusstsein über die positiven Aspekte des Waldes vor den Risiken soll geweckt werden“, fasst Schnattinger die Forderungen zusammen.

Die Bezirksrätin Magdalena Wagner von den Grünen Währing gibt zu bedenken: „Die Wegehaltehaftung ist in Bundesgesetzen geregelt, daher kann weder der Bezirk noch die Stadt Wien eine Änderung herbeiführen. Der Wiener Landtag hat sich allerdings bereits 2016 in einer Resolution für eine Änderung der Haftungsregelungen ausgesprochen.“ Ebenfalls zur Rettung des Wienerwaldes hat eine Facebook-Gruppe aufgerufen, die Fotos von Baumfällungen sammelt.

Kein Zusammenhang

Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass die aktuellen Baumfällungen mit wirtschaftlichen Knebelverträgen und Geldbeschaffungen zusammenhängen. Buchner weist dies vehement zurück: „Es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Schlägerungen und Lieferungen".
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Josef Lankmayer aus Lungau | 17.03.2018 | 21:14   Melden
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