16.10.2017, 09:30 Uhr

Der Barnabitenfreihof in der Gentzgasse wird restauriert: Weg mit dem Schönbrunner Gelb

Im wunderschönen und nach wie vor gelben Innenhof: Bildhauer Josef Uiberlacher (l.) und Baumeister Eberhard Szüts.

Das Haus in der Gentzgasse 10 wurde restauriert. Bei der Farbe hieß es: Zurück zu den Wurzeln!

WÄHRING. Wer dieser Tage die Gentzgasse entlanggeht, freut sich vermutlich: Das Gebäude, in dem die Schwedische und die Finnische Kirche untergebracht sind, erstrahlt in neuem Glanz. Ihre letzte Renovierung lag schon 30 Jahre zurück – und das hat man der Fassade auch angesehen. Nun wurde dem – das wird zumindest von einigen vermutet – ältesten noch bestehenden Gebäude im Bezirk ein neuer Anstrich verliehen.

Zuständig dafür war der Restaurator Josef Uiberlacher. Er hat das Haus, das 1582 erstmals urkundlich erwähnt wurde, untersucht und sich den Zustand des Gesteins und die Putzschichten an der Fassade genau angesehen. Sein Fazit: Von der Fassade, die bis 1780 vor das eigentliche Haus gebaut wurde, ist vor allem im oberen Teil noch relativ viel original erhalten. Der Putz war ursprünglich grau, auch die Fenster waren in einer ähnlichen Farbe bemalt. An diesen ursprünglichen Zustand wurde die neue Farbgebung nun angenähert. Bauleiter Eberhard Szüts ergänzt: "Das Gelb mit den grünen Fenstern, die sogenannte Schönbrunner Klassik, hat man vor 30 Jahren, als zuletzt saniert wurde, einfach überall draufgemalt. Davon entfernt man sich heute wieder."

Im wunderschönen Innenhof kann man das Gelb einstweilen noch besichtigen. Eine vollständige Sanierung ist dem Eigentümer Buwog im Moment zu teuer. Schade, findet die Schwedische Kirche, die hier seit 1986 ihren Sitz hat. Immerhin gibt es in der ehemaligen Kapelle im Hof einige Deckengemälde, die vielleicht Originale sind. Wegen des schlechten Zustandes ist dort nur ein Lager. Die Kirche würde sich eine andere Nutzung wünschen. Ihre Gottesdienste feiert die Gemeinde in der Sala terrena, deren Gemäuer noch aus dem 16. Jahrhundert stammen.

Amtssitz, Gefängnis, Kirche

Überhaupt ist die Geschichte des Hofes bewegt: Während der Zweiten Türkenbelagerung wurde er weitgehend zerstört, danach richteten die Barnabiten hier ein Amtshaus ein. Dem Orden gehörten damals große Teile Währings. Im Barnabiten- oder Michaeler Freihof, wie das Gebäude auch genannt wird, fand die Rechtsprechung statt. Auch die Gefängnismauern haben bis heute überlebt.
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.