Julias Abenteuer in Ecuador: "Und plötzlich liegt ein Meerschweinchen auf dem Teller"

Julia (2.v.r.) mit ihren Mädels bei einem Ausflug auf den Vulkan.
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  • Julia (2.v.r.) mit ihren Mädels bei einem Ausflug auf den Vulkan.
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GROSS SIEGHARTS/AMBATO. Drückende Armut, Schicksalsschläge, Kriminalität und mittendrin eine Weltenbummlerin aus Groß Siegharts, die auszog um den ärmsten Kindern Ecuadors zu helfen.

Julia Gartner ist erst 24 Jahre alt und hat schon mehr Länder bereist als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Als Julia im September für ein einjähriges Volontariat nach Ecuador aufbrach, konnte sie nur ahnen, was ihr bevorstand. Zwei Monate sind inzwischen vergangen und die Bezirksblätter haben sie via Skype nach ihren Erlebnissen in Ambato, einer Provinzhauptstadt mit fast 300.000 Einwohnern gefragt.

Vier freiwillige Helfer kümmern sich um bis zu 130 Kinder in einer christlichen Mission im Zentrum der Stadt - eine davon ist Julia. Dazu kommen noch Ordensschwestern und Angestellte der Mission. "Die Kinder stammen aus sehr schwierigen Verhältnissen" berichtet die 24-jährige. Da wäre etwa die erst 13-jährige Zeida, die statt zur Schule zu gehen von ihrer Mutter zum Stehlen mitgenommen wurde. Auf der Flucht vor der Polizei hatte das Mädchen einen Unfall, wobei sich die 13-jährige schwere Verletzungen zuzog. "Anfangs hat sich nicht gesprochen, nie gelacht", berichtet Julia, die sich intensiv um Zeida gekümmert hat mit ihr lesen übte. Schrittweise erarbeitete sich Julia das Vertrauen des Mädchens. "Und plötzlich begann sie zu sprechen", freut sich die Helferin. "Das ging sogar so weit, dass wir sie sonntags in der Kirche auseinander setzen mussten, weil sie so viel mit den anderen Mädchen geredet hat", berichtet Julia und lacht in die Kamera ihres Laptops.

Das Schicksal der Kinder ist oft geprägt von Gewalt, Missbrauch, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit der Eltern. Viele der Kinder sind aggressiv, müssen psychotherapeutisch betreut werden. Die Volontäre der "Salesianer Don Boscos" und von "Jugend eine Welt" kümmern unter den strengen Augen der Ordensschwestern darum, den Kindern einen halbwegs normaler Tagesablauf zu ermöglichen. Sie helfen bei den Hausaufgaben, helfen bei der Feldarbeit, sind Ansprechpartner für die Kinder und auch so etwas wie eine Ersatzfamilie.

Dabei ist die Mission auf Spenden angewiesen und Luxus gibt es keinen. "Auf den Teller kommt hauptsächlich Reis und Brot", berichtet Julia. Wenn etwas Geld übrig bleibt, dann versucht Julia mit ihren Schützlingen am Wochenende etwas besonderes zu unternehmen: Ein Picknick am Fuß des Vulkans oder ganz einfach ein Kinobesuch.

Die Armut zu verkraften fällt Julia Gartner nicht immer leicht: "Als ich im Bus saß, sah ich plötzlich ein kleines Kind auf dem Gehsteig schlafen und niemanden hat es gekümmert". Oft arbeiten die Kinder als Schuhputzer für ein paar Cent am Tag. "Wer zwei Dollar am Tag mit nach Hause bringt, verdient schon gut", so Julia. "Ich schlafe oft schlecht und habe manchmal Alpträume, weil mir das Schicksal der Kinder nahe geht".

Aber es gibt auch heitere Episoden: Die Volontärin ist gerade dabei mit dem einzigen Tierheim eine Kooperation auszuhandeln, damit die Kinder mit den Hunden spazieren gehen können. Auch kulinarisch hält Ecuador für den Mitteleuropäer einige Überraschungen bereit, aber: "Bislang hatte ich Glück und ich bin noch nicht krank geworden", so Julia - ganz im Gegensatz zu manchem Kollegen. Als sie bei den Eltern eines Freundes zur Feier des Tages eingeladen waren waren, fragte die Hausherrin ob sie alle Fleisch essen würden. Als die hungrigen Gäste das bejahten folgte die Überraschung: "Plötzlich landete ein halbes Meerschweinchen auf dem Teller", lacht Julia. "Anfangs ist es schon etwas komisch, vor allem, weil ich als Kind selbst Meerschweinchen hatte. Aber es schmeckt gar nicht schlecht".

Für die Kosten ihres Aufenthaltes muss Julia selbst aufkommen. Zum Leben braucht die 24-Jährige zwar nicht viel, dennoch sind die Volontäre auf Spenden angewiesen um den Kindern in Ecuador helfen zu können. Mit den Spenden werden auch Ausflüge und Unterrichtsmaterial für die Kinder angekauft.

Julia bittet deshalb die Leser der Bezirksblätter um ihre Hilfe: "Jeder Euro kommt den Kindern vor Ort zu Gute!" Spendenkonto IBAN: AT393600000600024000 BIC: RZTIAT22 Wichtig: Verwendungszweck "Volontariat Julia Gartner".

Autor:

Peter Zellinger aus Waidhofen/Thaya

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