03.11.2016, 09:53 Uhr

Neuer Roman von Petra Hartlieb: Ein Wintermärchen aus dem Währinger Cottage

Petra Hartlieb, Buchhändlerin und Autorin. (Foto: Sebastian Reich)

Liebe und Fin de Siècle: Petra Hartliebs neuer Roman "Ein Winter in Wien" kann mit beidem aufwarten.

WÄHRING. Bei Arthur Schnitzler werden sie lebendig, die Wiener, die vor etwa 100 Jahren unsere Stadt bevölkert haben. Schnitzler war dafür bekannt, seine Figuren mit einem psychologischen Einfühlungsvermögen zu beschreiben, um das ihn sogar Zeitgenosse Sigmund Freud beneidet hat. Er hat aber nicht nur andere, sondern vor allem sich selbst in einem beinahe manischen Ausmaß beobachtet. Seitdem er 17 Jahre alt war bis knapp vor seinem Tod, führte er Tagebuch. Er vermerkte, wie es ihm ging, wen er besuchte, in wen er gerade verliebt war und vieles mehr – auf insgesamt 8.000 Seiten.

Keine Rolle in seinen Aufzeichnungen spielt das Kindermädchen Marie Haidinger. Das mag daran liegen, dass sie nicht real ist, sondern die Hauptfigur in Petra Hartliebs neuem Roman "Ein Winter in Wien". Petra Hartlieb erzählt darin die Geschichte von Marie, die um das Jahr 1910 eine Stelle bei Arthur Schnitzler und seiner Frau Olga antritt. Sie kümmert sich um den neunjährigen Heinrich und die zweijährige Lili. Die – reale – Familie Schnitzler bewohnte zu dieser Zeit eine Villa im Währinger Cottage in der Sternwartestraße und genau dort siedelt Petra Hartlieb ihre Handlung auch an.

Das ist kein Zufall, denn die Autorin ist hier zu Hause und betreibt eine ihrer beiden Buchandlungen "Hartliebs Bücher" in der Währinger Straße 122. Die andere Zweigestelle findet sich in der Alsergrunder Porzellangasse.

Schicksal ohne Klischee

Auch Petra Hartlieb hat ein Talent dafür, lebendige Figuren zu zeichnen. Marie Haidinger teilt das Schicksal vieler junger Mädchen vom Land in der damaligen Zeit – als Haus- oder Kindermädchen ohne Rechte dem Dienstgeber ausgeliefert, mit wenig Lohn und wenig Freizeit. In Hartliebs Händen verkommt sie deshalb aber noch lange nicht zum bemitleidenswerten Klischee, von der ersten Seite an spürt man ihre zwischen Schüchternheit und Forschheit hin- und herpendelnde Persönlichkeit, ihre Widerstandsfähigkeit und ihre Neugierde.

Hilfe unter Frauen

Besonders schön ist, wie Petra Hartlieb deutlich macht, wie eine Solidarität unter weiblichen Dienstboten ausgesehen haben könnte – nicht alle helfen einander, aber manche eben schon. Zweimal wird Marie am Donaukanal von älteren Frauen aufgelesen, als sie gerade darüber nachdenkt, ins Wasser zu springen. Neu bei den Schnitzlers wird sie von der Köchin Anna gleich unter die Fittiche genommen. Schließlich trifft Marie auch noch Oskar, einen Buchhändler, dessen Hilfsbereitschaft auf mehr als nur einem freundlichen Wesen basiert...

Petra Hartlieb hat mit "Meine wundervolle Buchhandlung" bereits einen autobiografischen Bestseller vorgelegt. Auch in ihrem neuen Buch spielt eine Währinger Buchhandlung eine Schlüsselrolle. An "Ein Winter in Wien" können sowohl Romantiker als auch Literaturfreunde Gefallen finden. Neben Nebenrollen für Arthur Schnitzler und seine jüngere Frau Olga, die bei Hartlieb nicht ganz so gut wegkommt, gibt es nämlich noch den einen oder anderen Gastauftritt von bekannten Persönlichkeiten.

Die bz-Wiener Bezirkszeitung verlost ein Exemplar von Petra Hartliebs Roman "Ein Winter in Wien" (Kindler, ISBN-13: 978-3463400860). Einfach klicken und mitspielen!

Die Aktion ist bereits beendet!

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