09.06.2017, 15:22 Uhr

Währings Seniorenbeauftragter warnt: Die meisten Hausärzte sind über 55

Andreas Höferl hat die Altersstruktur der Währinger Ärzte untersucht und fürchtet eine Pensionsantrittswelle.

"Wir steuern auf eine Periode akuten Ärztemangels zu", meint Seniorenbeauftragter Andreas Höferl. Und das, obwohl Währing im wienweiten Vergleich noch sehr gut dahsteht.

WÄHRING. Ärzte sind fürwahr keine Seltenheit in Währing: Durch das Evangelische Krankenhaus und das nahe AKH haben viele Medizinerinnen und Mediziner ihre Ordinationen im 18. Bezirk aufgemacht. Es gibt hier 362 niedergelassene Ärzte. Das ist im Wiener und im europäischen Vergleich weit über dem Durchschnitt.

Das ist allerdings auch nicht sehr aussagekräftig, denn weniger als ein Drittel der Ärzte hat einen Kassenvertrag. Auch von den 78 niedergelassenen Allgemeinmedizinern haben nur 36 Prozent einen Kassenvertrag. Vergleicht man jene Hausärzte Währings, die bei der Wiener Gebietskrankenkasse unter Vertrag stehen, mit dem Wiener Durchschnitt, ergibt sich Folgendes: Auf 2.204 Wiener kommt ein Allgemeinmediziner mit WGKK-Vertrag. Im 18. Bezirk sind es durchschnittlich 1.734 Währinger, die sich einen solchen teilen. Währing liegt also noch immer deutlich über dem Schnitt.

Engpass befürchtet

Aber vielleicht nicht mehr lange, warnt Währings Seniorenbeauftragter Andreas Höferl: Währings Allgemeinmediziner sind zu zwei Drittel über 55 Jahre alt. Das hat eine von Höferl durchgeführte Erhebung ergeben. Von drei Kinderärzten mit Kassenvertrag sind zwei über 60 Jahre alt. Höferls Befürchtung: Bei einer Pensionsantrittswelle könnte Währing über kurz oder lang mit einer ungenügenden ärztlichen Versorgung dastehen. "Die Leute werden sich umgewöhnen müssen", sagt Höferl. Längere Wartezeiten seien schon heute Realität.

Die Ordinationen von pensionierten Ärzten werden nicht immer übernommen. Es gebe viele Auflagen, etwa im Bereich der Barrierefreiheit, die nur mit großen finanziellen Anstrengungen zu erfüllen seien, so Höferl. Ältere Kollegen verlangen für ihren Patientenstock bei der Übernahme zum Teil auch hohe Preise. Kassenstellen könnten deshalb in Zukunft unbesetzt bleiben, fürchtet Höferl.

Noch sei es aber nicht so weit, heißt es von der WGKK. Derzeit gebe es nur eine offene Kassenstelle in Währing in Nachbesetzung, unbesetzt sei keine. Die Kasse rechnet damit, dass bis 2020 weniger als die Hälfte der Mediziner in Pension gehen wird. Ihre Nachbesetzung sei in Währing generell einfacher als in anderen Bezirken.

Weniger Hausbesuche

Höferls Bedenken lassen sich damit nicht gänzlich ausräumen. Er sieht auf ganz Wien einen Ärztemangel zukommen, unter dem vor allem ältere Menschen leiden werden, da auch immer weniger Ärzte Hausbesuche machen.

Was die Zukunft betrifft, denken sowohl Höferl als auch die WGKK in die gleiche Richtung: Es soll vermehrt Praxisgemeinschaften oder und Primärversorgungszentren geben, in denen sich mehrere Ärzte die Räumlichkeiten und das Verwaltungspersonal teilen und damit laufende Kosten sparen können.
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